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Auslandsmärkte

Unternehmen müssen sich in China anständig benehmen

| Autor/ Redakteur: Stéphane Itasse / Stéphane Itasse

Chinas Regierung nimmt auch die Unternehmen stärker an die Kandare: Ab dem kommenden Jahr müssen sie sich möglicherweise einer Bewertung in einem Punktesystem unterziehen. Noch ist aber vieles unklar.

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Industrieunternehmen müssen sich auf eine neuartige Bonitätsbewertung in China gefasst machen.
Industrieunternehmen müssen sich auf eine neuartige Bonitätsbewertung in China gefasst machen.
(Bild: ©Sergey Ryzhov - stock.adobe.com)

Ab 2020 will die chinesische Regierung das „soziale Bonitätssystem“ (englisch: Social Credit System) auch für Unternehmen einführen, wie VDMA und BDI berichten. Die Verbände befürchten, dass damit Marktteilnehmer stärker überwacht und gesteuert werden sollen.

Das Bonitätssystem umfasst eine Vielzahl von Anforderungen, die als Grundlage für die Berechnung der Ratings dienen, die allen Marktteilnehmern erteilt werden. Das Verhalten von Unternehmen soll kontinuierlich überwacht und die Werte sollen entsprechend angepasst werden. Falls Unternehmen nicht alle Regeln einhalten, riskieren sie schwerwiegende Folgen wie Sanktionen oder sogar die Erfassung auf einer „schwarze Liste“. „Es fehlt für die europäischen Unternehmen aber die Transparenz. Die Bewertungskriterien und davon abgeleitete Maßnahmen sind unklar. Darüber hinaus befürchten wir, dass nicht nur harte Kriterien, zum Beispiel Steuerzahlungen, ins Kalkül gezogen werden“, warnt Ulrich Ackermann, Leiter VDMA Außenwirtschaft, und sagt weiter: „Bleibt dies so, werden Investoren massiv verunsichert.“

Anforderungen an Unternehmen in China noch nicht definiert

Auch der BDI äußert sich kritisch. Der Hauptgeschäftsführer Joachim Lang stellt fest: „Die Unternehmen sind wegen des Social-Credit-Systems bereits jetzt verunsichert. Sie befürchten, dass Geschäftsentscheidungen unter dem System leiden werden. Aktuell gibt es von offizieller Seite zu wenig an zusammenhängenden Informationen darüber, wie das System im Detail funktionieren soll.“ Für ihn ist abzusehen, dass das System neben nachvollziehbaren Kriterien wie Zahlungsmoral oder Einhaltung von Umweltauflagen auch Faktoren wie die persönliche Bewertung des leitenden Managements oder das Verhalten von Geschäftspartnern beinhalten wird. Im ohnehin schwierigen Handels- und Investitionsumfeld komme ein neuer Unsicherheitsfaktor hinzu. „Gerade für ausländische mittelständische Unternehmen wird es immer schwieriger, Chinas komplexen Regelungsrahmen in vollem Umfang umzusetzen. Die deutsche Industrie muss sich so früh wie möglich auf die Implementierung und mögliche Auswirkungen einstellen“, sagt Lang.

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Gerade dies gestaltet sich aber schwierig, weil von chinesischer Seite noch keine offiziellen Informationen vorliegen. Mehrere Experten und Institutionen wollten sich auf Anfrage von MM Maschinenmarkt entweder nicht weiter über das Thema äußern oder beantworteten die Anfrage nicht.

Bewertungssystem für die Chinesen noch in einer Testphase

Chinas Sozialkreditsystem ist ein online betriebenes Rating- oder Scoringsystem, bei dem beispielsweise die Kreditwürdigkeit, das Strafregister und das soziale und politische Verhalten von Unternehmen, Personen und weiteren Organisationen wie Nichtregierungsorganisationen zur Ermittlung ihrer Reputation verwendet werden.

Die Regierungsvorlage für das System wurde 2014 vom Staatsrat beschlossen. Das derzeit auf freiwilliger Basis funktionierende System soll Ende 2020 für die nahezu 22 Millionen Einwohner Pekings verpflichtend in Betrieb sein. Angestrebt wird damit die Steigerung der „Aufrichtigkeit in Regierungsangelegenheiten“, der „kommerziellen Integrität“, der „sozialen Integrität“ und der „gerichtlichen Glaubwürdigkeit“.

Das System befindet sich noch in der Testphase. Im Pilotprojekt in der Stadt Rongcheng starten Personen mit 1000 Punkten. Je nach Verhalten werden Punkte hinzuaddiert oder abgezogen. Zur Bewertung werden neben der Kreditwürdigkeit, der Zahlungsfähigkeit und dem Strafregister auch „persönliches Verhalten“ und „persönliche Beziehungen“ herangezogen.

Dazu senden mehr als 200 Hersteller von Elektroautos seit 2017 gemäß nationaler Normung circa 61 Messwerte, darunter zur Akku- und Motorenfunktion und Standortdaten, regelmäßig an Auswertezentren.

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