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Simpac nutzt deutsches Engineering für den Weltmarkt

| Autor: Stéphane Itasse

Pressen Auf dem deutschen Umformtechnikmarkt tut sich was: Seit Kurzem ist der koreanische Hersteller Simpac auch hierzulande aktiv. Was das Unternehmen plant und was Anwender erwarten können, verrät Deutschland-Geschäftsführer und CTO Bernd Moritz.

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„Wir heben uns mit einer außergewöhnlich großen Fertigungstiefe von den Marktführern ab“, sagt Bernd Moritz, Deutschland-Geschäftsführer und CTO von Simpac.
„Wir heben uns mit einer außergewöhnlich großen Fertigungstiefe von den Marktführern ab“, sagt Bernd Moritz, Deutschland-Geschäftsführer und CTO von Simpac.
(Bild: Simpac)

Der Grundstein für den südkoreanischen Simpac-Konzern wurde im Jahr 1973 gelegt, das Unternehmen baut seit über 40 Jahren Maschinen für die Metall verarbeitende Industrie. Im Geschäftsjahr 2017 (neueste Zahlen) erwirtschaftete Simpac einen Umsatz von mehr als 230 Mrd. Südkoreanischen Won (etwa 180 Mio. Euro). Auf dem Heimatmarkt hat der Pressenhersteller mittlerweile einen Marktanteil in Höhe von 50 %.

Warum hat sich Simpac dafür entschieden, nach Europa und nach Deutschland zu expandieren?

Jedes Unternehmen, das eine gewisse Größe erreicht hat, kann nicht mehr lokal agieren. Die Internationalisierung war notwendig, um weiter ein Topplayer in diesem Markt zu sein. In Korea hat sich das stürmische Wachstum der großen OEM wie Kia, Hyundai, LG oder Samsung abgeschwächt und damit auch unser Wachstum. Außerdem können wir durch die Internationalisierung konjunkturelle Einflüsse besser abfedern. Deshalb expandieren wir nach Europa und in den Nafta-Raum.

In Europa haben Sie Standorte in Deutschland, Tschechien und der Türkei – welche Länder wollen Sie von dort aus vorrangig bearbeiten?

Die Türkei bearbeiten wir schon seit einigen Jahren, das ist bisher für uns ein ausgesprochen starker Markt. Momentan liegt der Hauptfokus aber auf Deutschland und Osteuropa. Technologisch gesehen ist Deutschland der Markt mit den höchsten Ansprüchen in der Umformung – was hier funktioniert, funktioniert überall.

Wie positioniert sich Simpac auf dem europäischen Markt im Vergleich zur Konkurrenz?

Wir heben uns mit einer außergewöhnlich großen Fertigungstiefe von den Marktführern ab. Zum Beispiel haben wir noch eine eigene Gießerei und ein leistungsfähiges Schweißwerk. Bereiche, die andere Pressenhersteller oft ausgelagert haben. Damit halten wir die gesamte Prozesskompetenz im eigenen Haus. Außerdem ist Simpac der drittgrößte Stahlhersteller in Korea, damit haben wir das Material in der Qualität, die wir brauchen. Durch den R&D-Standort in Deutschland können wir jetzt die günstigen Produktionsbedingungen in Korea mit einer hohen Kompetenz in Forschung & Entwicklung und langjähriger Erfahrung im Pressenbau verbinden. Technisch sind wir auf einem Niveau, auf dem wir uns mit den Marktführern messen können, aber zu einem attraktiveren Preis. Unser breites Produktspektrum umfasst mechanische und hydraulische Pressen, Servopressen und Tandemlinien bis zu 3000 t Presskraft. So können wir weltweit Lösungen sowohl für die Kalt- als auch für die Warmumformung anbieten.

Wo sehen Sie in Deutschland die Marktlücken für Simpac?

Wir sehen uns als Alternative zu den etablierten Anbietern am Markt. Unsere Gesprächspartner schätzen die Bestrebungen neuer, internationaler Hersteller, im europäischen Markt Fuß zu fassen, im Hinblick auf die Erweiterung ihres Lieferantenpools. Was die Produkte anbelangt, fokussieren wir uns weiterhin auf die Servotechnologie. Diese ist momentan immer noch führend am Markt. Auf der anderen Seite gibt es noch Anwendungen, bei denen man keine Servopresse benötigt, auch dort sind wir stark. Zudem erleben wir auch eine verstärkte Nachfrage nach hydraulischen Pressen. Oft auch verbunden mit Presshärte-Anwendungen für den automobilen Leichtbau. Dieser Trend setzt sich sicherlich auch mit dem verstärkten Aufkommen der Elektromobiliät fort.

Warum haben Sie sich für den Standort Bodnegg, in der Nähe des Bodensees, entschieden?

Da wir ja nicht nur ein Forschungs- und Entwicklungsstandort hier sind, sondern auch Vertrieb, Marketing und Service abdecken, ist es notwendig, dorthin zu gehen, wo die Fachkräfte sind – das ist im Süden Deutschlands der Fall. In den vergangenen Jahren haben zudem andere Branchenunternehmen hier viele Mitarbeiter freigesetzt. Somit steht uns hier langjährige Branchenerfahrung und Topwissen zur Verfügung.

Warum hat Simpac in Bodnegg zusätzlich zu Korea ein R&D-Zentrum gegründet?

Die Mitarbeiter im R&D-Zentrum in Deutschland verfügen neben langjähriger Erfahrung im Pressenbau auch über den kreativen Spielraum für die Arbeit an innovativen Entwicklungsthemen. Außerdem ist die räumliche und sprachliche Nähe zu unseren Kunden ein wichtiger Faktor für diese Entscheidung gewesen.

Wie sieht die Arbeitsteilung zwischen Korea und Deutschland in diesem Bereich aus?

Innovative Technologiekonzepte, grundlegende Weiterentwicklungen bestehender Pressenmodelle sowie die Erarbeitung von Standards decken wir in Deutschland ab. In Korea erfolgt die konstruktive Umsetzung der Baureihen sowie die Überwachung der Produktion.

Sie bekleiden neben der Position des Simpac-Geschäftsführers in Deutschland auch die des Chief Technical Officers bei der Muttergesellschaft in Korea. Was sind die Gründe hierfür?

Nach zwei Jahren im Unternehmen halte ich es mittlerweile für essenziell, das so aufzuteilen. Dadurch, dass in Korea die Arbeitsabläufe so hierarchisch sind, verleiht mir die Position die nötige Durchsetzungskraft in der Konzernzentrale. Das bedeutet nicht, dass man Vorhaben wie ein Patriarch durchdrückt – aber es ist oft hilfreich, wenn man gewisse Veränderungsprozesse anstoßen möchte. Und die in Deutschland entstandenen Neuentwicklungen müssen nunmal vom gesamten Team in Korea mitgetragen werden.

Welche Pläne haben Sie mit Simpac in den kommenden Jahren?

Wir haben in den vergangenen zwei Jahren mit der Entwicklung von zwei neuen Servopressenbaureihen und einem neuen Konzept für das Presshärten schon sehr viel erreicht. Als nächsten Schritt müssen wir diese Neuentwicklungen in der Zentrale etablieren – vom Engineering über die Produktion bis hin zu Vertrieb und Service.

In den nächsten Jahren werden wir unsere Technik und unsere Qualität in Kundenprojekten unter Beweis stellen. Für die Marktbearbeitung werden wir vor allem unsere technischen Stärken herausarbeiten und aus Deutschland heraus das globale Vertriebsteam im Verkaufsprozess unterstützen. Parallel werden wir sukzessive das gesamte Produktspektrum von Simpac, zum Beispiel Tandemlinien, überarbeiten.

Was planen Sie im Hinblick auf Industrie 4.0?

Wir werden zunächst die Anforderungen unserer Kunden und deren Erwartungen genau analysieren und unsere Entwicklungen daran ausrichten. Ein starker Fokus auf den Kundennutzen ist aus unserer Sicht zielführender als das Aufgreifen jedes Entwicklungstrends. Wir werden deshalb nicht Vorreiter bei Industrie 4.0 sein, sondern uns auf das Wesentliche konzentrieren.

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 Stéphane Itasse

Stéphane Itasse

, MM MaschinenMarkt