Robotik Roboter übernehmen das Handling an Spritzgießmaschinen

Autor / Redakteur: Christoph Strahm / Rüdiger Kroh

In der Fertigung von Hörgeräten ist Automatisierung Pflicht, denn die meisten Teile sind zu klein, um sie manuell sicher greifen zu können. An fünf Spritzgießmaschinen, wo überwiegend Gehäuse für Hörgeräte gefertigt werden, entnimmt je ein Roboter die Teile aus der Maschine und legt sie in speziellen Muldenplatten ab.

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Laut oder leise war gestern, denn gutes Hören ist eine Frage der Differenzierung. Das Schweizer Unternehmen Phonak ist einer der Marktführer bei Hörgeräten. Technik in Fertigungsprozessen ist dabei immer Mittel zum Zweck. Bei der Produktion werden Grenzbereiche ausgelotet. Fanuc-Roboter übernehmen dabei das Handling an Spritzgießmaschinen, weil die einzelnen Teile eines Hörgerätes so klein und diffizil sind, dass der Prozess manuell gar nicht zu schaffen wäre.

Hörgeräte sollen nicht als Prothese wahrgenommen werden

Heute gibt es fast nur noch digitale Hörgeräte oder auch Hörsysteme. Die wichtigste Funktion, ein Signal zu verstärken und hörbar zu machen, ist mehr oder weniger die einzige Gemeinsamkeit mit Hörgeräten aus dem analogen Zeitalter. Ein digitales Hörgerät, wie es heute von Phonak produziert wird, erledigt bis zu 100 Mio. Rechenoperationen pro Sekunde. Was das menschliche Ohr zusammen mit dem Gehirn mühelos schafft, ist technisch eine ausgeklügelte Kombination vieler Algorithmen.

Mehr-Mikrofon-Technik, Audio-Zoom-Technik, Blue-Tooth-Schnittstellen und hybride Signalverarbeitung sind Merkmale heutiger Hörgeräte. Modern ausgestattete Konferenz- oder Konzertsäle sind mit Signalschleifen ausgerüstet, die dem Hörgeräteträger auch einen räumlichen Eindruck akustischer Signale geben. Die gesamte Rechentechnik dazu ist in den individuell angepassten Hörgeräten untergebracht.

Annähernd 180 unterschiedliche Geräte hat Phonak im Programm. Manche Geräte unterscheiden sich nur in der Farbe, manche nur in der Form. Insbesondere die Form eines Hörgerätes hat selbstverständlich eine funktionale Aufgabe. Zusammen mit der Farbe soll ein Phonak-Gerät auch als Technologieteil und nicht als Prothese wahrgenommen werden. Wo immer es geht, strebt man die Verwendung von Gleichteilen an. Mit einer flexiblen Plattformtechnik versucht man, die Anzahl der Einzelteile im Rahmen zu halten.

Viele Teile lassen sich nicht von Hand montieren

Die Massenproduktion ist selbstverständlich automatisiert, wobei die Automatisierung dem Unternehmen praktisch aufgezwungen wird, weil die Teile von Hand gar nicht zu montieren sind. Ganz deutlich war und ist in dieser Branche ein Trend zur Miniaturisierung erkennbar. Marktforscher haben herausgefunden, dass ein kleines, unscheinbares Hörgerät gerne getragen wird. Aber je kleiner die Geräte, desto größer die Herausforderung für die Produktion. Im Allgemeinen sind die akustisch relevanten Teile die kniffligen. Die Entwickler versuchten, auch akustisch in Grenzbereiche vorzustoßen. Oft seien mehrmalige Formmodifikationen notwendig, um ein Optimum zu erzielen.

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