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Handelspolitik Unternehmen in Mexiko lassen sich nicht unterkriegen

| Autor: Stéphane Itasse

Seitdem das Ergebnis der jüngsten US-Präsidentenwahl feststeht, ist auch beim südlichen Nachbarn Mexiko plötzlich alles anders. Denn dank der Freihandelszone Nafta gehen 80 % der mexikanischen Exporte in die USA – und diese Exporte sind nun bedroht.

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Mexikos Wirtschaft profitierte lange von der Produktion für die USA, doch ob es so weitergeht, ist ungewiss.
Mexikos Wirtschaft profitierte lange von der Produktion für die USA, doch ob es so weitergeht, ist ungewiss.
(Bild: Audi)

Noch im September vergangenen Jahres konnten wir Mexiko als das neue Eldorado für den Werkzeugmaschinenbau vorstellen (siehe MM 37/­2016). Doch inzwischen hat sich der Wind um 180 Grad gedreht. US-Präsident Donald Trump drohte schon vor der Wahl mit Strafzöllen auf mexikanische Produkte und hält weiter daran fest – im Raum stehen 35 % auf Autos und 20 % auf andere Produkte.

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Unter den deutschen Unternehmen im Land ist die Stimmung nach Auskunft der Deutsch-Mexikanischen Handelskammer (AHK Mexiko) vorsichtig-abwartend. Zu hören sei, dass die Firmen wie gewohnt arbeiteten, geplante Investitionen aber zunächst einmal verschieben oder kleiner als ursprünglich geplant umsetzen.

Laut der jüngsten Konjunkturumfrage der Kammer erwarten zwar 83 % der Mitgliedsunternehmen, dass die Handelspolitik von Trump sich negativ auf ihr Geschäft auswirken wird. Doch das Vertrauen der deutschen Firmen in den Standort Mexiko ist davon unberührt. 62 % der Kammermitglieder haben der Umfrage zufolge für 2017 Investitionspläne im Land. 46 % der Unternehmen wollen 2017 neues Personal einstellen, 43 % ihre Personalstärke konstant halten, wie es weiter heißt.

Unternehmen in Mexiko hoffen auf Umdenken der US-Regierung

Außerdem setzen die Unternehmer nach Auskunft der Kammer darauf, dass bei der neuen US-Regierung ein Lernprozess einsetzt: In verschiedenen Branchen, vor allem in der Automobilindustrie, hat sich ein komplexer, grenzübergreifender Produktionsverbund entwickelt. Viele Vorprodukte gehen mehrmals hin und her über die Grenze. In der Automobilindustrie stecken in jedem mexikanischen Exportdollar US-Vorleistungen in Höhe von 40 Cent. Zölle würden einen drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf beiden Seiten der Grenze haben, wie die AHK erwartet: In den USA hängen Studien zufolge gut 6 Mio. Arbeitsplätze am Handel mit Mexiko. Zudem könne die US-Regierung kein Interesse an einer wirtschaftlichen Destabilisierung ihres südlichen Nachbarn haben. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch Ralf Kalmbach, Global Head Automotive bei A. T. Kearney, in einem Bericht der MaschinenMarkt-Schwesterzeitschrift Automobilindustrie: „Es reicht ja nicht aus, dass die OEMs die Endmontage ihrer Fahrzeuge zurück in die USA verlagern würden. Wir haben in Mexiko auch sehr viele Zulieferumfänge, die zurückgeführt werden müssten.“

Bei mehr als 75 % Wertschöpfungsanteil der Zulieferer und bei einem Lohnkostengefälle von 55 bis 58 US-Dollar pro Stunde in den von der amerikanischen UAW-Gewerkschaft kontrollierten Werken gegenüber 10 Dollar in Mexiko würden sich die in den USA gefertigten Fahrzeuge erheblich verteuern, insbesondere die preissensiblen Volumenmodelle. „Die US-Autoindustrie wäre ohne mexikanische Löhne nicht wettbewerbsfähig. Die angekündigten Maßnahmen würden ihr nichts nutzen, ja im Kern sogar schaden“, glaubt Kalmbach.

Siemens setzt Zeichen mit Rahmenvereinbarung

Zwar hat Ford schon angekündigt, die Pläne für ein neues Werk in Mexiko zu stoppen, doch General Motors hält an seinen Plänen fest, wie Johannes Hauser, Geschäftsführer der AHK Mexiko, berichtet. Und unter den deutschen Unternehmen setzt Siemens sogar ein besonderes Zeichen: Der Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser hat erst im Februar mit dem mexikanischen Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo Villarreal ein Rahmenabkommen unterzeichnet. Demnach will Siemens in den kommenden zehn Jahren 200 Mio. Dollar in dem Land investieren. Damit sollen mit Unterstützung des Investitionsförderers Pro-México die Unternehmen des südlichen Nachbarn der USA in die Lage versetzt werden, in neue Technologien zur Erhöhung ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu investieren. Auf der Agenda stehen zudem die Transformation zu intelligenten Städten, Beiträge zu effizienter Energieerzeugung und effizientem -transport, die Implementierung von Programmen zur dualen Ausbildung oder Unterstützung beim Senken von CO2-Emissionen, die Entwicklung lokaler Versorgung oder der Aufbau von Produktionsketten. „Mexiko kann auf Siemens zählen“, sagte Kaeser bei der Vertragsunterzeichnung und wandte sich gegen die Pläne des nördlichen Nachbarn. „Handel bringt Freiheit und Wohlstand.“

(ID:44560527)

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 Stéphane Itasse

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, MM MaschinenMarkt