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Viel Aktivismus, wenig Wirkung

| Redakteur: Peter Königsreuther

Die im Eiltempo durchgeboxte EU-Richtlinie zum Verbot von Einwegverpackungen aus Kunststoff sehen Experten aus der Kunststoff verarbeitenden Industrie als zu kurz gegriffen und relativ sinnfrei an. Hier ein ausführliches, mahnendes Statement aus den Reihen der IK.

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Die EU erwirkt per „Eil-Richtlinie“ ein Verbot für Einwegverpackungen aus Kunststoff, wie etwa „Strohhalme“. Der IK Kunststoffvereinigung Kunststoffverpackungen e. V. hält die Vorgehensweise aus der Politik für eine relativ nutzlose Symbolmaßnahme. Umfassendes Recycling, Aufklärung und einen „kühlen Kopf“ statt hitzige Emotionen, sehen die wirklichen Kunststoffexperten als zielführender an.
Die EU erwirkt per „Eil-Richtlinie“ ein Verbot für Einwegverpackungen aus Kunststoff, wie etwa „Strohhalme“. Der IK Kunststoffvereinigung Kunststoffverpackungen e. V. hält die Vorgehensweise aus der Politik für eine relativ nutzlose Symbolmaßnahme. Umfassendes Recycling, Aufklärung und einen „kühlen Kopf“ statt hitzige Emotionen, sehen die wirklichen Kunststoffexperten als zielführender an.
(Bild: P. E. Schall)

Die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V. bedauere, dass die EU ihre Richtlinie zu Einwegkunststoffen (Einwegplastik) im Eiltempo durchgepeitscht habe und damit wenig Zeit und Raum für sachlich fundierte Gespräche und Entscheidungen geblieben sei.

EU-Kommission, EU-Parlament und die österreichische Ratspräsidentschaft haben sich nun auf eine Einwegplastik-Richtlinie geeinigt. Bestimmte Einwegprodukte wie Strohhalme aus Kunststoff sind in Europa künftig verboten. „Selbstverständlich sehen auch wir mit Sorge auf die Bilder verendeter Seetiere und halten Aktivitäten für einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen für dringend geboten“, erklärt IK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Bruder den Standpunkt des Verbandes. Allerdings dürfe man sich durch emotionale Reaktionen nicht in die falsche Richtung treiben lassen, sondern müsse einen kühlen Kopf bewahren. So halten die Kunststoffexperten, nach Aussage von Bruder, die nun angestrebten Maßnahmen für wenig zielführend. „Hier wird eine Aktivität demonstriert, die das Problem Meeresmüll kein Stück wird lösen können“, ist der IK-Geschäftsführer überzeugt.

Plastikmüll im Meer stammt fast nur aus Asien

Während die im Fokus stehenden Verbote aus Sicht der IK weder ein Umdenken beim Konsum oder im Umgang mit Abfällen bewirken werden, steckt in den weniger beachteten Maßnahmen zur Aufklärung und verstärkten Kreislaufführung weitaus mehr Potenzial. „Information, Aufklärung und vor allem der Wissenstransfer in die am meisten betroffenen Länder würden bessere Ergebnisse erzielen, treten aber hinter die scheinbar populären Verbote zurück“, so Dr. Bruder.

Die IK bringe sich über die Global Plastics Alliance in eben diesen Austausch ein. Unter anderem mit Verbänden aus Indonesien, Malaysia oder Südafrika. „Wenn wir Infrastrukturen für einen nachhaltigen Umgang mit Plastik in Asien schaffen, gewinnen wir mehr als durch das europäische Verbot von Strohhalmen. Denn 80 % des Meeresmülls stammen aus Asien“, merkt Bruder an.

Deutsche Kunststoffindustrie tut was sie kann

Für Europa hält die IK eine noch stärkere Kreislaufwirtschaft mit entsprechenden Investitionen in Sortierung und Recycling sowie mehr Verbraucheraufklärung für wichtig. Die Industrie drehe wiederum an den ihr möglichen Stellschrauben: das Design fürs Recycling und den verstärkten Einsatz von Recyclingmaterial.

Die vermeintliche Stärkung des Verursacherprinzips über die Beteiligung der Hersteller an Strandreinigungskosten lehne die IK dagegen ab. „Die Industrie produziert keine 'Wegwerfartikel' und die Hersteller von Verpackungen sind auch nicht Verursacher des Litterings“, stellt Dr. Bruder klar. Denn Kunststoffverpackungen können zumindest in Deutschland problemlos über den Gelben Sack entsorgt werden, heißt es dazu.

Was sich klug anhört, muss noch lang nicht klug sein

Vergessen werden bei der oft emotional geführten Diskussion auch sachliche und vor allem ökologisch durchkalkulierte Argumente wie der Energieaufwand oder CO2-Ausstoß bei der Substitution von Kunststoff durch andere Materialien. Aber auch die nachhaltige Funktion von Einwegkunststoffprodukten wird durch pauschale Diskriminierung eines bestimmten Materials völlig außer Acht gelassen. „Wenn ich meinen Kollegen die Suppe mittags nicht mehr in isolierenden Schalen mitbringen kann, wird das Essen eben kalt. Diese kunststoffspezifische Leistung erbringt kein anderes Material. Und mit vermeintlichen Alternativen zum Einweggeschirr wie beschichteter Pappe oder Aluminium wäre auch ökologisch nichts gewonnen“, fasst Dr. Bruder die Konsequenzen zusammen.

Trotz der deutlichen Kritik an den Einwegverboten, werde sich die IK natürlich um eine möglichst sinnvolle Umsetzung der EU-Richtlinie in nationale Prozesse bemühen und sich konstruktiv in die entsprechenden Dialoge einbringen - und zwar ganzheitlich, im Sinne der Branche, der Verbraucher und der Umwelt. MM

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