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Dass es Wingquist nach seiner Erfindung in aller Herren Länder trieb, war nicht nur ein Zeichen seiner Überzeugung – und ein wohl nicht minder entscheidender Faktor seines Erfolgs –, sondern für damalige Zeiten auch ein äußerst unkonventioneller Weg. So verstrich kaum ein Jahr nach der Erfindung und erfolgreichen nationalen Vermarktung, bis Wingquist den wirklich großen Absatzmarkt hinter den schwedischen Grenzen erkannte und als Markenbotschafter zunächst potenziellen Kunden in Deutschland und Frankreich einen Besuch abstattete. Diese lobten das Kugellager als überaus nützlich und lieferten genug Anlass dafür, in beiden Ländern die ersten Vertriebsgesellschaften zu gründen. Nach den erfolgreichen Reisen ins nahegelegene Ausland dauerte es nicht lange, bis SKF-Vertreter in Finnland, der Schweiz, Dänemark, Österreich und Australien engagiert wurden.
In zehn Jahren war SKF nahezu weltweit vertreten
Ausländische Märkte sollten schon bald zum wichtigsten SKF-Spielfeld werden. In kaum zehn Jahren war das Unternehmen nahezu weltweit vertreten. Bereits 1910 gingen zwischen 80 und 85 % der SKF-Produktion ins Ausland. 1911 wurde das erste Produktionswerk außerhalb von Schweden in Luton, England, eröffnet. Zwei Jahre später war SKF mit 1600 Mitarbeitern nicht nur größtes Unternehmen in Göteborg, sondern auch viertgrößtes in Schweden. Der Affärsvärlden, zur damaligen Zeit ein führendes schwedisches Wirtschaftsmagazin, charakterisierte SKF im Jahre 1911 als ein Unternehmen mit „amerikanischer Geschwindigkeit“ und bezeichnete es 1913 als „beispiellos erfolgreich, sowohl auf nationaler und vermutlich auch auf internationaler Ebene“. 1914 war SKF bereits in 27 Ländern vertreten.
Alle guten Dinge sind drei
Bleibt die Frage: Wie konnte sich die Erfindung eines schwedischen Unternehmers mit derartiger Geschwindigkeit an der Spitze der technischen Revolution positionieren? Als erstes sei der überaus günstige Zeitpunkt der Industrialisierung genannt. Beispielsweise wuchs die Automobilindustrie – später größter Abnehmer von SKF-Kugellagern – damals rasant und hatte einen sehr großen Bedarf an Lagern. Weil die Nachfrage der Automobilindustrie zwar auf dem Vormarsch, jedoch zu Beginn noch verhalten war – denn Automobilhersteller produzierten ihre Lager überwiegend selbst –, betrachtete SKF die Kugellager als unabhängigen Maschinenteil, als eine Komponente, die eine separate Produktentwicklung erforderte. Aus dieser Idee erwuchs das SKF-Mantra Wingquists: „Für jede Stelle das richtige Lager“.
So musste sich SKF nicht auf eine Branche beschränken, sondern konnte das gesamte Spektrum der Industrie bedienen, vorrangig die zur damaligen Zeit dominierenden Industriezweige Textilindustrie und Maschinenbau. Denn während andere Unternehmen mit ihrer Produktvielfalt warben, legte SKF den Fokus auf seine Lager und deren Weiterentwicklung. Aufgrund dieser Spezifizierung konnten sich schon damals die neuen Pendelkugellager durch einen geringeren Energieverbrauch von den Konkurrenten abheben. Zweitens erkannte Wingquist, dass der Verkauf von Kugellagern nur in Kombination mit einem grundlegenden Verständnis für die Bedürfnisse des Kunden funktionieren konnte. Deshalb suchte man früh den Kontakt zum Kunden, um Marktlücken gezielt schließen zu können.
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