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Wie wollen Sie den globalen Wettbewerb gegen die führenden japanischen und deutschen Hersteller antreten?
Guan: Die Internationalisierung ist in den nächsten zehn Jahren die größte Herausforderung. Heute machen wir mehr als 95% unseres Umsatzes im Inland. Unser Ansatz wird es sein, Partner zu finden.
Es gibt zwei Gründe, warum wir deutsche Kooperationspartner gesucht haben. Erstens meine eigene Lebenserfahrung. Als ich an der Universität studiert habe, wurde ich in deutscher Sprache und deutscher Technik unterrichtet. Deutschland war bei der Fertigungstechnik immer in einer führenden Position und immer sehr offen. Meiner Meinung nach wird Deutschland auch weiterhin der Weltmarktführer in der verarbeitenden Industrie bleiben.
Mein Traum ist es, die deutsche Werkzeugmaschinentechnologie mit der chinesischen Produktionskraft zu verbinden, was eine riesige Chance für die Geschäftsbeziehungen hervorrufen könnte und einen enormen Reichtum verspricht. Es könnte wie das I-Phone werden: das Designkonzept stammt aus Deutschalnd statt Kalifornien, aber in China wird es hergestellt und es wird in der ganzen Welt verkauft.
Um dieses Ziel zu erreichen benötigt SYMG eine internationale Organisation.
Guan: In China ist unser Vertriebsnetz sehr gut aufgestellt. Für die Internationalisierung suchen wir Partner, die für den globalen Vertrieb und Service unserer Produkte verantwortlich sind.
Als ersten Schritt werden wir in Berlin ein technisches Zentrum aufbauen. Das Zentrum wird in erster Linie für die Gestaltung neuer Produkte verantwortlich sein. Darüber hinaus werden wir ein Marketing-Center in Frankfurt einrichten. Die Investition für das technische Zentrum in Berlin wird bei 30 Mio. Euro liegen.
Die spezifische Richtung für Forschung und Entwicklung wird die Entwicklung einer kompletten Produktpalette von SYMG sein. Wie Sie wissen, haben wir 2007 das Unternehmen Schiess in Aschersleben erworben. Jetzt haben wir auch die Herstellung der traditionellen Werkzeugmaschinenmarke aus Aschersleben modernisiert, was ein weiterer Schritt für eine internationale Marke ist. Auf dem internationalen Markt haben die meisten Menschen noch nie etwas von SYMG, SMTCL oder Shenyang Machine Tool gehört, aber sie kennen Aschersleben und die Marken Ascamill und Ascaturn.
Ein sehr wichtiger Teil unseres Smart-Programms ist es, diese Marken wieder zu beleben. Der Kauf und die Sanierung von Schiess hat uns eine Menge Geld gekostet. Aber von Anfang an haben wir die langfristige Perspektive für eine nachhaltige Entwicklung des Unternehmens betrachtet. Das ist ein Teil des Grundes warum ich meinem Traum gefolgt bin, deutsche Technik mit chinesischer Produktionspower zu kombinieren; um eine noch größere Industrie zu erschaffen.
Auf dem China-Tag während der EMO hat Dr. Mori erwähnt, dass er seine Mitarbeiter auffordert, sich eine Zukunft für seine Unternehmen vorzustellen, in denen Mori Seiki keine Werkzeugmaschinen mehr produziert. Was ist Ihre Meinung zu so einem radikalen Denken?
Guan: In Zukunft werden viele Werkzeugmaschinenhersteller ihre Produkte in China fertigen lassen und einige werden Fabriken errichten. Aber ich denke, dass die Designprozesse, Vertrieb und Marketing, sowie die After-Sales-Services weiterhin die Kernaktivitäten und ein wichtiges Differenzierungsmerkmal sein werden. Erfolgreiche Werkzeugmaschinenhersteller werden in Zukunft ihren Kunden Komplettlösungen anbieten und nicht nur Maschinen verkaufen.
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