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Wird die Feuchteaufnahme von Polyamid als häufig übertrieben dargestellt?
Wutke: Dazu habe ich folgenden Vergleich. Polyamide haben im Vergleich zum Kunststoff PBT einen oft unterschätzen Vorteil: Durch Feuchtigkeitsabgabe beim Aufheizen – also abnehmende Quellung – wird das Längenwachstum aufgrund des thermischen Längendehnungskoeffizienten kompensiert. Damit ergeben sich über einen relevanten Temperaturbereich von –40 bis 150 °C sogar recht hohe Dimensionsstabilitäten. Abgesehen von den eingangs erwähnten Unterschieden von Polyamid 12 bis Polyamid 4.6 spielen teilaromatischen Produkte wie Akromid T (PPA) hier ebenfalls eine Stärke aus: Deren Quellverhalten ist geringer als bei Polyamiden mit vergleichbarem Feuchtegehalt und der Einfluss auf die mechanischen Eigenschaften ist signifikant niedriger.
Was unternimmt Akroplastic, um die Neigung von Polyamid zur Feuchteaufnahme zu minimieren?
Wutke: Akroplastic hat eine Produktreihe entwickelt, die zwischen 30 und 40% weniger Feuchtigkeit aufnimmt: Akromid RM. Sie umfasst verstärkte Polyamidtypen, die im Vergleich zu Polyamid 6 mit gleichem Faseranteil eine entsprechend geringere Reduktion der Steifigkeit und Festigkeit bei sehr konstanter Zähigkeit zeigen. Das Wärmealterungsverhalten – bei 150 °C über 5000 Stunden lang geprüft – konnte leicht verbessert werden. Damit ist in einigen Fällen sogar die Substitution von PBT bei wesentlich einfacherer Verarbeitung möglich. Wegen der geringeren Schwindungsdifferenz ist dies meistens nur bei Neuwerkzeugen zu realisieren.
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