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Wirtschaft Umsatzrückgang bei Trumpf hält sich in Grenzen

| Redakteur: Simone Käfer

Den schwächelnde Umsatz in 2020 konnte Trumpf mit Auftragsbestand aus 2019 etwas auffangen. Für das aktuelle Geschäftsjahr 2020/21 rechnet das Unternehmen nicht mit Aufschwung.

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Trumpf meldet einen Umsatzrückgang von 8 %.
Trumpf meldet einen Umsatzrückgang von 8 %.
(Bild: gemeinfrei: Gerd Altmann / Pixabay )

Die Trumpf Gruppe verzeichnete zum Abschluss des Geschäftsjahrs 2019/20 am 30. Juni 2020 einen Umsatzrückgang von 8 % auf 3,5 Mrd. Euro. Im Vergleich dazu betrug der Umsatz des Geschäftsjahr 2018/19 3,8 Mrd. Euro. Der Auftragseingang ging von 3,7 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2018/19 auf 3,3 Mrd. Euro zurück. Dies entspricht einem Minus von 11 %. Dabei lag der Umsatz noch um 210 Mio. Euro über dem Auftragseingang, denn das Unternehmen hatte noch einen hohen Auftragsbestand. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) entwickelte sich mit 309 Mio. Euro abhängig vom Umsatz ebenfalls rückläufig und sank gegenüber dem Geschäftsjahr 2018/19 (349 Mio. Euro) um –11,5 %.

Bereits 2019 bereitete sich Trumpf auf eine Krise vor – damals hieß der Grund noch nicht „Corona” – und entwickelte die Strategie „Koyer“. Mit dieser konnte Trumpf laut eigener Aussage den Rückgang der EBIT-Rendite spürbar dämpfen. Aufgrund des Zurückfahrens von Investitionen und Sachkosten sowie Effizienzverbesserungen erzielte das Unternehmen eine insgesamt gute Rendite in Höhe von 8,9 % (Vorjahr: 9,2 %). Zudem reagierte Trumpf auf die Folgen von Corona im Frühjahr 2020 durch weitere Sparmaßnahmen wie dem Abbau angesammelter Überstunden und Urlaubstage, ab April dann mit der Einführung von Kurzarbeit sowie einer zusätzlichen Kürzung der Sachkosten und Investitionen. Auch infolgedessen konnte der Rückgang der Rendite weiter abgefedert werden. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Gruppengeschäftsführung von Trumpf: „Wir spüren bereits seit Herbst 2018 eine Abschwächung der weltweiten Konjunktur. Corona hat den Rückgang zusätzlich verstärkt – als Krise in der Krise. Allerdings ist unser Umsatz deutlich geringer als im Maschinenbau insgesamt gesunken. Zudem ist es uns durch konsequentes Kostenmanagement gelungen, die Rendite nahezu auf Vorjahresniveau zu halten.“

Stärkste Branchen: EUV und Elektronik

Nach Deutschland mit 610 Mio. Euro Umsatz waren die USA mit 490 Mio. Euro sowie die Niederlande mit 480 Mio. Euro weltweit die drei größten Einzelmärkte von Trumpf, gefolgt von China mit 350 Mio. Euro. In vielen europäischen Kernmärkten wie Italien oder Spanien, aber auch in Osteuropa, sank der Umsatz in Folge der schwachen Weltkonjunktur und des Corona-Stillstands zum Teil zweistellig. Treiber des positiven Ergebnisses in den Niederlande war erneut das in Ditzingen ansässige Geschäftsfeld EUV. An den niederländischen Kunden ASML liefert Trumpf spezielle Laser für Anlagen, die mit Hilfe extrem-ultravioletter Strahlung Oberflächen von Chips für die Computerindustrie belichten. Hier konnte Trumpf den Umsatz von 388 Mio. Euro im Vorjahr um 19 % auf 460 Mio. Euro steigern.

Auch die in Freiburg bei Trumpf Hüttinger und in Warschau ansässige Elektronik, Teil des Geschäftsbereichs Lasertechnik, konnte die Erwartungen erneut übertreffen mit einem Umsatz von 230 Mio. Euro. Dies entspricht einem Plus zum Vorjahr (199 Mio. Euro) von 15 %. Hauptgründe dafür waren die steigende Nachfrage für die Solarindustrie in China sowie die Halbleiterindustrie in den USA und Japan.

Entwicklung der Mitarbeiterzahlen und Kurzarbeit

Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Trumpf blieb, gemessen am Vorjahr, mit 14.325 in etwa gleich, meldet das Unternehmen. In Deutschland waren zum 30.6.2020 7437 Mitarbeiter tätig, davon 4353 am Stammsitz in Ditzingen. Im Berichtsjahr absolvierten 513 junge Menschen eine Ausbildung oder ein Studium an der Dualen Hochschule. Die Ausbildungsquote lag damit bei 3,6 % über Vorjahresniveau (3,4 %). Zwischen April und Juni 2020 waren 30 % der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Ausnahme der EUV-Branche in Kurzarbeit. Der Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit liegt im Oktober 2020 bei 27 %, nachdem er die beiden Quartale davor bei 30 % gelegen hatte. Aktuell hat Trumpf wieder eine Arbeitsquote von 80 %.

Zu Debatte um Home-Office und ein „New Normal“ bekräftigte Leibinger-Kammüller, dass Trumpf als Produktionsbetrieb ein Präsenzunternehmen bleibe: „Wir wollen nicht in den blinden Aktivismus verfallen, den wir bei anderen Unternehmen sehen. Wir wollen die Prozesse von vorn bis hinten durchdenken und uns auf Basis vergleichender Studien zunächst eine fundierte Meinung darüber bilden, wie sich das Homeoffice nachweislich auf die Produktivität auswirkt. Aber wir wollen auch verstehen, was es auch kulturell und sozial für Folgen hat, wenn sich Menschen über Wochen und Monate nicht mehr treffen.“

Um der strategischen Bedeutung des Themas Personalwesen und Mitarbeiterentwicklung Rechnung zu tragen, wurde Oliver Maassen (56), seit 2017 Leiter Human Resources von Trumpf, mit Wirkung zum 1.10.2020 zum Gruppengeschäftsführer, zuständig für die Personalarbeit, ernannt. Vor seiner Zeit bei Trumpf war er unter anderem beim Beratungsunternehmen Pawlik tätig und bei der HypoVereinsbank/UniCredit für Personal verantwortlich.

Investitionen und Akquisitionen, hohe F-&-E-Quote

Infolge des Koyer-Sparprogramms wurden die Investitionen um 33 % auf 194 Mio. Euro zurückgefahren (Vorjahr: 288 Mio. Euro). Trotzdem wurden Akquisitionen vorgenommen. Noch vor März 2020 plante Trumpf die Übernahme von Aixtooling für die Tochtergesellschaft Ingeneric. Zum 31. Oktober 2019 erwarb Trumpf Photonics in den USA zu 100 % die Stellar Industries. Im Dezember 2019 hat Trumpf eine Minderheitsbeteiligung am französischen Lasertechnik-Start-up GLOphotonics erworben; im Januar 2020 schließlich die HBH Microwave. Trumpf blieb auch im Geschäftsjahr 2019/20 ein forschungsintensives Unternehmen. So betrugen die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung nach 396 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2018/19 nun 377 Mio. Euro. In Relation zum rückläufigen Umsatz hat sich die Entwicklungsquote dadurch auf 10,8 % (Vorjahr: 10,5 %) erhöht.

Prognose für 2020/21

Zum Ausblick auf das am 1.7.2020 gestartete Geschäftsjahr 2020/21 sagte Leibinger-Kammüller: „In den ersten drei Monaten konnte der Rückgang bei Umsatz und neuen Aufträgen gestoppt werden. Wir sehen vorsichtige Anzeichen für das Ende der konjunkturellen Talfahrt, wenn auch noch keinen Aufschwung.“

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