Werkzeuge Mit Toolmanagement die Werkzeugkoten in den Griff bekommen

Autor / Redakteur: Wolfgang Filì / Rüdiger Kroh

Toolmanagement galt jahrelang als zweifaches Missverständnis. Metall bearbeitende Betriebe hofften darauf, ihre Werkzeugkosten endlich in den Griff zu bekommen. Manche Hersteller glaubten, mit einem geschickten Mix aus Dienstleistung und Logistik die eigenen Werkzeuge besser im Markt verankern zu können. Beides ist genauso wahr wie überholt: Toolmanagement der jüngsten Prägung ist für beide Seiten ein Geschäft mit Sparschweinchen-Qualitäten.

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Am rechten Ort, zur rechten Zeit und mit den korrekten Eigenschaften: Toolmanagement als externe Dienstleistung soll die laufende Versorgung mit den optimalen Präzisionswerkzeugen sicherstellen. Bild: Filì
Am rechten Ort, zur rechten Zeit und mit den korrekten Eigenschaften: Toolmanagement als externe Dienstleistung soll die laufende Versorgung mit den optimalen Präzisionswerkzeugen sicherstellen. Bild: Filì
( Archiv: Vogel Business Media )

Betriebswirtschaftlich gesehen, ist jeder Werkzeugwechsel ein unproduktiver Aufwand. Technisch verstanden und das passende Tool vorausgesetzt, stellt er in der Serienfertigung allerdings knackige Schnittdaten und ordentliche Werkstückoberflächen sicher. Auf diese Weise die Standzeit und damit den Biss der Tools zu strecken, wäre allerdings der falsche Weg. Bereits vor Jahren hatten große Werkzeugproduzenten wie Sandvik Coromant nachgewiesen, dass verdoppelte Standzeiten die Fertigungskosten um bestenfalls 1% senken, verbesserte Technologiedaten demgegenüber aber ein Vielfaches an Einsparung eröffnen – dies freilich um den Preis, dass das Präzisionswerkzeug wieder häufiger gewechselt werden muss.

Wo also kostenschonend ansetzen? Ganz einfach, behaupten Toolmanagement-Dienstleister wie die TCM GmbH. Das österreichische Unternehmen bewegt sich genau in dieser rationalen Schnittmenge. „Toolmanagement, so wie wir es verstehen und organisieren, ist die Versorgung einer mechanischen Fertigung mit allen jeweils erforderlichen Werkzeugen von der Spindel bis hin zum Span“, sagt der für Marketing und Vertrieb zuständige Manager Wilhelm Maier. Anders als konkurrierende Anbieter stellt das Unternehmen selbst keinerlei Werkzeuge her, sondern konzentriert sich seit Mitte der 90er-Jahre vorrangig auf die logistische Effizienz rund um den Kern der Wertschöpfung. Dass TCM mit diesem Sparschweinchen-Service beim Kunden ankommt, belegen mehrfache internationale Auszeichnungen als Lieferant und Innovator des Jahres.

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Toolmanagement-Anbieter agieren global

Tatsächlich erfreuen sich Toolmanager wie TCM, aber auch Präzisionswerkzeughersteller wie Kennametal, Iscar, Mapal, LMT oder Gühring vor allem bei Serienfertigern wie der Automobilbranche zunehmender Wertschätzung. Längst nicht alle Größen der Werkzeugbranche verlegen sich deshalb hektisch auf die Logistik. Lediglich ein Teil nimmt das vorleistungs- und vertriebsintensive Produkt Toolmanagement in seinen Produktkatalog auf und hat eigene Profitzentren oder neue Geschäftsbereiche geschaffen. Was diese Anbieter allerdings verbindet ist, dass sie ihrer Schwerpunktkundschaft – der Fahrzeug-, Luft- und Raumfahrtindustrie nebst Zulieferern sowie mit Einschränkung dem allgemeinen Maschinenbau – an den jeweiligen Produktionsstandort folgen und damit global agieren. Und dass sie Geld damit verdienen.

So auch die internationale Kennametal-Gruppe. „Gefragt ist alles, was sich um den gesamten Werkzeugkreislauf einschließlich Beschaffung, Disposition, Werkzeugaufbereitung und Recycling dreht“, erklärt Volker Fritsche, der für Zentraleuropa zuständige Dienstleistungs-Manager des Fürther Unternehmens. Die Anfragen seien wesentlich spezifischer geworden als noch vor wenigen Jahren. Dies liege in erster Linie daran, dass die Kunden heute eine klarere Vorstellung davon hätten, was sie von einem Lösungsanbieter erwarten. „Sicher, es gibt am Markt höchst unterschiedliche Definitionen, was Toolmanagement eigentlich ausmacht. Dies bedeutet aber auch, dass diese Dienstleistung nicht mehr nur ein Schlagwort ist wie vor wenigen Jahren noch“, ist Fritsche überzeugt. Es gehe bei den Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen kaum noch um ein einzelnes Werkzeug, sondern in der Regel immer um die auf einzelne Bauteile bezogenen Kosten.

Nachfrage nach Toolmanagemenmt bei Produktions-Neuanläufen stark gestiegen

Vor allem bei Produktions-Neuanläufen sei die Nachfrage nach externem Toolmanagement in den vergangenen zwei Jahren deutlich angestiegen, bestätigt Steffen Lang, Geschäftsbereichsleiter Dienstleistung bei der Gühring oHG in Albstadt. Dabei sei zwischen verschiedenen Services zu unterscheiden. „Zum einen wird die rundum komplette Dienstleistung verlangt. Das heißt: Der Anbieter liefert fertig voreingestellte Werkzeuge an die Bearbeitungsmaschine und holt abgenutzte Tools dort wieder ab. Er erledigt zudem sämtliche vor- und nachgelagerten Aufgaben wie Einkauf, Lagerhaltung, Werkzeugmontage und –voreinstellung sowie die Werkzeug- und Prozessoptimierung.“ Abgerechnet werde auf Basis des jeweiligen Bauteils.

Zum anderen, so ergänzt Lang, verlange der Kunde reinrassige Logistikfunktionen wie das Werkzeugbeschaffen und –vorhalten im Konsignationslager. Dabei zahlt der Kunde allein das, was er der automatisierten Werkzeugausgabe entnimmt. Beides wird gewünscht, beides angeboten und ebenso oft vermischt wie in Reinkultur verkauft. Bis auf wenige Ausnahmen fahren alle Hersteller zurzeit diese Doppelstrategie.

Welche weiteren Voraussetzungen die Hersteller von Präzisionswerkzeugen mitbringen müssen, um sich im diesem Dienstleistungsfeld dauerhaft zu positionieren, bringt Ulrich Zierer auf den Punkt: „Breites Know-how, ein flexibles Angebot und Werkzeuge, die die besten ihrer Leistungsklasse sind.“ Insoweit müssten auch Produkte des unmittelbaren Wettbewerbs mitgeliefert werden respektive solche Werkzeuge, die nicht unbedingt die Kernkompetenz des Toolmanagements bilden, ergänzt der für die Leitz Metalworking Technology Group in Oberkochen übergreifend für das Toolmanagement zuständige Manager. LMT hat dazu eine so genannte Complete-Care-Dienstleistung sowie automatisierte Versorgungssysteme im Angebot.

Die Werkzeuge der Konkurrenz im eigenen Paket mitzuliefern, ist freilich nicht jedermanns Sache. Dabei spielen weniger etwaige Eitelkeiten der Unternehmen eine Rolle, als vielmehr kommerzielles Kalkül. „Manche Hersteller erhoffen sich, in ihre Dienstleistung vor allem Produkte aus eigener Herstellung einbinden und damit sparen zu können“, sagt Zierer. Effektives Toolmanagement lasse sich jedoch allein über Unabhängigkeit von der eigenen Marke erreichen. Tatsächlich ist auch bei einem breiten Portfolio, wie es Technologie- und auch Umsatzführer der Branche vorweisen können, nicht garantiert, dass es für alle Fälle die beste Lösung enthält. Hinzu kommt, dass die Serienfertiger seit Anfang des Jahrtausends mehr Sonderwerkzeuge denn je einsetzen. Die Hersteller dieser Tools wiederum sind nur zu einem Bruchteil die Platzhirsche der Branche. Sie stellen vorwiegend Standardprodukte her.

Toolmanagement – Service rund um den Fertigungsprozess

„Einige Anbieter sehen das Toolmanagement als Mittel, die eigenen Werkzeuge beim Kunden abzusichern“, reklamiert denn auch Wilhelm Maier von der TCM International GmbH. Eine notorische Falschannahme. Was der Kunde verlange, sei die für ihn wirtschaftlichste Lösung. Und zwar in jedem Bearbeitungsschritt. Unter diesem Aspekt seien neutrale Dienstleister klar der interessantere Partner. Unbelastet von der Verkaufsplanung eines Werkzeugherstellers könnten sie sich auf den Service rund um den Fertigungsprozess konzentrieren. Dies beginne grundsätzlich bei der Werkzeugversorgung und gehe weiter über die Weiterentwicklung ganzer Bearbeitungsprozesse bis hin zur Integration von Dienstleistungen wie dem Management von Hilfsstoffen wie Kühl- und Schmiermitteln oder der Instandhaltung.

Falsche Erwartungen gibt es gleichwohl auch regelmäßig bei Unternehmen, die sich erstmals mit dem Toolmanagement als Werkzeug zur Kostensenkung befassen. LMT-Manager Zierer erklärt weshalb: „Toolmanagement rechnet mit Vollkosten. Die interne Kostenrechnung potentieller Kunden geht oft mit anderen Zahlen in den Vergleich. So wird das Sparpotential unserer Dienstleistung oft deshalb verkannt, weil nicht der vollständige Prozess betrachtet wird.“

Oft dauert es Monate bis hin zu einem halben Jahr, dass der geldwerte Nutzen von Toolmanagement auch für kurzfristig rechnende Controller nachgewiesen ist. Wie bei fast allen natürlichen Prozessen fällt die Kostenkurve dabei längs einer Exponential-Funktion. Hinzu dürfte kommen, dass der Kunde die Bereitschaft seine Prozesse zu verändern mitbringen und es sich nicht um eine Einzel- und Kleinteilefertigung handeln sollte. In Cent und Euro spürbarer Nutzwert lässt sich dort nur in Ausnahmefällen schaffen.

Technologiezentren sind Voraussetzung fürs Toolmnagement-Geschäft

Unterhält ein Anbieter ein oder gar mehrere Technologiezentren, kann dies also nur von Vorteil sein. Bei allen großen, im Toolmanagement-Geschäft tätigen Präzisionswerkzeugherstellern ist dies der Fall. Dort lässt sich im Zweifelsfall demonstrieren, wie die Logistik passt, ob das Werkzeug zum rechten Zeitpunkt an der richtigen Stelle der Wertschöpfung ist und auch, dass die neueste Technik in die Lösungen einfließt. Auch reinrassige Nicht-Hersteller wie TCM stehen hier im Schulterschluss. „Über Technologiezentren können kurze Informationswege realisiert werden und auch die Versorgung der Kunden mit Know-how auf dem jüngsten Stand der Technik ist gewährleistet. Die Integration der Forschung und Entwicklung mit einschlägigen Hochschulen ist ebenfalls sinnvoll“, unterstreicht Maier.

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