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Blechbearbeitung

Synchropresse findet Wegin die Serienfertigung

Vor etwa drei Jahren war es schon eine kleine Sensation in der Blechbearbeitungs-Branche. Es war die Zeit, als Johannes Hülshorst mit seiner Werkstatt

01.03.2007 | Autor / Redakteur: Dietmar Kuhn / Dietmar Kuhn

Die zweite Generation der Synchropresse – hier mit Kunststoffspritzeinheit von Arburg und einem Rofin-Beschriftungslaser; bei Härter Stanztechnik in Königsbach-Stein sind mittlerweile fünf Synchropressen im Einsatz – auch für die Serienfertigung. Bild: Kuhn
Die zweite Generation der Synchropresse – hier mit Kunststoffspritzeinheit von Arburg und einem Rofin-Beschriftungslaser; bei Härter Stanztechnik in Königsbach-Stein sind mittlerweile fünf Synchropressen im Einsatz – auch für die Serienfertigung. Bild: Kuhn

Vor etwa drei Jahren war es schon eine kleine Sensation in der Blechbearbeitungs-Branche. Es war die Zeit, als Johannes Hülshorst mit seiner Werkstattprobierpresse namens Synchropresse und einem völlig neuartigen Konzept an die Öffentlichkeit trat. Als sensationell darf auch die bisherige Entwicklung betrachtet werden, wobei die Synchropresse den Sprung in die Serienfertigung geschafft hat.

Offensichtlich hatte der Maschinenbauer Johannes Hülshorst den Gedanken für eine neue Art von Pressen zum Stanzen und Umformen zur rechten Zeit. Etwa 2004 trat er mit seiner Idee einer Werkstattprobierpresse – er gab ihr den Namen Synchropresse – auf den Markt. Diese erste Generation der universellen Maschine glänzte bereits durch zahlreiche technische Neuerungen. Sie war leicht, sehr mobil und konnte quasi innerhalb von ein bis zwei Tagen betriebsfertig installiert werden. Das Herz dieses Pressentyps sind jedoch die Spezial-Rollengewindetriebe, durch die die Synchropresse erst möglich wurde.

Die Synchropresse fand recht schnell auch den Weg in die Serienfertigung. Heute steht bereits die zweite Generation in den Produktionshallen. „Wir können heute Presskräfte zwischen 63 und 250 t, in absehbarer Zeit aber auch bis 400 t anbieten“, verrät Ronald Baiker, Verkaufsleiter der Synchropresse bei M. E. Bruderer + Co. GmbH in Empfingen, die seit März 2006 den Gesamtvertrieb der Synchropresse übernommen hat. Laut Baiker kümmert sich der Erfinder Hülshorst nur noch um die weitere Entwicklung der Pressen.

Antrieb besorgen jetzt Torque-Motoren

„Während die erste Synchropressen-Generation noch durch Servomotoren angetrieben wurde, sind es bei der jetzt weiterentwickelten Generation so genannte Torque-Motoren“, weiß Baiker zu berichten. Das entscheidende Merkmal sind jedoch die Spezial-Rollengewindetriebe, die sich gegenüber der Kugelrollspindel oder der Trapezgewindespindel durch einen sehr hohen Wirkungsgrad sowie durch die Aufnahme von extrem hohen Axial-Kräften auszeichnen. Der Gleichlauf der Rollengewindetriebe wird elektronisch gesteuert. Dies bedeutet, dass die Presskräfte über die gesamte Arbeitsfläche gleichmäßig verteilt sind und unabhängig von der Geschwindigkeit über den gesamten Pressenhub erhalten bleiben.

Zweite Pressengeneration überzeugt auch Stanzbetriebe

Die Pressen der zweiten Generation haben auch einen der großen Stanzbetriebe, die Härter Stanztechnik GmbH in Königsbach-Stein, überzeugt. Mit rund 1600 Mitarbeitern und Produktionsstätten in Eu-ropa, den USA und Asien ist Härter einer der führenden Zulieferer für die Automobil-, Telekommunikations- und Elektroindustrie. Heute arbeitet der Stanzbetrieb in Königsbach-Stein mit fünf Synchropressen.

Kraft steht auf dem gesamten Weg gleichmäßig zur Verfügung

„Im Frühjahr 2005“, berichtet Sander Schoof, Technik-Manager bei Härter, „entstand bei uns der Bedarf für eine neue Werkstattprobierpresse. Wir sind auf die Synchropresse gestoßen und ihr Konzept hat uns sogleich begeistert.“ Ein entscheidendes Kriterium war demnach, dass bei der Synchropresse die Kraft auf dem gesamten Weg gleichmäßig zur Verfügung steht und der Weg vom Bediener jederzeit beeinflusst werden kann. „Wichtig ist“, sagt Schoof, „dass ich bei einem Teil, das gestanzt, geprägt, tiefgezogen und möglicherweise mit einem Montagevorgang versehen ist, den Weg und die Kraft innerhalb des Werkzeuges gezielt zum Einsatz bringen kann.“

Die erste Presse, in die Härter investierte, war eine 100-t-Anlage. Darauf werden die in der eigenen Werkzeugmacherei hergestellten Werkzeuge eingefahren. „Die Synchropresse bietet erhebliche Vorteile“, weiß Schoof. Werkstattprobierpressen nutzt man deshalb, um mit dem Einfahren von Werkzeugen die Produktionspressen nicht zu blockieren. Doch bei Härter produzieren die Synchropressen auch Serienteile beziehungsweise Vorserienteile in Stückzahlen von drei bis vier Millionen.

In der Härter Stanztechnik hat M. E. Bruderer einen kompetenten Anwendungspartner für die Synchropresse gefunden. Deshalb lag es nahe, eine Kooperation einzugehen. Diese Technologie-Partnerschaft zeigt sich inzwischen vor allem in einer 100-t-Presse, die mit einer Kunststoffspritzeinheit von Arburg sowie einem Rofin-Laser ausgestattet ist. Auf dieser Vorführ-Maschine wird exemplarisch ein Schreibtischhalter gefertigt, der alle Möglichkeiten der Synchropresse wie Stanzen, Biegen, Lochen, Kunststoff umspritzen, Beschriften und die Qualitätskontrolle beinhaltet.

Die Partnerschaft ist aber auch auf die langjährigen Beziehungen zwischen Markus E. Bruderer, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens, und der Härter Stanztechnik GmbH entstanden – nicht zuletzt „weil wir auch sehr viele andere Pressen im Betrieb haben und weil wir sehr große Erfahrung im Bereich Werkzeugbau besitzen“, meint Alexander Kasper, Marketingleiter bei Härter.

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