Fünf Tipps Ursachen für Unfälle im Vorfeld erkennen

Ein Gastbeitrag von Kim Müller

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Arbeitsunfälle führen alljährlich zu erheblichen Defiziten durch hohe Folgekosten und Arbeitsausfälle. Doch wie klappt es, Unfallquellen als solche zu erkennen, bevor etwas passiert?

Unternehmen investieren schon jetzt Geld und Zeit in den Arbeitsschutz, aber am Ende kommt es dann doch regelmäßig zu kleineren und größeren Arbeitsunfällen. Das liegt  oftmals daran, dass das Hauptaugenmerk auf dem technischen Arbeitsschutz liegt. Die heutigen Arbeitsunfälle werden in den meisten Fällen allerdings im Kopf von Führungskräften und Mitarbeitern verhindert.
Unternehmen investieren schon jetzt Geld und Zeit in den Arbeitsschutz, aber am Ende kommt es dann doch regelmäßig zu kleineren und größeren Arbeitsunfällen. Das liegt oftmals daran, dass das Hauptaugenmerk auf dem technischen Arbeitsschutz liegt. Die heutigen Arbeitsunfälle werden in den meisten Fällen allerdings im Kopf von Führungskräften und Mitarbeitern verhindert.
(Bild: © dusanpetkovic1 - stock.adobe.com)

Das sei wahrlich eine Herausforderung, sagt Arbeitsschützer Stefan Ganzke. Noch immer würden die meisten Gefahren erst dann deutlich, wenn es bereits zu spät sei. So wurden im Jahr 2021 mehr als 800.000 Arbeitsunfälle registriert. Dabei geschehen viele Arbeitsunfälle verhaltensbedingt durch kleinere Unachtsamkeiten im Arbeitsalltag, die Arbeitgeber durch die richtige Vorgehensweise verhindern können.

„Es gibt heute bereits viele Unternehmen, die viel Geld und Zeit in den Arbeitsschutz investieren, aber am Ende kommt es dann doch regelmäßig zu kleineren und schwereren Arbeitsunfällen. Das liegt oftmals daran, dass das Hauptaugenmerk auf dem technischen Arbeitsschutz liegt. Die heutigen Arbeitsunfälle werden in den meisten Fällen allerdings im Kopf der Führungskräfte und Mitarbeiter verhindert”, erklärt Sicherheitskultur-Experte Stefan Ganzke, Gründer und Geschäftsführer der Wandel Werker Consulting GmbH. Er identifiziert fünf wirkungsvolle Maßnahmen, mit denen jeder Betrieb das Risiko von Arbeitsunfällen entscheidend senken kann.

1. Gefährdungsbeurteilungen gewissenhaft durchführen

Unternehmen sind laut Arbeitsschutzgesetz zur regelmäßigen Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen verpflichtet. In der Gefährdungsbeurteilung werden die Tätigkeiten oder Arbeitsplätze hinsichtlich der Gefahren und Risiken bewertet und anschließend werden die Schutzmaßnahmen festgelegt. Die Beurteilung sollte in Zusammenarbeit zwischen Führungskräften und Sicherheitsingenieuren beziehungsweise Fachkräften für Arbeitssicherheit erfolgen. Je nach Verfügbarkeit sind zudem Betriebsratsvertreter und Betriebsärzte eingebunden.

Das Erstellen von Gefährdungsbeurteilungen dient nicht nur der Reduzierung von Risiken, sondern auch der Rechtskonformität von Unternehmen. Daher sollten Unternehmen Führungskräften ausreichend Zeit zur Verfügung stellen, damit diese ihrer rechtlichen Verantwortung auch nachkommen können. Die Beurteilung muss regelmäßig wiederholt werden, wie beispielsweise nach Arbeitsunfällen, unsicheren Situationen oder veränderten Arbeitsprozessen.

2. Zwangloser Austausch beim Arbeitsschutzausschuss

Die Bildung eines Arbeitsschutzausschusses ist ab einer Betriebsgröße von 20 Mitarbeitern gesetzlich vorgeschrieben. Bei den Treffen – vierteljährliche Intervalle sind Pflicht – ist ein zwangloser Austausch wichtig: Hierbei ist es besonders wichtig, dass Sicherheitsingenieure und Fachkräfte für Arbeitssicherheit nicht die Alleinunterhalter sind. Stattdessen sollten sich alle Teilnehmer, also Geschäftsführer, Führungskräfte, Sicherheitsbeauftragte, Betriebsärzte wie auch der Betriebsrat aktiv beteiligen. Es empfiehlt sich daher, nicht nur Zahlen zu präsentieren, sondern aktiv in die Erarbeitung von operativen und strategischen Plänen zu gehen. So entsteht ein gemeinsames Verständnis.

3. Sicherheitsschulungen – umfangreich und praxisorientiert

Unterweisungen und Schulungen im Arbeitsschutz werden oftmals als langweilig oder als notwendiges Übel angesehen. Deshalb ist es wichtig, nicht durch unzählige PowerPoint-Folien und Monologe aufzuklären. Vielmehr empfiehlt es sich, auf einen hohen Grad an Interaktion und praxisnahe Trainings zu setzen.

Anstatt einer großen Jahresunterweisung sollten auch kleine Unterweisungen und Schulungen stattfinden. Damit Führungskräfte diese Aufgabe übernehmen können, müssen sie jedoch erst die Kompetenz in diesem Gebiet entwickeln. Doch immer noch lassen viele Führungskräfte lediglich ihre Mitarbeiter die Betriebsanweisungen durchlesen, anstatt direkt vor Ort in der Produktion oder im Lager gemeinsam kleine Gruppenarbeiten zu veranstalten.

4. Begehungen konstruktiv durchführen

Die Arbeitsschutzvorschriften sehen vor, dass regelmäßige Begehungen des Unternehmens zur Beurteilung und Kontrolle des Arbeitsschutzes durchgeführt werden. Diese Begehungen werden von Führungskräften und Mitarbeitern oftmals als störend und unnötig empfunden, da Sicherheitsingenieure und Fachkräfte für Arbeitssicherheit oftmals nur auf Abweichungen achten, anstatt positive Entwicklungen anzuerkennen. Besonders unkonstruktiv ist es, wenn Abweichungen lediglich dokumentiert werden, anstatt über sie zu sprechen.

Darum ist es wichtig, dass die Sicherheitsingenieure und Fachkräfte für Arbeitssicherheit auch auf positive Entwicklungen eingehen und diese genauso ansprechen. Auch ist zu empfehlen, dass Führungskräfte an den Begehungen teilnehmen und dabei ein Statement zum Arbeitsschutz abgeben.

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5. Mitarbeiter einbinden und anregen

Damit der Arbeitsschutz in den Unternehmen gelebt wird, müssen sich sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter dafür engagieren. Um die Akzeptanz dafür in der Belegschaft zu steigern, muss den Mitarbeitern der Sinn von Schutzmaßnahmen klar werden. Wichtig ist dabei, das Thema Arbeitsschutz positiv in den Köpfen zu verankern. Auch deshalb ist die Einbindung der Mitarbeiter von großer Bedeutung, indem sie beispielsweise in die Erarbeitung der Schutzmaßnahmen involviert werden oder Arbeitsunfälle und unsichere Situationen aktiv melden.

Für Führungskräfte sind aktive Mitarbeiter goldwert. Darum sollte ein sicheres Verhalten stets gefördert werden: Melden Mitarbeiter unsichere Situationen oder Mängel, sollten Führungskräfte sie dafür loben und die Situation oder die Mängel im nächsten Schritt beseitigen. Dabei ist ein sicheres Verhalten nicht nur seitens der Führungskräfte anzuerkennen und zu loben – auch Mitarbeiter sollten sich gegenseitig positives Feedback erteilen. So entsteht im gesamten Unternehmen ein positives Bild vom Arbeitsschutz und Mitarbeiter entwickeln die sichere Einstellung, im Zweifelsfall auch “Stopp” zu sagen.

Gefahren vorab erkennen – mit Sorgfalt und Motivation

Ein wichtiger Eckpfeiler für den Arbeitsschutz und die Rechtskonformität sind Gefährdungsbeurteilungen, Betriebsanweisungen und Unterweisungen. Jedoch entstehen Arbeitsunfälle nicht nur durch Maschinen, sondern insbesondere auch durch Menschen. Deshalb müssen Führungskräfte wie auch Mitarbeiter eine intrinsische Motivation für den Arbeitsschutz entwickeln. Es bedarf der Einstellung, dass Arbeitsunfälle verhindert werden können und alle gemeinsam an einem Strang ziehen.

Doch damit Führungskräfte und Mitarbeiter gemeinsam für Sicherheit sorgen können, muss in vielen Fällen erst einmal das entsprechende Bewusstsein entwickelt werden. Für Führungskräfte eignet sich dazu ein Arbeitsschutz-Onboarding, in dem neben der Wissensvermittlung auch ein Sparringspartner zur Verfügung steht. Die Mitarbeiter lassen sich in interaktiven Workshops abholen.

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