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Wissen und Hoheit über Prozesse behalten
Praktisch scheitert er hier an den „unterschiedlichen Welten“ der Hersteller: Während Automobilhersteller zunehmend Produktionsschritte outsourcen und die eigene Zuständigkeit auf Steuerung der Prozesse reduzieren, arbeiten die meisten Chemieunternehmen in einem Produktionsverbund und wollen das Wissen und die Hoheit über ihre Prozesse selbst behalten. Entsprechend unterschiedlich reagiert der Kunde, wenn Infraserv Logistics Produktionsdaten abfragt. „Das ist mühsam“, gibt Schmidt freimütig zu. „Aber wir sind nun einmal ein Dienstleister und können nicht wie unsere Kunden vorproduzieren. Entsprechend wichtig ist das Verständnis auf der Gegenseite, dass wir unsere Prozesse nur dann zuverlässig steuern können, wenn uns die benötigten Daten für optimierte Prognosen gegeben werden.“ In der umgekehrten Kommunikationsrichtung beobachtet Sven Frerick, Leiter Marketing und Vertrieb, einen vermehrten Fokus auf das Leistungsspektrum. „Über den Preis wird heutzutage gar nicht mehr so viel gesprochen. Stattdessen versuchen wir unseren Kunden zum selben Preis eine bessere Leistung zu bieten.“
Optimierte Planung als Engpass-Prävention
Mit den Produktionsprognosen kann Infraserv Logistics die eigenen Kapazitäten grob planen. Für die Agile Optimierung ist ein schneller Informationsfluss rund um alle beteiligten Transportmittel essentiell. „Es sind mehr Autos sowie Lkw auf den Straßen unterwegs“, so Frerick. „Und die Infrastruktur in Deutschland ist, gerade was Brücken betrifft, nicht immer optimal. Damit steigt natürlich das Risiko für Staus und andere unvorhersehbare Ereignisse.“
Zur Planung der Lkw-Slots hat sich das neue Web-Portal von Infraserv Logistics hinsichtlich Transparenz und Anwendbarkeit bereits bewährt. Hier kann ein Spediteur online den für ihn günstigsten freien Slot für seinen Lkw buchen. Bei dieser Planung muss Infraserv Logistics der zunehmend internationalen Struktur der Fahrer Rechnung tragen: Bei der Anmeldung stehen Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch sowie fast alle osteuropäischen Sprachen zur Auswahl. Die Spediteure können sich die Fahrzeugpapiere online ausdrucken, eine individuelle Wegbeschreibung für das weitläufige Gelände gibt es gleich dazu.
Dieser Arbeitsschritt lief früher manuell mit signifikantem Aufwand. Eigentlich will Infraserv Logistics hier noch einen Schritt weitergehen und das System um eine App für Lkw-Fahrer ergänzen, damit diese kurzfristig noch Änderungen vornehmen können: Bei Staus ist zum Beispiel oftmals frühzeitig absehbar, dass ein Fahrer seinen anvisierten Slot nicht erreichen wird. Diese Daten frühzeitig zu bekommen und sinnvoll zu verarbeiten, etwa indem das agile Optimierungssystem einen anderen Fahrer vorzieht oder die Kapazitäten den aktuellen Gegebenheiten und Notwendigkeiten anpasst, ist ein zeitnahes Optimierungsziel für Schmidt.
Das Problem der App ist nicht mathematischer, sondern eher praktischer Natur: „Wir gingen davon aus, dass heutzutage jeder Lkw-Fahrer ein Smartphone besitzt“, erzählt Frerick. Doch dann stellt der Vertriebs- und Marketingleiter fest, dass das nur bedingt der Fall ist. Im internationalen Verkehr ist ein hoher Anteil osteuropäischer Fahrer unterwegs und die nutzen oftmals sehr altmodische Mobiltelefone. „Wir haben auch mal Fahrer, die verzweifelt anrufen, weil sie im Stau stehen und zum Beispiel den gebuchten 14-Uhr-Slot nicht einhalten können“, erzählt Frerick. Solch kleine Umbuchungen lassen sich im Einzelfall in der Regel problemlos manuell lösen, für den Blick auf das Ganze braucht es aber die Transparenz durch Agile Optimierung.
Eine wesentlich problematischere Betriebsbelastung tritt hingegen beispielsweise bei Niedrigwasser am Rhein ein: Dann fahren nämlich für jedes ausfallende Transportschiff rund 100 Lkw oder 20 Kesselwagen bei Infraserv Logistics zusätzlich ein. Im Vergleich zu den meist hochindividuell abzufertigenden Lkw sind Schiffe vergleichsweise unkompliziert zu be- und entladen: Die bis zu 2400 t Produkt werden in einem einmaligen Prozess direkt in die Pipeline gepumpt. Es ist jeweils nur ein einmaliger Kupplungsvorgang auszuführen, nur einmal wird die Ladung analysiert. Entsprechend groß ist die Auswirkung auf das Tagesgeschäft bei Infraserv Logistics, wenn die Kunden auf kleinvolumigere Alternativen ausweichen müssen.
In der täglichen Operation ist der konkrete Be- und Entladungsprozess von Lkw nicht nur aus Effizienz-, sondern auch aus rechtlichen Gründen ebenso straff getaktet wie korrekt organisiert. Trifft ein Fahrzeug, das Gefahrgut abholen will, bei Infraserv Logistics ein, wird es eingangs in einem zeitintensiven Prozess genauestens kontrolliert, um alle beteiligten Parteien optimal abzusichern. Über das Eintreffen des Lkw wird auch die Ladestelle informiert. Ab diesem Zeitpunkt kann sie das Eintreffen des Lkw verbindlich planen und am Hochregallager mit dem Auslagern beginnen. So steht die benötigte Palette dank optimal berechneter Abläufe schon auf der Verladerampe bereit, wenn der Lkw andockt – ein guter Service und maximale Planungssicherheit für den Kunden. Da Störungen im Lkw-Verkehr regelmäßig vorkommen – zum Beispiel aufgrund von Unfällen oder Witterungsbedingungen, die den Straßenverkehr lahmlegen – sorgt der agil optimierte Prozess für einen reibungslosen Ablauf.
Der oben beschriebene Kontrollprozess wird auch für den Ausgangsverkehr angewandt, denn sollte die Polizei nach der Beladung Mängel am Fahrzeug feststellen, haftet Infraserv Logistics als Versender mit. Da Bußgelder in Deutschland personenbezogen sind, würde bei solchen Fehlern der zuständige Infraserv Logistics-Verlader mit Bußgeldern ab 280 Euro oder Punkten in Flensburg belegt.
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