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Auslandsinvestitionen

Ungarn trotz steigender Risiken beliebter Standort

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Zusammenarbeit mit den ungarischen Behörden teils schwierig

Wer sich für den Aufbau eines Produktionsstandorts in Ungarn entscheidet, sollte sich bereits im Vorfeld genau über die gesetzlichen Vorschriften und erforderlichen Genehmigungen im Land informieren. Denn wie die Studie zeigt, gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort teilweise schwierig: Demnach können insbesondere lange Bearbeitungszeiten und mangelnde aktive Unterstützung seitens der beteiligten Institutionen den Gründungsprozess massiv verzögern. Um dem entgegenzuwirken, lohnt es sich, kritische Genehmigungsverfahren im Vorfeld durchzuspielen, um so zu realistischen Annahmen für den Zeitplan einer Neugründung zu gelangen.

Unterstützung bieten dabei nicht nur Wirtschaftsförderungsgesellschaften wie die HIPA (Hungarian Investment Promotion Agency). Auch der Austausch mit anderen Unternehmern beziehungsweise Partnern vor Ort kann dabei helfen, kritische Situationen im Umgang mit Behörden und öffentlichen Einrichtungen in Ungarn zu meistern. Denn häufig stehen Unternehmen gerade in der Gründungsphase vor ähnlichen Schwierigkeiten, die sich mithilfe der richtigen Informationen oder Ansprechpartner häufig schnell und einfach ausräumen lassen. Auch später können solche lokalen Netzwerke vorteilhaft sein, wenn es beispielsweise darum geht, vor Ort Dienstleister zu finden.

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Langfristiges Engagement in Ungarn lohnt sich

Zudem sollten Unternehmen, die bereits in Ungarn aktiv sind oder planen, sich dort niederzulassen, zusätzliche Investitionen in die Mitarbeiterqualifizierung vorab einkalkulieren. Um besonders dem Fachkräftemangel im Führungskräftesegment entgegenzuwirken, sind Weiterbildungen in Bereichen wie Projektmanagement und Problemlösungstechnik notwendig. Neben Trainingsprogrammen vor Ort bieten sich hierbei auch Austauschprogramme und gemeinsame Workshops mit deutschen Standorten an. Aufgrund der hohen Lernfähigkeit, den die befragten Unternehmen ihren ungarischen Mitarbeitern in der Studie attestieren, sind die Erfolgsaussichten solcher Maßnahmen besonders hoch.

In Ergänzung zu diesen Weiterbildungsangeboten können Unternehmen auch die Ausbildung von Fachkräften vor Ort fördern, wie etwa das Beispiel des Zulieferers Eckerle Industrie Elektronik GmbH zeigt. Rund 1200 Mitarbeiter arbeiten an vier Standorten in Ungarn für das Unternehmen. Durch Kooperationen mit einer lokalen Bildungshochschule bietet der Mittelständler seit 2015 ein duales Studium im Land an. Dass sich ein solches, langfristiges Engagement auszahlt, beobachtet Inhaber Joachim Eckerle seit Jahren. So bringen die Ingenieure in Ungarn inzwischen auch unabhängig von der Muttergesellschaft Produktionssysteme für Kunden in ganz Europa zur Marktreife – ein Musterbeispiel für einen gelungenen Standortaufbau, der kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs mit einer reinen Fertigung begann und im Laufe der Jahre zum Entwicklungsstandort für neue Fertigungsverfahren und Produkte wurde.

* Hans-Georg Scheibe ist Vorstand der ROI Management Consulting AG in 80797 München

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