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Ein unter dem Fundament verlaufender Kanal war undicht geworden und hatte im Laufe von Jahrzehnten das Maschinenfundament unterspült. Während des gesamten Maschinenausfalls musste das Werk in Herne die erforderlichen Bearbeitungskapazitäten europaweit einkaufen, was einen hohen Organisations- und Transportaufwand bedeutete und die Kosten in die Höhe trieb.
Ausfall des Bohrwerks schränkte Flexibilität in der Fertigung stark ein
Zusätzlich wurde die bislang gewohnte Flexibilität stark eingeschränkt. Wer einen Getriebeschaden hat, der möchte im Regelfall nicht viele Wochen auf die Instandsetzung warten.
So kommt es schon mal vor, dass ein Kunde ein Jumbo-Frachtflugzeug anmietet, um ein defektes Teil schnellstmöglich nach Herne zu transportieren. Dabei handelt es sich nicht nur um Flender-Antriebselemente.
Aufgrund der Fundamentunterspülung war die Demontage des Bohrwerks zwingend erforderlich. Weil die Maschine auch von der Handhabung her nicht mehr den gewachsenen Ansprüchen genügte, eine Neu- oder Gebrauchtmaschine nicht in Sicht war, sollte eine komplette Überholung und Modernisierung erfolgen.
Bohrwerk vor dem Retrofit zerlegt
Die Maschine wurde demontiert und in Baueinheiten zerlegt ins Werk Sprockhövel transportiert. Mechanical Drives hatte mit der Auftragserteilung an Hellwig ein Teilespektrum und die Anforderungen an Art und Genauigkeit von deren Bearbeitung definiert. Gefordert war unter anderem die Umrüstung auf CNC-Bearbeitung.
Aufgrund der Einzelfertigung war die Werkstattprogrammierung eine wichtige Forderung. Das Bedienpult und dessen Bedienoberfläche wurden weitergehend an die Bedürfnisse des Auftraggebers angepasst. Mit dieser Umrüstung ging die Erneuerung der Achsantriebe einher (Bild 4).
Maschine wird oft in der Werkstatt programmiert
Die Antriebe für Tisch-, Ständer-, Spindelkasten und Spindelvorschub wurden auf AC-Servo-Einzelantrieb umgebaut. Für den Anbau dieser stufenlos regelbaren Motoren wurden an jeder Antriebsachse entsprechende Untersetzungsgetriebe direkt auf die ebenfalls neu integrierten Kugeltriebe angebracht.
Die X-,Y-, Z- und W-Achse erhielten inkrementale Längenmesssysteme, die B-Achse ein Präzisions-Winkelmessgerät. Den Hauptspindelantrieb übernimmt ein 30 kW starker Servoantrieb, dessen Drehzahl direkt über die CNC programmiert werden kann.
Spindelgetriebe und Hydraulik des Bohrwerks ebenfalls überholt
Parallel zu den beschriebenen Arbeiten lief die Wiederherstellung der Maschinengeometrie nach DIN-Vorgabe. Genau wie die Hydraulik erfuhr auch das Spindelgetriebe eine Überholung.
Vier Monate sollten von der Demontage bis zur Wiederinbetriebnahme reichen. Die Remontage erfolgte dabei entsprechend dem neuen Workflow-Konzept an neuer Position, die sich noch besser in den Ablauf integriert. Planmäßig ging nach Einweisung der Maschinenbediener durch Hellwig die Inbetriebnahme ohne nennenswerte Störungen über die Bühne.
Wolfgang Egelwiße ist Leiter Teilefertigung der Flender AG, Werk Herne, Service International, 44625 Herne; Klaus Wurmnest ist Prokurist Maschinenbau der Maschinenbau Hellwig GmbH in 45549 Sprockhövel.
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