Fachkräfte

Spezialisten auf Zeit bleiben gefragt

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Berufs- und Projekterfahrung in kurzer Zeit sammeln

Ein zweiter Trend beflügelt das Thema: Ambitionierte Nachwuchskräfte sehen Anbieter wie Hays, Yacht oder DIS als Chance, in zwei Jahren so viel Berufs- und Projekterfahrung zu sammeln, wie nicht in zehn Jahren bei klassischen Arbeitgebern. Schabel: „Wir haben die Leute, die binnen 20 Monaten bei Unternehmen wie Porsche, Opel oder BMW in Projekte involviert waren.“

Wie Schabel glauben viele in der Branche, dass im Jahr 2009 kein Ingenieur arbeitslos werden muss. Denn gerade der Mittelstand oder Nischenbranchen wie Luft- und Raumfahrt, Kraftwerks- und Energietechnik oder Schiffsbau warteten händeringend darauf, „dass die Automobilindustrie endlich Ingenieure freigibt oder auf den Ingenieurnachwuchs nicht mehr diese elektrisierende Faszination ausübt“.

VDI rechnet weiter mit Mangel an Fachkräften und Ingenieuren

Auch Dr.-Ing. Willi Fuchs gibt Entwarnung. Der Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) ist sich sicher, dass gut ausgebildete Ingenieure und technische Fachleute knapp bleiben: „Entlassungen von Ingenieuren wären jetzt der größte Fehler, den Unternehmen machen könnten.“ Sie würden das wichtigste Wachstums-Element verlieren: das Know-how ihrer Mitarbeiter.

Und während laut Institut der Deutschen Wirtschaft im laufenden Jahr jedes zweite deutsche Unternehmen plant, Stellen abzubauen, belegen Recherchen bei einschlägigen Branchenverbänden für Information und Telekommunikation, Elektro-, Bauindustrie, Maschinenbau oder Energieerzeugung, dass kaum eine Firma ihre Innovations- und Wis-sensträger abgeben will. Zu präsent ist den Firmen noch der Ingenieurmangel, der in den vergangenen Jahren das Wachstum bremste. Und während in der Finanzbranche allzu innovative Köpfe das Rad überdrehten, wittern vom Karosseriebauer bis zum Produktionsingenieur gerade in der Automobilindustrie nun viele Kreative ihre Chance.

Für Experten geht die Arbeit in der Krise nicht aus

Auf diese Situation haben sich Hays & Co. eingestellt: Die Mannheimer haben nicht nur ANÜ von Ingenieuren und Spezialisten im Programm. Das Gros seines Umsatzes auf dem deutschen Markt erwirtschaftet der Personaldienstleister mit der Vertragsart Contracting. Darunter versteht man die Vermittlung von Freiberuflern in zeitlich befristete Projekte.

Auch dort haben Anbieter wie Gulp oder Hays zu zwei Dritteln Akademiker im Pool. Allerdings bilden IT-Spezialisten vor Elektro-, Maschinenbauingenieuren und Mechatronikern mit Abstand die größte Gruppe.

Fachkräfte wechseln selten aus Projekten zum Kunden

Dass aus dieser Form der Selbstständigkeit kein Ingenieur in die ANÜ mit monatlichem Fixeinkommen wechseln will, ist für die Anbieter ein weiteres Indiz, dass für Experten die Arbeit auch in der Krise nicht ausgeht. Wechselt im Schnitt ein Viertel aller Zeitarbeiter nach einer gewissen Zeit zum Kunden, liegt dieser Wert bei den besserverdienenden Fachkräften (so genannte „White Collars“) bei 1%.

Ihre Prognose, dass sich die Zeitarbeit bis zum Jahr 2020 auf 5% aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse mehr als verdoppeln wird, begründet die Lünendonk-Studie vor allem mit der Konzentration der Betriebe auf ihre Kernkompetenz, zu der Personalthemen eben nicht gehören. Entsprechend haben sich die 8000 ANÜ-Anbieter, von denen 30% nach dem Jahr 2000 gegründet wurden, gerade darauf spezialisiert.

Das Servicespektrum reicht von der Weiterbildung über das Personalrecruiting bis zum Arbeitsrecht. Dazu zählen aber auch Marketing, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein, und Kooperationen mit Mitbewerbern, um über größere Bewerberpools mit höherer Verfügbarkeit zu punkten.

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