Working Capital Management Prozesse verbessern und Kapital freisetzen
Zu großzügige Zahlungsziele, zu frühe Begleichung von Zahlungsverpflichtungen und zu hohe Lagerbestände – viele Unternehmen binden so Kapital, das sie teuer finanzieren müssen. Eine Analyse des Working Capital deckt Optimierungsmöglichkeiten für wesentliche Unternehmensprozesse auf.
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Vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Bankenkrise, der Verschärfung der Kreditvergaberegeln durch Basel II, eines erhöhten Margendrucks und einer unbefriedigenden Cash-Flow-Entwicklung sind gerade mittelständische Unternehmen gezwungen, neue, interne Finanzierungsquellen zu erschließen. Durch diese Entwicklungen ist das Working Capital Management in jüngster Zeit auch in den Fokus mittelständischer Unternehmen gerückt.
Working Capital zur Analyse der Liquidität im Unternehmen
Das Working Capital ist zunächst eine aus dem anglo-amerikanischen Raum stammende Bilanzkennzahl und wurde in der Vergangenheit vornehmlich zur Liquiditätsanalyse von Unternehmen verwendet. Diese Kennzahl ergibt sich aus der Differenz von kurzfristigem Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von einem Jahr (Bild 1).
Wesentliche Stellschrauben zur Beeinflussung des Working Capital im Unternehmen sind auf der Aktivseite der Bilanz das Vorratsvermögen sowie der Forderungsbestand und auf der Passivseite der Bilanz die kurzfristigen Verbindlichkeiten, vornehmlich die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.
Die Kennzahl Working Capital sollte möglichst positiv sein, was bedeutet, dass im Notfall die Verbindlichkeiten des Unternehmens durch die kurzfristig hereinkommenden Forderungen sowie den Umschlag des Vorratsvermögens gedeckt werden können. Kurzfristige Liquiditätsschwierigkeiten sind somit eher unwahrscheinlich.
Zu hohes Working Capital macht Finanzierung für Unternehmen teuer
Je höher das Working Capital ist, desto gesicherter ist die Liquidität und damit auch die finanzielle Beweglichkeit des Unternehmens. Allerdings sorgt ein zu hohes Working Capital auch für eine überhöhte Kapitalbindung in diesen Positionen und damit einerseits für eingeschränkte Finanzierungsmöglichkeiten anderer Aktivitäten, andererseits für entsprechend hohe Zinszahlungen.
Abgesehen von der finanzwirtschaftlichen Optimierung des Working Capital steht die Optimierung der vorhandenen aufbau- und ablauforganisatorischen Strukturen und Prozesse im Unternehmen im Fokus des Working Capital Management. Wie Bild 2 (siehe Bildergalerie) zeigt, können dabei alle Prozesse entlang der Wertschöpfungskette Gegenstand von Working-Capital-Optimierungsmaßnahmen sein.
„Langsamdreher“ im Lager auf Notwendigkeit püfen
Um eine optimierte Lagerhaltung zu erreichen, müssen unter anderem die Lagerbestände exakt kontrolliert und durch konsequentes Durchforsten reduziert werden. Dabei müssen alle „Langsamdreher“ daraufhin untersucht werden, ob sie tatsächlich im Leistungsprogramm des Unternehmens verbleiben oder ob sie notwendigerweise auf Lager vorgehalten werden müssen. Diese zunächst einfach erscheinende Prozedur ist in der Praxis gar nicht so einfach umzusetzen, wie Beratungsprojekte zeigen.
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