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Energieverträge Stromkosten sparen in der Coronakrise? So geht's!

Autor: Sebastian Hofmann

Aufgrund der Coronapandemie sind die Strom- und Gaspreise so niedrig wie seit Langem nicht mehr. Einige KMU werden trotzdem draufzahlen müssen, wenn sie nicht aktiv werden. Woran das liegt und drei Tipps dazu, wie Sie diese Kostenfalle umgehen.

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Die Nachfrage nach Strom und Gas ist durch die Coronakrise stark gefallen – eine Chance für KMU.
Die Nachfrage nach Strom und Gas ist durch die Coronakrise stark gefallen – eine Chance für KMU.
(Bild: ©Butch - stock.adobe.com)

Wer aktuell einen Blick auf die Energiepreise wirft, dem offenbart sich ein außergewöhnliches Bild: Strom und Gas sind so günstig wie selten. Grund dafür ist die gesunkene Nachfrage während der Coronakrise. Viele Energieträger erreichen dadurch historische Tiefstände. Zum Vergleich: Eine Kilowattstunde Gas kostete 2019 zeitweise 2,4 Cent. Derzeit sind es nur noch knapp 1,3 Cent – so wenig wie das letzte Mal 1995.

Dürfen sich KMU jetzt also auf deutlich reduzierte Energiekosten freuen? „Nicht automatisch“, warnt Jörg Scheyhing, Geschäftsführer beim Energieberater ECG. „In der Regel sind Betriebe in laufenden Festpreisverträgen gebunden. Von der günstigen Marktlage können sie nur durch Verhandlungsgeschick profitieren.“ Stattdessen könne es sogar vorkommen, dass Unternehmen mehr zahlen müssten als sonst.

Warum es in für manche Betriebe teurer werden könnte

Zu Mehrkosten kann es dann kommen, wenn die im Vertrag festgelegte Mindestabnahmemenge unterschritten wird. Um herauszufinden, ob ihnen diese Gefahr droht, sollten Kunden in ihren Verträgen nach sogenannten Toleranzbändern Ausschau halten, rät Scheyhing. Diese werden in vielen Fällen festgelegt, um den Versorgern eine Abnahmesicherheit zu garantieren. Sie orientieren sich an der geschätzten Gesamtabnahmemenge. „Der Kunde muss dann im Jahresverlauf beispielsweise mindestens 80 % des vertraglich vereinbarten Energievolumens beziehen“, erklärt Scheyhing. Kommt er dieser Verpflichtung nicht nach – etwa weil durch eine Rezession seine Maschinen stillstehen –, muss er mit Gebühren und Ausfallkosten rechnen. Die eingeplante Energiemenge hat der Versorger dann nämlich schon gekauft und muss sie nun kurzfristig wieder veräußern. Das ist mit zusätzlichen Aufwänden verbunden.

Doch es gibt mehrere Wege aus diesem Dilemma. Wir haben drei für Sie zusammengestellt:

Weg 1: Verlängern Sie jetzt Ihre Verträge – aber mit einer Bedingung!

Gehen Sie mit Ihren Energielieferanten schon jetzt in die Verhandlungen zu Vertragsverlängerungen. Bestehen Sie dabei jedoch auf eine sofortige oder zumindest zeitnahe Senkung der Energiepreise. Als Richtwert für Ihre Verhandlungen ziehen Sie am besten einen Durchschnittswert der Energiepreise dieses, des nächsten und des vergangenen Jahres heran. Die Werte fürs vergangene Jahr finden Sie auf Ihrer Energierechnung. Für die zu erwartenden Preise in diesem und im nächsten Jahr orientieren Sie sich am besten an den Spot- und Terminmärkten, zum Beispiel am Epex Spot (www.epexspot.com/en/marketdata). Behalten Sie bei den Verhandlungen immer im Hinterkopf: Von einer solchen Vertragsverlängerung profitieren nicht nur Sie, sondern auch der Anbieter. Er kann Sie als Kunden länger halten und stärkt seine liquiden Mittel.

Weg 2: Wechseln Sie Ihren Anbieter!

Nicht bei jedem lässt sich Weg 1 in die Tat umsetzen – etwa weil der Energielieferant ablehnt oder weil die eigene Bonität krisenbedingt zu schlecht ausfällt. In diesen Fällen kann ein Anbieterwechsel die richtige Herangehensweise sein. Bei der Suche nach geeigneten Partnern sind digitale Vergleichsportale hilfreich, beispielsweise ENPortal und Yep. Auf diesen Plattformen können Sie Energieausschreibungen durchführen und verschiedene Anbieter vergleichen.

Beachten Sie: Energieverträge orientieren sich an einer prognostizierten Abnahmemenge, die der Lieferant beschaffen muss. Für eine realistische Einschätzung bilden Sie am besten einen Durchschnittswert aus Ihren Verbräuchen der letzten drei Jahre. Außerdem ist es ratsam, die Beschaffung energieintensiver Maschinen einzuberechnen. Deren Verbrauchswerte finden sich meist auf der Hersteller-Website oder lassen sich telefonisch erfragen. Ganz wichtig: Vergessen Sie beim Anbieterwechsel nicht, ihren bestehenden Vertrag so bald wie möglich zu kündigen!

Weg 3: Steigen Sie ein in den Energiegroßhandel!

Die meisten KMU beziehen ihre Energie von Zwischenhändlern, die die Großhandelspreise nur mit Aufschlägen an ihre Kunden weitergeben. Für energieintensive Betriebe kann es deshalb sinnvoll sein, selbst in den Energiegroßhandel einzusteigen. „Das lohnt sich meist ab einem Verbrauch von 50 GWh pro Jahr“, erklärt Björn Vortisch, Geschäftsführer beim Energiedienstleister Enexion. „Ganz wichtig: Dieser Richtwert bezieht sich auf das gesamte Portfolio eines Unternehmens in Deutschland und nicht auf einen einzelnen Standort.“ Solche hohen Verbräuche kommen im Mittelstand in Sektoren wie der Bau- und Grundstoffindustrie oder bei Metallproduzenten und in Gießereien vor.

„Unternehmen, die diese Energiemenge überschreiten, sollten ihr Vorhaben mit einem unabhängigen Energiegutachter diskutieren“, ergänzt Vortisch. „Um den Energiegroßhandel zu nutzen, braucht es eigene IT-Systeme und Prozesse, die viele KMU an Dienstleister auslagern.“ Eine Alternative sei deshalb die Großhandels-nahe Beschaffung. Dabei schließen sich mehrere kleinere Betriebe zusammen und gehen gemeinsam an den Großhandel.

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Über den Autor

 Sebastian Hofmann

Sebastian Hofmann

Journalist, Vogel Communications Group