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Auslandsinvestitionen

Ungarn trotz steigender Risiken beliebter Standort

| Autor / Redakteur: Hans-Georg Scheibe / Stéphane Itasse

Die Automobilindustrie war ein entscheidender Faktor, dass Deutschland zum wichtigsten Außenhandelspartner Ungarns werden konnte.
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Die Automobilindustrie war ein entscheidender Faktor, dass Deutschland zum wichtigsten Außenhandelspartner Ungarns werden konnte. (Bild: Audi)

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs baute Ungarn seine Beziehungen mit dem Westen sowohl auf politischer als auch wirtschaftlicher Ebene schnell aus. Mit der Automobilindustrie als treibender Kraft entwickelte sich Deutschland zum wichtigsten Außenhandelspartner und ist es bis heute geblieben.

Aktuell macht Ungarn allerdings vor allem durch negative Schlagzeilen von sich reden: Umstrittene Verfassungsreformen und ein hohes Haushaltsdefizit sorgen für Skepsis. Was dies für Unternehmen bedeutet, die in Ungarn tätig sind oder sich dort niederlassen wollen, ob sich Investitionen für deutsche Mittelständler lohnen und was sie beachten müssen, zeigt die Studie „Fachkräfte in Osteuropa – eine Bestandsaufnahme aus Sicht des deutschen Mittelstands“ der Unternehmensberatung ROI Management Consulting AG und des Magazins „Markt und Mittelstand“. Diese stellt anhand der Antworten von mehr als 100 Entscheidern aus mittelständischen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen deren Erwartungen an einen Standort in Osteuropa dar, beschreibt kulturelle Unterschiede und trifft Aussagen zur Zufriedenheit mit der Verfügbarkeit und der Qualifikation der Mitarbeiter.

Ungarn ist als Standort für deutsche Unternehmen beliebt

Deutsche Mittelständler sehen Ungarn unter den Top 3 der beliebtesten Zielländer für Standortgründungen in Osteuropa, hinter Tschechien und Polen. 13 % der befragten Unternehmen sind bereits in Ungarn mit einem Standort vertreten. Hauptargument für ein Engagement sind dabei vor allem die möglichen Kostenvorteile. So bewegen sich etwa die Lohnkosten in den meisten Branchen auf einem um 30 bis 50 % niedrigeren Niveau als in Deutschland. Auch bei den Beschaffungskosten sind Vorteile erzielbar.

Ergänzt man diese Beweggründe um Erfahrungen, die Unternehmen in ihrer Zeit vor Ort sammeln konnten, punktet Ungarn vor allem im Bereich der öffentlichen Infrastruktur sowie bei der Lernfähigkeit der Mitarbeiter. Insbesondere eine Kompetenz ist dabei sehr von Vorteil: Dank der hohen Sprachaffinität ungarischer Arbeitskollegen funktioniert die Zusammenarbeit oftmals sehr gut.

Für manche Aufgaben fehlt es an geeigneten Fach- und Führungskräften

Das Angebot an Fach- und Führungskräften vor Ort wird von den Befragten hingegen gemischt beurteilt. Während Unternehmen das Mitarbeiterangebot für kaufmännische und juristische sowie Verwaltungsfachkräfte überwiegend positiv bewerten, ist die Zufriedenheit mit der Qualifikation von Managern in Ungarn von allen untersuchten Ländern am geringsten.

Trotz dieses Defizits bleibt Ungarn insgesamt weiterhin ein attraktiver Standort für deutsche Mittelständler in Osteuropa und stellt eine interessante Alternative zu Polen und Tschechien dar. So gaben die dort tätigen Unternehmen in großer Mehrheit an, mit ihrer Standortwahl zufrieden zu sein. Dass gleichzeitig einige Befragte diese Entscheidung bei einer weiteren Suche nach einem neuen Fertigungsort heute so nicht mehr treffen würden, kann unter anderem auf die politische Entwicklung im Land zurückgeführt werden. Insbesondere den europakritischen Kurs der Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán betrachten einige Mittelständler mit Sorge. Hinzu kommt eine nationalistisch orientierte Wirtschaftspolitik, die sich beispielsweise in Sondersteuern für ausländische Unternehmen niederschlägt. Ob Ungarn in den kommenden Jahren weiterhin ein attraktives Zielland für den deutschen Mittelstand darstellt, hängt also auch von der weiteren politischen und wirtschaftlichen Entwicklung ab.

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