Porträt Wago: Klemmen statt Schrauben
1951gründen Friedrich Hohorst und Heinrich Nagel das Unternehmen „Wago“. 1974 erblickt das berühmteste Kind des Mindener Unternehmens das Licht der Welt: die Dosenklemme „273“.
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Unter den Dosenklemmen ist sie das, was das Tempo unter den Taschentüchern und was Nutella unter den Nussnugatcremes ist. Wen wundert es, wenn „Onkel Hotte“ es im Elektroforum Transistornet einfach wissen will und ganz frech fragt: „Kann mir mal jemand sagen, worin eigentlich der Vorteil von Wago-Klemmen besteht?“ Und zahlreiche Forenmitglieder fühlen sich angesprochen und antworten. So sagt zum Beispiel „Thomas“: „Du musst den Draht nur noch abisolieren, auf die Klemme drücken und reinstecken, fertig ist die Verbindung. Der Kontakt ist erstaunlich gut und der Draht sitzt richtig fest.“ Einen regelrechten Erfahrungsbericht liefert „Josef Scholz“ und schreibt, dass er seit mehr als zehn Jahren Wago-Klemmen für starre Drähte im Installationsbereich nutze. „Trotz häufiger Überlastung der Klemmen waren sie nie verschmort. Keine Dolü-Klemme macht das mit“, berichtet er. Eine sichere Verbindung würden diese Klemmen bieten. Und dann erklärt er in einem zweiten Punkt, dass er außerdem die schraublosen Reihenklemmen von Wago im Steuerungsbau für Sondermaschinen einsetzt. Der Vorteil: Zeit gespart beim Verdrahten und Anschließen. „Nur noch absetzen und Draht ohne Aderendhülsen rein“, sagt er.
Was hat es nun auf sich mit der „Wago“? Warum ist sie bei Elektrikern sogar ein Gattungsbegriff? Mit seiner Dosenklemme wurde das Unternehmen aus Minden bekannt, zum großen mittelständischen Unternehmen wurden die Westfalen vor allem durch ihre Reihenklemmen. Und der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben, denn das Unternehmen hat aktuell mehr als 6700 Mitarbeiter, davon 3000 in Deutschland. Es erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 661 Mio. Euro und ist in über 80 Staaten der Erde vertreten.
Das Patent von Wagner und Olbricht beschreibt die Idee der Federklemmtechnik
Gehen wir mal zurück zum Anfang: Friedrich Hohorst und Heinrich Nagel gründen am 27. April 1951 in Minden ein Unternehmen und kaufen ein Patent von zwei ehemaligen AEG-Mitarbeitern. Diese heißen Wagner und Olbricht. Unternehmensbezeichnungen aus Namensteilen sind damals Mode – also nennen sie ihr Unternehmen „Wago“.
Das Patent mit der Nummer 838778 beschreibt die Idee der Federklemmtechnik als Nutzen in der Elektroinstallation. Zur Anwendung kommt dabei mechanische Physik. Und die hat mit dem Hook’schen Gesetz einen Namen. Es besagt, dass die rücktreibende Kraft, die eine Feder ausübt, um in ihre Ruhelage zurückzukehren, proportional zur Auslenkung der Feder ist. Kontaktkraft und -fläche stehen im Verhältnis und bilden den Kontaktdruck.
So weit das physikalische Gesetz und die Idee von Wagner und Olbricht, doch leider lässt sie sich 1951 nicht in die Praxis umsetzen – noch nicht, denn es ist nur spröder Kohlenstoffstahl verfügbar. Die Federn brechen bereits bei geringer Belastung. Schraubklemmen sind und bleiben vorerst State of the Art. Sie sind bekannt, haben sich bewährt und sie sind auch billiger in der Herstellung. Dennoch: Die Idee wurde erstmals auf der Hannover-Messe 1951 vorgestellt und verspricht schnellere und bessere Handhabung. Und viele Jahre arbeiten die Wagos an ihrer Idee der schraublosen Verbindung. 1953 entstehen modulare Klemmleisten, Blockklemmen und eine regelrechte Reihenklemmenfamilie. Ab 1968 fertigen die Westfalen Klemmen und Steckverbinder für die Leuchtenindustrie. Und das Besondere daran: Die Technik ist schraublos.
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