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Stanztechnik

Stanzabfälle aus Edelmetall recyceln

| Redakteur: Annedore Munde

Metallabfälle fallen in vielen Branchen ab. Insbesondere bei Edelmetallen lohnt es sich, genauer hinzusehen. Durch das Schmelzen der Abfälle und das anschließende Recycling können wertvolle Bestandteile abgeschieden und wieder-verwendet werden. Ein Partner mit jahrzehntelanger Erfahrung in diesem Edelmetall-Kreislauf ist Heimerle + Meule aus Pforzheim.

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Jürgen Schäfer demonstriert das Prinzip des Recycling-Big-Bags. Eingehängt in herkömmliche Gitterpaletten vereinfachen sie den Transport von Stanzabfällen.
Jürgen Schäfer demonstriert das Prinzip des Recycling-Big-Bags. Eingehängt in herkömmliche Gitterpaletten vereinfachen sie den Transport von Stanzabfällen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Wo gestanzt wird, gibt es Abfälle. Als älteste Gold- und Silberscheideanstalt Deutschlands scheidet Heimerle + Meule seit über 160 Jahren edelmetallhaltige Abfälle und Rückstände aus Produktionsprozessen. Eine Konsequenz, die sich aus den Kernbereichen des Unternehmens ergibt. Für die Branchen Elektronik, Elektrotechnik, Medizintechnik und Telekommunikation sowie die Automobilindustrie werden Edelmetallprodukte in unterschiedlichster Form und Ausführung hergestellt: Drähte, Bänder, Stangen und Rohre werden im kontinuierlichen Stranggussverfahren gegossen und weiterverarbeitet. Das Standard-Lieferprogramm besteht aus vielfältigen Varianten dieser vier Grundformen. Basis-Legierungen sind Feinkornsilber, Hartsilber, Silber-Palladium und Silberbronze. Auch Produkte aus Feinsilber gehören zum Lieferumfang, da Silber als Kontaktwerkstoff von großer Bedeutung ist.

Die gefertigten Kontaktwerkstoffe werden unter anderem in der Schaltgeräte-Technik, als Relais und Federn in der Elektrotechnik und als Nieten für dünne Federn verwendet. Endlosbänder fertigt Heimerle + Meule fast hauptsächlich für die Stanztechnik. Hierbei werden aus einer großen Zahl unterschiedlicher Legierungen Edelmetallbänder für unterschiedlichste Stanzanforderungen angeboten.

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„Bei uns dreht sich alles um das Edelmetall“, so Jürgen Schäfer, Abteilungsleiter Recycling und Edelmetallhandel. Auf Grund der bis Mitte der 80er Jahre vorhandenen eigenen Stanzerei war schon immer der Bedarf da, die Metallreste auch für die Weiterverwertung aufzubereiten. Seit 1845 scheidet Heimerle + Meule. Mitte der 80er- Jahre wurde das Recycling von Stanzschrotten dann auch als Dienstleistung angeboten.

Hier hat sich das Unternehmen zunehmend zum Logistik- und Know-how-Partner entwickelt. Als Schnittstelle zwischen Industrie und Hüttenwerk sind es im Wesentlichen vier Prozessschritte, die angeboten werden: Beratung, Abwicklung und Logistik.

Beratung lohnt sich

Die Beratung zum Recycling geht manchmal bis in den eigentlichen Produktionsprozess hinein. Natürlich geht es generell darum, ob sich das vorliegende Material für das Scheiden lohnt und wie viel es wert ist. Recycling-Experte Schäfer erklärt, dass es oft jedoch genauso wichtig ist, das Material möglichst „sortenrein“ aufzufangen. Da sich die Scheidekosten nach der Scheidemenge berechnen, kommt es also auf die anteiligen Edelmetallbestandteile in der Gesamtmenge Abfall an. Ein gut überlegtes und mitunter getrenntes Auffangen der relevanten Stanzabfälle lohnt sich also. „Manchmal geht die Beratung hier auch so weit, dass wir gemeinsam mit dem Kunden begutachten, wie die Stanzprozesse angelegt sind und ob sich hier eine Prozessänderung im Hinblick auf das Recycling wertvoller Abfälle lohnt“, ergänzt Schäfer.

Und manchmal ist es neben der Beratungskompetenz auch der Zufall, der dem Kunden zugute kommt. „Als ich vor einigen Tagen zum Vor-Ort-Termin bei einem Kunden war und wir eigentlich über ganz andere Dinge sprechen wollten, fiel mir auf dem Hof eine größere Menge Abfallmaterial auf, die schon seit längerer Zeit dort zu lagern schien“, erzählt Schäfer. „Als der Kunde darauf angesprochen wurde und einer Probe zustimmte, stellte sich heraus, dass das Material richtig wertvoll ist. Insgesamt waren in den mehr als 20 t Material mehrere 100 kg Silber enthalten.“

Analyse erkennt wertvolle Bestandteile

Nach einer ersten Beratung werden Probemuster des Abfalls im nächsten Schritt bewertet. Hierfür steht bei Heimerle ein modernes analytisches Labor zur Verfügung. Ermittelt wird die Zusammensetzung einer 50-g-Probe, die dann auf die Gesamtmenge hochgerechnet wird und somit die Basis für ein Angebot bildet. Bevor das Material dann zur Aufbereitung ins Hüttenwerk transportiert wird, weiß der Kunde bereits, welche Metallbestandteile in etwa zu erwarten sind und wie viel seine Abfälle letztendlich wert sind.

„Wenn in 1 t Material 5 g eines Edelmetalls enthalten sind, finden wir das“, verdeutlicht Schäfer die Genauigkeit der eingesetzten Verfahren. Im Unternehmen stehe modernste Technik für die Analytik auch kleinster Mengen zur Verfügung. „Bereits Kupfermaterial mit 0,2 g Gold pro Kilogramm Material lohnt sich bei einer Gesamtmenge von einer Tonne für das Scheiden. Bei einem Marktwert von derzeit 18 Euro für 1 t Feingold entsprechen 0,2 g immerhin 3,60 Euro. Dazu kommt noch der Kupferpreis.“ Nach der Probe geht es zum Hüttenwerk, wo das Material eine genaue Analyse nach dem Einschmelzen erfährt und recycelt wird. Für Heimerle + Meule bildet sie die Basis für die Abrechnung. Hier wird aus den metallhaltigen Reststoffen buchstäblich das Beste zurückgewonnen.

Transport der Edelmetalle wird optimiert

Wenn man sich so viel mit Recycling beschäftigt, ist es naheliegend, dass neben dem eigentlichen Entsorgungsprozess auch irgendwann der Transport des Materials ins Blickfeld rückt. Die Gitterpaletten, die üblicherweise für den Transport der Stanzabfälle eingesetzt werden, haben den Nachteil, dass kleinere Teilchen einfach durchrieseln. Herausragende spitze Abfälle hingegen können ungewünschte Risse verursachen. Metallspezialist Schäfer kam so auf die Idee, das verbreitete Transportmittel Gitterpalette mit einem Big Bag zu kombinieren.

Die reißfesten Spezialsäcke lässt Heimerle + Meule von einem Taschenhersteller direkt auf das entsprechende Format nähen. Sie lassen sich so leicht in eine Gitterpalette einhängen. Edelmetallhaltige Abfälle können gesammelt und anschließend sauber, sicher und verlustfrei gemeinsam mit der Gitterpalette transportiert werden. Für das versenden der Big Bags auf Europaletten gilt ein maximales Füllgewicht von 1000 kg, für Gitterpaletten von 1500 kg.

Das Transport-Konzept mit den Big Bags wird seit dem Sommer diesen Jahres angewandt und hat sich bei den Kunden bereits jetzt bewährt. Die großen Transporttaschen werden von Heimerle + Meule kostenfrei zur Verfügung gestellt, ausgetauscht wird bei Abholung einfach die Gitterpalette.

Seit Recycling zu einem immer wichtigeren Thema wurde, hat es sich auch bei den Pforzheimern zu einer immer stabileren Unternehmenssäule entwickelt. Etwa 150 Kunden zählt das Unternehmen allein in diesem Bereich.

Metallkonten schaffen Überblick

Nach Beratung, Transport und Abwicklung folgt dann die Verrechnung des Materialwertes. Generell übernehmen diePforzheimer nach der genauen Analyse durch das Hüttenwerk die Vorfinanzierung gegenüber ihren Kunden. Doch in bar bezahlt wird selten. Die gängige Praxis sind sogenannte Metallkonten. Hier wird, wie auf anderen Konten auch, einfach das jeweilige Metallgewicht gutgeschrieben oder als Schuldbegleichung für Lieferanten aufgestellt. „Wer nach der Rückgewinnung weiteres Edelmetall für seine Produktion benötigt, der kann es bei uns beziehen“, schließt Schäfer den Kreis zum Ausgangspunkt.

In Anbetracht der enorm hohen Metallpreise hat der Produktionsabfall steigende Bedeutung erhalten – nicht alle Schrottabfälle landen mehr direkt beim Schrotthändler. Viele Unternehmen der Blechbearbeitung prüfen, ob sie ihren Stanzabfall wirtschaftlich wiederverwerten können.

Auf der Webseite „www.stanzabfall.de“ ist eine Börse eingerichtet, auf der Anbieter und Nachfrager ihre verfügbaren oder gewünschten Metallabfallmengen, Qualitäten und Abmessungen einstellen können.

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