Gerichtete Gefahr Trumpf-Superlaser weist Blitzen in den Alpen neue Wege

Redakteur: Peter Königsreuther

Dass ein laserbasierter Blitzableiter auf dem Berg Säntis installiert wurde, ist kein Zufall. Dort schlagen während der Gewitterhochphase hunderte von Blitzen ein.

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Ausgezuckt! Blick auf den laserbasierten Blitzableiter auf dem Berg Säntis, in den Schweizer Alpen. Der Laserspezialist Trumpf und die Uni Genf starten damit erfolgreich das EU-Projekt Laser Lightning Rod.
Ausgezuckt! Blick auf den laserbasierten Blitzableiter auf dem Berg Säntis, in den Schweizer Alpen. Der Laserspezialist Trumpf und die Uni Genf starten damit erfolgreich das EU-Projekt Laser Lightning Rod.
(Bild: Trumpf)

Trumpf hat in Kooperation mit der Universität Genf auf dem Schweizer Berg Säntis einen laserbasierten Blitzableiter in Betrieb genommen. Im den nächsten Wochen unterstützt der Superlaser Wetterexperimente, mit dem Ziel, Blitze aus Gewitterwolken gezielt und kontrolliert abzuleiten. Das, heißt es weiter, soll in Zukunft Schäden durch unkontrollierte Blitzeinschläge verhindern. Der Trumpf-Laseringenieur Clemens Herkommer, der bei Trumpf Scientific Lasers in Unterföhring bei München arbeitet, hat in den vergangen vier Jahren diesen bis dato einmaligen Superlaser eigens für dieses Projekt entwickelt. Er merkt an: „Der laserbasierte Blitzableiter ist einer der stärksten Laser seiner Klasse, die es derzeit gibt. Wir schießen mit tausend Laserpulsen pro Sekunden in die Wolken. So wollen wir Blitze unschädlich machen, damit die Welt ein Stück weit sicherer wird.“

Die Idee hat einen bedenklichen Hintergrund:

Durch Blitzeinschläge in Flughäfen, Atomkraftwerken, Wolkenkratzern und Wäldern entstehen jährlich Schäden in Höhe von mehreren Milliarden Euro, sagen die Protagonisten. Allein in den USA entsteht durch Gewitter und Blitzschlag ein wirtschaftlicher Schaden von fünf Milliarden US-Dollar jährlich. Die Summe setze sich meist durch Störungen des Flugverkehrs und Schäden an Flugzeugen oder Hochspannungsleitungen zusammen.

Angesichts dieser Problematik, hat die EU das Projekt „Laser Lightning Rod“ ins Leben gerufen. Der Trumpf-Laser ist dabei das Herzstück. Er erzeugt eine Art „Kanal“ in Gewitterwolken – das sogenannte Laser-Filament. Sobald sich ein Blitz aus der Gewitterwolke entladen möchte, lässt das Laser-Filament dem Blitz keine andere Chance, als dass er nur noch durch den vorgegebenen Kanal einschlagen kann – und natürlich dort, wo er keinen Schaden anrichten wird. Die Entwicklung des Lasersystems hat rund zwei Millionen Euro gekostet, betont Trumpf.

Laser-Gipfesturm mit viel Unterstützung

Bereits der Transport des Lasers auf dem Säntis habe sich als ein Rekordunterfangen entpuppt. Denn der Laser ist mit 9 Metern Länge und rund 5 Tonnen Gewicht auch noch relativ schwer zu handeln. Um ihn auf die Wetterstation auf der Bergspitze zu transportieren, haben Herkommer und seine Projektpartner den Laser in mehrere Einzelteile zerlegen müssen, damit sie ihn Ende Mai diesen Jahres per Seilbahn und Helikopter auf den Gipfel bringen konnten. Nachdem sie die Laseranlange in den vergangenen Wochen wieder aufgebaut und in Betrieb genommen haben, geht es ans Blitzefangen in der Praxis.

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