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Und noch ein dritter Aspekt trug maßgeblich zum Wettbewerbsvorteil und anschließenden Erfolg bei: Wingquist war davon überzeugt, dass die Qualität in Hinblick auf die anspruchsvolle Verwendung des Kugellagers einen besonderen Stellenwert einnehmen sollte. Die präzise Passform, Laufruhe und eine lange Lebensdauer waren für ihn fundamental, weshalb er äußerst gründlich bei der Auswahl des Stahls vorging. Aus diesem Grund war es nur eine Frage der Zeit, bis SKF auch Herr über die Qualität der Rohstoffe werden wollte. 1916 erwarb SKF deshalb zwei der damals modernsten schwedischen Stahlfabriken. So konnte das Unternehmen eine gleichbleibende Qualität der Stahlkugeln sicherstellen, die dem hohen Anspruch von SKF-Lagern gerecht wurden.
Ein knappes Jahr zuvor gelang SKF der Brückenschlag zur Automobilbranche, als für Pkw das einreihige Wälzlager mit Einfüllnut hergestellt wurde. Die Versuchsabteilung der SKF für die sogenannten „Volvo-Kugellager“ (volvo: lateinisch für „ich rolle“) legte den Grundstein für den späteren Automobilbauer und bewies, dass ihre Lager auch den Erfolg anderer Industriezweige ins Rollen brachten.
Gleichbleibende Neugier als steter Wettbewerbsvorteil
Turbulent ging es bis Mitte der 20er-Jahre zu, es folgten weitere Investitionen, bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung während des Ersten Weltkrieges, aber auch leere Auftragsbücher und eine hohe Arbeitslosigkeit als Konsequenz des konjunkturellen Abschwungs in der Nachkriegszeit. Im Jahre 1924 setzte sich das Wirtschaftswachstum fort und SKF erreichte einen Fertigungsrekord von knapp 6,5 Mio. Wälzlagern. Dieser Boom war ebenfalls der Automobilindustrie geschuldet. 1925 hielten zwischen 80 und 90 % aller auf der Welt gefertigten Lager Autos nahezu reibungslos in Bewegung. Deshalb verwundert es nicht, dass SKF neugierig wurde und selbst experimentierte. Um Kenntnis über die speziellen Anforderungen von Autos an Lager zu erlangen, wurden im Jahr 1926 durch die AB Volvo, ein Tochterunternehmen von SKF, zehn Test-Pkw hergestellt.
Das Ergebnis der Testreihe konnte sich sehen lassen, ein Grund dafür, dass neun Jahre später Volvo eigenständig wurde. Es folgten weitere turbulente Jahre, dadurch gekennzeichnet, dass SKF nach jedem wirtschaftlichen Rückschlag sich den Staub abputzend wieder aufstand, den Weg zu alter Stärke fand und sogar noch einen „drauflegte“. Die turbulente Zeit hat der Affärsvärlden sehr treffend zusammengefasst: „Alles, was man über dieses Unternehmen sagen kann, ist, das ist mehr als offensichtlich, dass nach alldem eine überaus große Stärke zurückblieb.“ So setzte SKF Anfang der 70er-Jahre ein weiteres Zeichen, dass trotz schwieriger Jahre die technische Entwicklung vorangetrieben werden sollte, und antwortete auf die Anforderungen des Marktes mit einem neuen Forschungs- und Entwicklungszentrum, das 1972 im niederländischen Nieuwege in Betrieb genommen wurde. Dort entwickelten SKF-Mitarbeiter unter anderem Verfahren für die Untersuchung der Lagerlebensdauer und auch zwei einzigartige Prüfstände für den Test von Lagern in Anwendungen.
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