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Logistik

Qualitäts- und Kostendruck am Palettenmarkt

| Autor/ Redakteur: Sabine Vogel /

Der Markt für Europaletten ist in Bewegung. Massive Kritik hagelt es vor allem angesichts wachsender Qualitätsprobleme sowie überbordender Kosten im Umlauf. Erst ein nachhaltiges Kreislauf- und Prozesskostenmanagement, in das die Verlader einbezogen werden, kann helfen.

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Ekart Kuhn, Inhaber von Ekupac Kuhn & Partner Consultants: „Bei Paletten und Gitterboxen entstehen Schäden im dreistelligen Millionenbereich. Hauptprobleme sind die Qualität sowie mangelndes Wissen um die Kosten.“ Bild: Ekupac
Ekart Kuhn, Inhaber von Ekupac Kuhn & Partner Consultants: „Bei Paletten und Gitterboxen entstehen Schäden im dreistelligen Millionenbereich. Hauptprobleme sind die Qualität sowie mangelndes Wissen um die Kosten.“ Bild: Ekupac
( Archiv: Vogel Business Media )

„Das Palettentauschverfahren steckt in einer seiner bisher größten Krisen.“ Diese Einschätzung vertraten die Teilnehmer der diesjährigen Tagung des Fachausschusses Landverkehr des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes (DSLV) in Bonn.

Doch nicht nur deutsche Spediteure fürchten Milliardenlöcher angesichts immer knapperer Margen. Auch in Dänemark, Italien, Frankreich und in der Schweiz ist die Diskussion um die wachsenden Kosten des Tauschverfahrens und die Zukunft des offenen Europalettenpools entbrannt.

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Den Kritikern hält Thomas Ulitzsch, Geschäftsführer der Gütegemeinschaft Paletten (GPAL), entgegen: „Die Vorteile liegen in der unternehmens- und länderübergreifenden Austauschbarkeit. Jeder kann sich an dem bewährten System beteiligen.“ Probleme gebe es nur mit der Qualität der Europaletten und der fehlenden Kostentransparenz.

Fakt ist, dass genau diese Probleme auf der Tagesordnung stehen, aber auch Palettenbruch und Bestandsschwund. „Das ist ein Millionengrab“, betont Ekart Kuhn von Ekupac Kuhn & Partner Consultants. „Bei Paletten und Gitterboxen entstehen hier Schäden im dreistelligen Millionenbereich“, so Kuhn.

Europaletten bleiben trotz Kritik gefragt

Unbeeindruckt von der öffentlichen Diskussion gibt sich die Europalette selbstbewusst und hat auch 2007 Jahr ihren Siegeszug fortgesetzt. Nach Angaben der GPAL sind 2007 europaweit 64 Mio. dieser Ladungsträger produziert worden, 2006 waren es 52 Mio.

„Die enorme Nachfrage ist auf das attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis im Europalettenpool zurückzuführen, gegen das die Angebote der Mietpalettenpools und die Angebote der Anbieter von Kunststoffpaletten kaum eine Alternative darstellen“, erklärt Ulitzsch.

Wie die neue Ekupac-Studie zu „Entwicklungen und Trends im Markt der Mehrwegtransportverpackungen 2008“ festhält, befinden sich in Europa derzeit mehr als 350 Mio. Europaletten im Umlauf. Trotzdem habe die Kunststoffpalette große Entwicklungschancen, auch wenn sie etwa das Vier- bis Fünffache einer Holzpalette koste, so Kuhn.

Allerdings gebe es aufgrund mangelnder Aufzeichnungen bis heute keine gesicherten Daten über eine vergleichbare Lebensdauer. Dennoch werde sich die Kunststoffpalette weiter verbreiten. Voraussetzung sei, „dass sich alle an der Supply Chain Beteiligten an die Spielregeln halten und bereit sind, anteilig Verantwortung und Kosten zu übernehmen“.

Die Lebensdauer von Paletten wird in Umläufen gemessen

Dass viele Verwender keine genaue Übersicht über die Lebensdauer ihrer Kunststoffpaletten haben, bestätigt auch Marcus Wille von der Schoeller Arca Systems GmbH, wagt jedoch eine Einschätzung: „Lebensdauer messen wir nicht in Zeit, sondern in der Anzahl von Umläufen. Und diese hängt wiederum davon ab, wie sorgsam mit der Palette umgegangen wird. Für unsere Paletten rechnen wir mit etwa 200 Umläufen. Zum Vergleich: Holzpaletten werden in der Regel nach zehn Umläufen aus dem Verkehr gezogen. Hier ist dann billig recht teuer.“

Kunststoffpaletten, so Wille weiter, seien zudem resistent gegen Umwelteinflüsse, bis zu 40% leichter als Holz und einfacher zu reinigen. Bis zu 75% der Kosten ließen sich mit ihren Einsatz sparen.

Unter dem Motto „Umweltschutz im Querformat – Holzpaletten machen auch als Klimaschützer eine gute Figur“ bricht der Bundesverband Holzpackmittel Paletten Exportverpackung e.V. (HPE) naturgemäß eine Lanze für den Werkstoff Holz, der von der Anpflanzung bis zur Verwertung als CO2-Puffer das Klima schütze.

„Die Umweltfreundlichkeit von Holzpaletten beginnt bereits mit der Ernte des Naturmaterials“, erklärt HPE-Geschäftsführer Siegfried von Lauvenberg. „Selbst bei der Verarbeitung bis hin zur Herstellung der Paletten und der späteren Verwendung des gebrauchten Holzes wird viel weniger Energie benötigt als für andere Werkstoffe.“

Diskussion um Holz- oder Kunststoffpalette

Die Argumente für oder gegen die Holzpalette oder Kunststoffpalette sind vielfältig. Nicht minder wichtig ist das Thema Paletten- und Behältermanagement. Hier reift das Outsourcing zu einer ernsthaften Alternative. „Bullwhip-Effekte“ sollen auf diese Weise vermieden und eine erhöhte Transparenz in der Versorgungskette erzielt werden. So hat die Stückgutkooperation Cargoline GmbH Mitte Februar ihr Palettenmanagement auf die Demes Logistics GmbH & Co. KG übertragen.

Der Palettendienstleister sorgt laut Geschäftsführer Ulrich H. Holtkamp für die laufende Bestandsregulierung bei derzeit 45 mittelständischen Partnern. Die Kooperation soll nach Aussage von Cargoline-Geschäftsführer Jörn Peter Struck das aufwändige Palettentauschverfahren vereinfachen und die stete Verfügbarkeit der Ladungsträger sicherstellen.

Die aufgrund von strukturell unpaarigen Sammelgutverkehren bei den Systempartnern anfallenden Palettenüberschüsse werden laut Holtkamp von Demes zu festgesetzten Preisen aufgekauft, gepoolt und anderen Kooperationspartnern bedarfsgerecht gegen Entgelt wieder zur Verfügung gestellt.

Konkurrenten mischen Palettenmarkt auf

In kreativer Konkurrenz zum Wettbewerb macht ein weiterer Experte von sich reden. Seit Januar betreibt der französische Palettenverleiher La Palette Rouge eine Tochtergesellschaft in Köln, die LPR Logistics Packaging Return Deutschland GmbH. Marktpotenziale für LPR sieht Torsten Wolf, Präsident der Muttergesellschaft, besonders angesichts der Diskussion um den Ausstieg der Spediteure aus dem zeit- und kostenintensiven Zug-um-Zug-Tausch.

Eine alternative Lösung für das Management von Europaletten im offenen Pool bietet die Paki Logistics GmbH, Ennepetal, an und hat in erster Linie den Lebensmittelhandel im Visier. Hintergrund sind auch hier die wachsenden Kosten im herkömmlichen Palettentausch sowie gestiegene Qualitätsanforderungen.

Das neue Ladungsträger-Konzept verzichtet komplett auf den „Zug-um-Zug“-Tausch. Das Handelsunternehmen sammelt dabei entladene Paletten zur gebündelten Abholung durch Paki. Dies geschieht entweder auf Basis von Daten der Industrie oder mit Hilfe von Originalscheinen. Die Sortierung vor Ort erbringt sortenreine Qualitätsstufen, die allen Beteiligten einen finanziellen Vorteil verschaffen.

Software verfolgt und steuert Palettenbewegungen

Für den Prozess der Originalscheinabwicklung hat man eine Lösung entwickelt, in der das Schreibgerät des Mitarbeiters an der Rampe gegen einen digitalen Stift ausgetauscht wird. Über diesen werden die Originalscheindaten automatisch erfasst. Bei Wareneingang oder am Tagesende werden die Daten erfasst und zum Austausch mit Paki aufbereitet.

„Wir lassen damit bewährte Prozesse und vorhandene Softwarelösungen in den Unternehmen unangetastet. Stattdessen verwenden wir eine leicht in den vorhandenen Arbeitsprozess integrierbare Technik“, so Paki-Geschäftsführer Christian Kühnhold. Das bedeute einen kompletten Verzicht auf kostenintensive Softwareanpassungen.

Software ist das Stichwort, wenn es gilt, Palettenbewegungen zu verfolgen und zu steuern. Eine Möglichkeit, das Dilemma um fehlende Systematik, Schnittstellenprobleme sowie Schwund bei den Datenträgern in den Griff zu bekommen, sind IT-Lösungen via Internet. Mit „PackPlan“ bietet beispielsweise Ekupac eine Lösung für das papierlose Palettenmanagement oder die Ressourcenplanung. Es ermöglicht unter anderem die Buchung sämtlicher Bewegungen und schafft eine Übersicht über Nutzung und Verweildauer.

Damit haben Anwender sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene stets alle Assets im Blick. Auch der Einsatz von RFID kann in „PackPlan“ abgebildet werden, um eine optimale Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten. So lässt sich Palettenschwund reduzieren und eine bessere Kontrolle der Assets sowie ein kontrolliertes Investment erreichen.

Sabine Vogel ist freie Journalistin aus Dortmund

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