Suchen

Fräsen im Werkzeug- und Formenbau Portalfräsmaschine verdoppelt das machbare Spritzgießwerkzeug-Gewicht

| Redakteur: Peter Königsreuther

In ganz neue Größenordnungen ist der Werkzeug- und Formenbauer AWM vorgestoßen, heißt es. Der Grund dafür ist eine Portalfräsmaschine, die den Bau von bis zu 20 t schweren Spritzgießwerkzeugen unterstützt.

Firmen zum Thema

Das Unternehmen AWM Arnstädter Werkzeug- und Formenbau in Thüringen ist ein Hersteller von komplexen Spritzgießwerkzeugen und Sondermaschinen. Mit einer neuen Portalfräsmaschine des Typs Endura 900 Linear Kompakt von Fooke verdoppelt das Unternehmen jetzt das Maximalgewicht von Spritzgusswerkzeugen auf 20 t.
Das Unternehmen AWM Arnstädter Werkzeug- und Formenbau in Thüringen ist ein Hersteller von komplexen Spritzgießwerkzeugen und Sondermaschinen. Mit einer neuen Portalfräsmaschine des Typs Endura 900 Linear Kompakt von Fooke verdoppelt das Unternehmen jetzt das Maximalgewicht von Spritzgusswerkzeugen auf 20 t.
(Bild: AWM / M. Krummrich)

Das Unternehmen AWM Arnstädter Werkzeug- und Formenbau in Thüringen ist ein Hersteller von komplexen Spritzgießwerkzeugen und Sondermaschinen, die vor allem für die Automobilindustrie hergestellt werden. Nun ist AWM den bereits 2016 eingeschlagenen Weg in Richtung Großwerkzeugbau mit einem damaligen Hallenneubau noch ein Stück weiter gegangen, heißt es. Zwar sah es in dieser Zeit nicht wirklich rosig aus, doch die AWM-Entscheider ließen sich bisher nicht entmutigen.

Diesen Schritt markiert nun eine neue Portalfräsmaschine des Typs Endura 900 Linear Kompakt von Fooke, die seit Herbst 2019 bei AWM installiert ist. „Wir spüren schon jetzt, dass diese Entscheidung richtig war. So konnten wir im letzten Jahr gestiegenen Serviceleistungen für Spritzgießwerkzeuge im Bereich 10 bis 20 t erbringen. Auch für das vorliegende Jahr 2020 erwarten wir in diesem Punkt mehr Wachstum. Wir werden hier als Partner für eine hochwertige Überarbeitung und Betreuung von Werkzeugen auch ausländischer Fabrikate gesehen. Das könnten wir ohne die neue Maschine nicht in dieser Dimension leisten“, sagt AWM-Vorstand Klaus Kleinsteuber.

Bildergalerie

Die bekannte 5-Achs-Fräseffizienz gibt's jetzt auch für schwere Werkzeuge

Fooke gilt als Spezialist für den Bau großer 5-Achs-Fräsmaschinen, die bisher folglich noch nicht zum Technikpark des Thüringer Unternehmens gehörten. „Wir hatten bereits einen anderen Anbieter im Visier, sind aber über ein Partnerunternehmen auf Fooke aufmerksam geworden“, merkt Kleinsteuber an. Dieser Rat kam von Modelltechnik Waltershausen, die schon Anlagen des Borkener Werkzeugmaschinenbauers Fooke für das Fräsen von Prototypen-Werkzeugen aus Aluminium nutzt, wie es weiter heißt. Im Werkzeug- und Formenbau müssten jedoch hauptsächlich Stahl und Gusswerkstoffe bearbeitet werden. „Mit unseren 5-Achs-Maschinen sind wir bereits seit 40 Jahren ein Partner für das Fräsen von Aluminium und weiteren Leichtbauwerkstoffen, hauptsächlich für den Modell- und Prototypenbau in Luft- und Raumfahrt sowie der Schienenverkehrstechnik und ebenso der Automobilindustrie“, erklärt Andreas Feldevert, Leiter Vertrieb Europa bei der Fooke. Die nötigen Kompetenzen in Sachen Präzision und Bearbeitungseffizienz hat Fooke jetzt auch auf den schwereren Werkzeug- und Formenbau übertragen und dafür Maschinenbaureihen wie die Endura 90 0Linear Kompakt entwickelt, erklärt Feldevert. Das hat auch AWM hellhörig werden lassen.

Aufstellung ohne Fundament! Das bietet nicht jeder!

Ein überzeugendes Argument für AWM sei die Tatsache, dass die Maschine ohne Fundament aufgestellt werden könne - ein Vorteil, den andere Hersteller nicht zu bieten hätten. Auf einer vergleichsweise kleinen Gesamtfläche ermöglicht der große Bearbeitungsraum eine rationelle 5-Seitenbearbeitung von Werkstücken aus Stahl, Guss und Aluminium mit Verfahrwegen von bis zu 3500 mm × 2500 mm × 1500 mm, sagt der Fooke-Vertriebsmann. Durch ihre hohen Eigensteifigkeit und mit den Direktantrieben in allen Achsen gelinge die Endbearbeitung der schweren Werkstücke produktiv und hoch präzise. Über die rein technischen Eigenschaften hinaus, war dem AWM-Vorstand außerdem wichtig, dass die Bediener die Maschine aktzeptieren, so Kleinsteuber. Die Fräsexperten waren deshalb in alle Entscheidungsprozesse mit einbezogen worden, um sich von Anfang an mit dem Fooke-System vertraut zu machen. Das war die effektivste Überzeugungsarbeit, heißt es.

Erweitertes Machbarkeitsspektrum in Werkzeugbau und Service

Die Arnstädter nutzen die neue Technik nun für die Fein- und Finish-Bearbeitung von Spritzgießwerkzeugen, um die geforderte Oberflächengüte sowie die notwendige Maß- und Formgenauigkeit zu erreichen. Sie können damit vor allem aber auch im Servicebereich in Sachen 10 bis 20 t ihren Kundenkreis erweitern, wie die ersten Reaktionen auf das vergrößerte Leistungsspektrum bereits erwarten lassen. Denn die neuen Möglichkeiten gehen mit einem weiteren Vorteil einher: Große Werkzeuge müssen nicht erst demontiert und nach der Instandhaltung wieder zusammengebaut werden, sondern lassen sich jetzt „in einem Stück“ bearbeiten, was einen enormen Zeitvorteil bringt, wirft Kleinsteuber ein. Damit verfüge AWM über ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Kleinsteuber betont: „Über den Service für Fremdfabrikate wollen wir uns damit auch für den Bereich Neuwerkzeuge empfehlen“.

Portalfräsmaschine macht Lust auf mehr...

Das erklärte Ziel des Unternehmens AWM ist es, rund ein Drittel des Umsatzes in der Werkzeugbausparte mit Serviceleistungen zu erbringen. Die beiden weiteren Drittel sollen mit der Konstruktion und Fertigung von Neuwerkzeugen sowie mit Lohnarbeiten erreicht werden. AWM arbeitet auch daran, die Prozesse neu zu organisieren, heißt es. Angedacht ist, die Fein- und Endbearbeitung im Haus auszubauen sowie weniger komplizierte Leistungen in den Vorstufen des Werkzeugbaus zukünftig einzukaufen. „Wir müssen hier umdenken, wenn wir weiter erfolgreich in Deutschland innovativen Werkzeugbau betreiben wollen“, betont Klaus Kleinsteuber. Für den Maschinenpark bedeutet das, ihn weiter mit hochpräzisen und hochdynamischen 5-Achs-Fräszentren auszubauen. Und Platz ist in der neuen Produktionshalle noch vorhanden.

(ID:46339246)