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Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang der starke Schweizer Franken?
E. Jaisli: Es gilt unter dem Währungsdruck die Disziplin hochzuhalten. Die Herausforderung ist vor dem Hintergrund der Wettbewerbsdynamik sehr gross. Alle exportorientierten Firmen in der Schweiz sind davon betroffen. Einige Unternehmen denken über die Produktionsverlagerung ins Ausland nach. Wenn wir dadurch Ausbildungs- und Arbeitsplätze verlieren, hat es für die Schweiz eine negative volkswirtschaftliche Wirkung.
Wie sind Ihre Umsätze weltweit verteilt?
E. Jaisli: Der Heimmarkt ist mit einem Drittel vom Gesamtumsatz ganz wichtig. Nach Europa exportieren wir das zweite Drittel. Und das dritte Drittel geht in die USA und nach Asien.
Welche asiatischen Länder spielen die wichtigste Rolle?
E. Jaisli: Sicher Japan, Malaysia, Thailand und Singapur. Chinas Marktpotential ist viel versprechend. Das liegt daran, dass viele europäische, international agierende, Unternehmen unsere Werkzeuge auch am neuen Produktionsstandort China im Einsatz haben. Das kommt langfristig unserem Wachstum zugute. Um dieses Wachstum effizient zu realisieren, haben wir in Shanghai eine Vertriebsgesellschaft aufgebaut.
Wie haben Sie konkret auf den SNB-Entscheid reagiert?
E. Jaisli: Unter Berücksichtigung der neuen Ausgangslage haben wir den Dialog mit allen Anspruchsgruppen intensiv geführt. Die Ziele und Finanzpläne haben wir reflektiert und angepasst. Unsere internen Veränderungsprozesse nach Lean Management forcieren wir weiter. Mit Lieferanten und Kunden haben wir neue Massnahmen getroffen. Die Europreise haben wir um vier Prozent erhöht. Für Bestseller in Schweizer Franken geben wir bis Ende 2015 einen Swiss-Bonus von 8 %. Mit den Mitarbeitenden haben wir die 43-(an Stelle 40-)Stundenwoche bei gleichem Lohn vorläufig bis Ende Juli vereinbart.
Wie ist die aktuelle wirtschaftliche Situation bei Ihnen?
E. Jaisli: Generell sind wir gut aufgestellt. 2014 konnten wir zweistellig wachsen. Die grosse Frage ist, wie Entwicklung unter den neuen Wechselkurs-Rahmenbedingungen möglich ist. Der Schweizer Franken kann aus dem Ruder laufen, insbesondere im Zusammenhang mit den geopolitischen Krisenherden und den Konflikten in der Euro-Zone. Wir rechnen mit einer Margenverkleinerung und mit einem Ertragsverlust. Deshalb ist agiles Verhalten wichtig.
Was heisst das?
E. Jaisli: Ich hatte es kurz angesprochen: dass wir unser Konzept «Lean Management» weiter umsetzen. Um Verschwendung zu eliminieren, gestalten wir schlanke Prozesse in allen Unternehmenseinheiten. Wir setzen auf verkürzte Produktions-Wege, richten die Serienfertigung auf Produktfamilien aus und fokussieren auf «Just-in-time»-Produktion.
Haben Sie den grössten Teil des Prozesses vor oder hinter sich?
E. Jaisli: Wir sind mittendrin. Die Konzeptarbeit haben wir vergangenes Jahr gemacht, einige Produktionsabläufe sind bereits optimiert. Teilweise mussten wir die Maschinenstandorte komplett neu ausrichten, damit wir produktgruppenorientiert fertigen können.
Wie wird die Umstellung von den Mitarbeitenden getragen?
E. Jaisli: Wie die Veränderung von den Mitarbeitenden unterstützt wird, hängt von ihrer Beteiligung im Prozess ab. Die zuständigen Mitarbeitenden analysieren, planen und setzen die notwendigen Schritte mit Experten um. Auf diese Weise nutzen wir internes und externes Know-how sehr zielführend und halten die Motivation hoch.
Sind Sie heute gut genug aufgestellt, um am Werkplatz Schweiz produzieren zu können?
E. Jaisli: Mit der Prozessoptimierung sind wir sicher auf einem guten Niveau und können weiterhin zu wettbewerbsfähigen Preisen produzieren, das ist das Entscheidende. Ausruhen dürfen wir uns nie: Unsere Wettbewerber sind ebenfalls agil.
Sind die Wettbewerber qualitativ ebenbürtig?
E. Jaisli: Wettbewerber aus Europa und Japan verfügen über sehr gute Marken und gute Qualität, es sind anspruchsvolle Konkurrenten.
Was muss PB Swiss Tools machen, um vorn dran zu bleiben?
E. Jaisli: Wir garantieren nicht nur gleichmässig hohe Produkt-Qualität, die in der Summe aller Eigenschaften Anwender/-innen überzeugt. Jährlich führen wir neue Lösungen mit Erfolg im Markt ein. Die innovativen Neuheiten begeistern Endkunden weltweit, weil sie für die anspruchsvollen Anwendungsgebiete geeignet sind und sicheres und erfolgreiches Arbeiten garantieren. Als Voraussetzung für Innovation investieren wir in Entwicklung und Forschung, in die Aus-, Fort- und Weiterbildung unserer Mitarbeitenden. Unser über Jahrzehnte gewachsenes Know-how kontinuierlich auszubauen, bedarf grosser Anstrengung. Hier spielt unser Ausbildungssystem eine tragende Rolle, in dem das Know-how unserer erfahrenen Mitarbeitenden an die jungen Auszubildenden weitergegeben wird. Eine generationsübergreifende Zusammenarbeit bringt uns weiter.
Werden Sie ein Produktionszentrum im Ausland aufbauen?
E. Jaisli: Nein, ganz klar nein. Wir halten am Produktionsstandort Schweiz fest.
Darüber nachdenken tun Sie auch nicht?
E. Jaisli: Selbstverständlich denken wir über alle Optionen nach. Wir rechnen die Szenarien auch durch und beurteilen die Produktionsmöglichkeiten in andern Ländern.
Und trotzdem bleiben Sie dem Standort Schweiz treu?
E. Jaisli: Unsere Swiss-made-Produkte haben dank ihrer Hochwertigkeit eine sehr gute Nachfrage und Reputation. Wenn wir unsere exzellenten Prozesse und das Know-how auslagern, sind wir weniger agil und riskieren, Glaubwürdigkeit zu verlieren. Wir sind weltweit der einzige Handwerkzeug-Hersteller, der alle Produkte am Herkunftsort fertigt. Das gehört zu unserem Brand, wir offerieren ein 100 % Schweizer Produkt. Wenn wir in Asien produzieren würden, wäre es ein Aufkünden unseres Versprechens: work with the best.
Nochmals andersherum gefragt, denken Sie, dass es möglich wäre, Ihre Produkte mit den gleichen technologischen Mitteln in China in gleicher Qualität zu produzieren?
E. Jaisli: Auch hier, ein klares Nein. Das ist heute nicht 1:1 möglich. Die Voraussetzungen sind in der Summe der Qualitätseigenschaften, auf die es letztendlich ankommt, nicht gegeben. Das Umfeld an hoch kompetenten Experten, Lieferanten und ausgebildeten Mitarbeitenden ist uns nicht in gleichem Masse garantiert.
Apropos Qualität, was sind die wesentlichen Merkmale Ihrer Werkzeuge?
E. Jaisli: Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Sortimentsartikel und die Investitionen in neue innovative Lösungen. Nehmen wir ein Beispiel, einen unserer Bestseller, den PB 100, unseren Klassiker: Er besteht aus einem ergonomischen Kunststoffgriff und einer Klinge mit hoch präziser Spitze. Seit den 50er Jahren wird er nach einer von Paul Baumann (darum die Initialen PB im Markennamen) definierten Norm gefertigt. Obwohl der millionenfach produzierte Schraubenzieher immer ähnlich aussieht, wurde der Bestseller in unterschiedlichen Anwendungsgebieten von Experten getestet und laufend in Bezug auf Rohmaterialien, Ergonomie und Mehrnutzen optimiert. Weitere Produktfamilien sind als Ergänzung dazu entwickelt worden: Schraubenzieher mit höheren Drehmomenten und weicherem Griff, Drehmoment-Lösungen und diverse Schraubwerkzeuge mit Farbkodierung und Quergriffen.
Können Sie den Produktionsablauf eines typischen Werkzeuges vom Wareneingang bis zum -ausgang beschreiben?
E. Jaisli: Das Rohmaterial für die Klingen wird als Stangenmaterial eingekauft, es lässt sich optimal weiterverarbeiten. Es wird abgelängt, im Bereich der Kraftübertragung werden zwei Flügel per Umformverfahren gepresst, die für den Formschluss und Kraftübertragung zum Griff sorgen. Die Spitzen werden in der Regel mittels spanabhebender Bearbeitung auf CNC-Dreh- und Fräsmaschinen gefertigt.
Liegt das Know-how der Legierungen bei Ihnen oder dem Lieferanten?
E. Jaisli: In unseren Stahllegierungen steckt ein bedeutendes Know-how unseres Unternehmens. Wir verfügen über eine eigene «Rezeptur» der Stahllegierungen, die auf den Einsatz der Werkzeuge perfekt zugeschnitten sind. Jetzt könnte man denken, die Legierungen bleiben immer gleich, aber dem ist nicht so. Denn gerade bei den Werkstoffen gibt es kontinuierlich Neuentwicklungen von Legierungen, die bessere Eigenschaften haben als die bisher eingesetzten.
Gibt es weitere Vergütungsschritte, um die Eigenschaften der Werkzeuge zu optimieren?
E. Jaisli: Ja, die Wärmebehandlung ist ein entscheidender Faktor, sie muss genau auf den Werkstoff und die Anwendung abgestimmt sein. Letztlich müssen die Werkzeuge über eine möglichst hohe Oberflächenhärte verfügen, gleichzeitig eine hochfeste und zähe Grundstruktur aufweisen. Unsere Schraubwerkzeuge werden nicht nur auf Torsion beansprucht. Sie werden auch als Hebel oder Meissel sozusagen zweckentfremdet. Wir müssen dafür sorgen, dass sie diesen hohen Belastungen standhalten.
Welche Kunststoffe setzen Sie bei Ihren Werkzeugen ein?
E. Jaisli: Die Wahl des richtigen Kunststoffs ist bei unseren Werkzeugen ein sehr entscheidender Faktor in Bezug auf die Qualität. Bei den Kunststoffen setzen wir auf verschiedene Lieferanten, von denen wir genau das Material bekommen, das wir brauchen. Unsere klassischen Griffe bestehen aus einem abgewandelten Naturstoff mit reziklierbaren Eigenschaften. Dieser hervorragende Kunststoff wird auf der Basis von Zellulose hergestellt. Es ist das dauerhafteste Material für Griffe, das am Markt existiert. Deshalb verfügen die Werkzeuge mit diesen Griffen über eine hervorragende Schlagfestigkeit.
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