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Virtual Reality

Science-Fiction für den Mittelstand

| Redakteur: Annedore Munde

Ein bisschen Star Trek, ein bisschen Computerspiel und ein bisschen Spaß – so scheint es. Was die Open Doors im Juni in Leonberg verdeutlichen wollten, ist jedoch sehr industrienah. Eingeladen zur Hausmesse der besonderen Art hatte die Imsys immersive systems GmbH mit dem Ziel, Virtual Reality (VR) praxisnah anhand konkreter Mittelstandlösungen zu präsentieren.

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Der Bauherr erlebt schon in der Planungsphase sein Haus in allen Dimensionen.
Der Bauherr erlebt schon in der Planungsphase sein Haus in allen Dimensionen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Gemeinsam mit fast 30 Partnern präsentierte der Spezialist für immersive Systeme unter dem Motto „Offene Türen für neue Technologien“ auf über 600 m² 3D-Visualisierung und VR zum Anfassen. Bewusst wurde der Fokus auf die Vorstellung der neuesten immersiven Hard- und Softwaretechnologie in Verbindung mit ihren praktischen Anwendungsszenarien gelegt. So wurde gezeigt, dass das Eintauchen in eine künstliche Welt durchaus passende Lösungen für ganz unterschiedliche Aufgabenstellung in der wirklichen Welt hervorbringt.

An 18 Stationen konnten die Besucher die Besonderheiten und Vorteile von 3D-Visualisierung und Virtueller Realität selbst erfahren und mit Hilfe von Stereo-Brille und Interaktionsgerät in die komplexen Datenstrukturen aus den verschiedensten Anwendungsbereichen eintauchen.

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Monitor-Männlein folgt artig dem Bediener

Ein Beispiel demonstrierte Johannes Pusch. Der 24-Jährige, der für die 3D-Spezialisten World Viz mit Sitz in Santa Barbara/USA arbeitet, sortierte Dosen – virtuell, versteht sich. Vor ihm ist in etwa drei Metern Entfernung ein zwei Meter hoher Monitor aufgebaut. Eine Datenbrille und Fingertracks sind seine Verbindung zur virtuellen Welt auf dem Bildschirm: einer Lagerhalle und einem Laufband mit verschiedenen Dosen und Sortierbehältern.

Und in dieser virtuellen Welt geschieht genau das, was Pusch vorgibt: Das Männlein auf dem Monitor folgt den Bewegungen von Pusch und sortiert – manchmal richtig und manchmal auch falsch. Auf einer Grundfläche von etwa 4 × 4 m wurde mit dieser Demonstration eine Anwendung abgebildet, die sonst eine große Lagerhalle füllt. Ein platzsparender Testbetrieb also und die Fehlerquote ist lediglich virtuell.

Virtual Reality spart Kosten und Zeit

Durch den Einsatz der VR-Technologie können heute im Produktentwicklungsprozess immense Zeit- und Kosteneinsparungen sowie Qualitätsverbesserungen erzielt werden. Die Anwendungsgebiete in Automobil- und Zulieferindustrie, Maschinen- und Anlagenbau aber auch in Architektur, Medizin oder Entertainment sind vielfältig. In der mittelständischen Industrie scheiterte eine produktive Anwendung der VR bislang meist an den hohen Aufwendungen für Technik und Integration oder der mangelhaften Leistungsfähigkeit günstiger Einstiegslösungen. In Leonberg wurde jetzt gezeigt, wie futuristische Brillen und Datenhelme auch für den Mittelstand nutzbringend eingesetzt werden können.

Ob Software für die Bemusterung im Architekturbereich, für die Kollisionskontrolle in der Montage oder für die Blechbearbeitungsbranche – mit Virtual Reality werden bereits im Vorfeld viele Abläufe anschaulicher. Vorgestellt wurde die ganze Bandbreite an Technologien und Dienstleistungen, die für den Aufbau immersiver Systeme erforderlich sind, von der Großleinwand über das Display am Arbeitsplatz, Projektoren, Tracking, Eingabegeräte und diverse Filtertechniken, ergänzende Multimedia-Technik oder flexible Wandsysteme. Praxisnahe virtuelle Realitäten also, die zu den Open Doors gezeigt wurden.

VR-Pionier entwickelt sich

Der Veranstalter, das Leonberger Unternehmen Imsys, hat seine Wurzeln bei der Icido GmbH, einem führenden Anbieter von Virtual Engineering Lösungen mit Sitz in Stuttgart. Einer der beiden Geschäftsführer, Dr. Ulrich Häfner, war Mitbegründer von Icido. Später machte er sich selbstständig, um einen Aspekt der Virtuellen Realität, die Hardware, intensiv weiter zu verfolgen. Tankred Magg, der zweite Geschäftsführer, war früher sein Hersteller für VR-Gerätschaften. Imsys hat derzeit 10 Mitarbeiter sowie einige Freie und vertreibt seine Produkte weltweit.

Einen weiteren Schritt in Richtung Kunde Mittelstand ist Imsys jetzt durch die Kooperation mit Visenso, einem Standardanbieter für Engeneering-Lösungen im Bereich interaktive Virtual Reality, gegangen. Als VR-Pioniere bündeln beide Unternehmen die Kompetenzen bei der Entwicklung, Einführung und dem laufenden Betrieb von Virtual-Reality-Lösungen, um standardisierte, skalierbare VR-Komplettlösungen zu überschaubaren Kosten und dennoch auf hohem Qualitätsniveau anbieten zu können. Damit stellen die langjährigen Partner ihre bisherige Zusammenarbeit auf eine weitere Stufe.

Zielgruppe Mittelstand

„Die Hardwaresysteme von Imsys verbinden neueste technologische Erkenntnisse mit einem hohen Anspruch an Design, Material und Funktionalität für die Bereitstellung hochproduktiver VR-Umgebungen, die exakt auf die jeweiligen Anwenderbedürfnisse abgestimmt werden können“, erläutert Martin Zimmermann, Geschäftsführer der Visenso GmbH. Ergonomische Fragestellungen und die einfache Handhabbarkeit finden besondere Beachtung. „Durch das Imsys-Baukastenprinzip kann bei der Anschaffung, der Erweiterung und bei Upgrades von immersiven Umgebungen ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis realisiert werden.“

Direkte Schnittstellen zu allen im Produktentwicklungsprozess relevanten Datenformaten (beispielsweise PLM, CAD und CAE und ein modularer Aufbau zeichnen die Visualisierungs- und VR-Software Covise von Visenso aus. „Mit Covise haben wir eine Softwarelösung gefunden, die branchenübergreifend über alle Phasen des Produktlebenszyklus VR-Anwendungen bereitstellen kann“, so Häfner. „Damit bietet sie die optimale Grundlage für anwendungs-orientierte VR-Komplettlösungen.“

Mit der modularen Komplettlösung entry und einer speziell auf die Anforderungen kleiner und mittelständischer Unternehmen abgestimmten Covise-Version steht ab sofort eine gemeinsame Einstiegsvariante zur Verfügung, mit der ein optimales Verhältnis zwischen den Investitionskosten und der Breite der Einsatzmöglichkeiten realisiert werden kann.

Als offenes, werkzeuglos zerlegbares System vereint die Software die Vorteile einer mobilen mit denen einer stationären Anlage. Komplexe Datenmodelle können durch eine Projektionsfläche von bis zu 2,4 × 1,8 m vor größeren Personengruppen eindrucksvoll präsentiert werden, ohne dass die Anwendung dauerhaft an einen Standort gebunden wäre. Durch eine Eingrenzung des Funktionsumfanges der Software an die Bedürfnisse des Mittelstandes wird ein preisgünstiger, einfacher und doch umfassender Einstieg in die Virtuelle Realität möglich.

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