Blick aus der Praxis So sieht die Trumpf-Chefin die Lage in Deutschland

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Nicola Leibinger-Kammüller kann zwar relativ gelassen bleiben, auch wenn die „Reichensteuer“ erhöht werden sollte. Doch sie weiß auch, was das Land braucht und dass es nicht allen so gut geht ...

Klare Worte! Nicola Leibinger-Kammüller, die Chefin des Maschinenbauers Trumpf aus Ditzingen in Baden-Württemberg, lässt es sich hier nicht nehmen, die Lage in Deutschland und die Ideen der Bundesregierung zu kritisieren.(Bild:  Trumpf)
Klare Worte! Nicola Leibinger-Kammüller, die Chefin des Maschinenbauers Trumpf aus Ditzingen in Baden-Württemberg, lässt es sich hier nicht nehmen, die Lage in Deutschland und die Ideen der Bundesregierung zu kritisieren.
(Bild: Trumpf)

Die Chefin des Maschinenbauers Trumpf, Nicola Leibinger-Kammüller, kann sich vorstellen, mehr Steuern zu zahlen. „Ich fühle mich durch das Wort Reichensteuer in eine Ecke gestellt“, sagte sie dem „Handelsblatt“. Zumal der Begriff eine Farce sei bei vielen Einkommen, die man darunter fasse.

„Ich wäre bereit, mehr Steuern zu zahlen, aber das ist nicht der Punkt. Ob ich jetzt 47 oder 50 Prozent aufbringen muss, wird mich nicht umbringen – für andere macht es einen gravierenden Unterschied.“ Viele Menschen in diesem Land würden gerne geben.

Entscheidend sei aber, was mit dem zusätzlichen Geld passiere. Mögliche Mehreinnahmen müssten in die Bildung fließen, forderte sie. „Das geht von Sprachförderung in Grundschulen bis zu den Universitäten.“

Düsteres Bild der deutschen Wirtschaft

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) pocht auf eine Steuerreform, bei der Spitzenverdienende in Deutschland mehr bezahlen müssen.

Leibinger-Kammüller zeichnete ein düsteres Bild der deutschen Wirtschaft. „Seit Kriegsende war die wirtschaftliche Lage in Deutschland noch nie so dramatisch. Da war Corona nichts dagegen“, sagte die Unternehmenschefin. Auf einer internen Hausmesse bei Trumpf habe sie noch nie so viele frustrierte Unternehmer auf einem Fleck gesehen. Viele kleine und mittelständische Betriebe erstickten in Bürokratie und kämen an den Rand ihrer Möglichkeiten. „Wir verlieren unsere industrielle Basis“, warnte die Chefin des Laserspezialisten.

Forderung nach raschen Reformen

Die schwarz-rote Koalition fordert Leibinger-Kammüller zum Handeln auf: Es sei die „verdammte Pflicht und Schuldigkeit der Bundesregierung, eine vernünftige Strategie für dieses Land aufzustellen“, sagte sie. Das Kräfteverhältnis zwischen CDU und SPD sei eindeutig: Kanzler Merz müsse die Reformgeschwindigkeit deutlich erhöhen. Es brauche konkrete Sparansagen und strukturelle Reformen, vor allem bei der Rente.

Nach Jahren des Verzichts können sich Trumpf-Beschäftigte im Herbst erstmals wieder auf einen Bonus oder eine tarifliche Gewinnbeteiligung freuen. Das laufende Geschäftsjahr 2025/26 (Ende Juni) entwickle sich „ganz ordentlich“, sagte Leibinger-Kammüller. Der Auftragseingang ziehe an. Das gebe Hoffnung.

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