Kampf gegen das Kunststoffdilemma

Wie die Kreislaufwirtschaft möglich wird

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Monopolymer-Produkte erleichtern die Verwertung

Recycling ist nur so gut wie die Sortierung der Abfälle. Zwar können heute hochauflösende Kameras und Nah-Infrarot-Detektoren nach Sorte und Farbe separieren. Sie versagen in der Regel aber bei Verbunden, bei schwarzen Anteilen und vor allem auch bei Material aus diversen Kunststoffarten.

Im Projekt „Holy Grail 2.0“ haben etwa 30 Konsumgüterhersteller, IT- und Recyclingunternehmen ein digitales Wasserzeichen entwickelt. Ein spezieller Scanner kann in der Sortieranlage den kaum sichtbaren Code auf der Verpackung auslesen. Er gibt Aufschluss darüber, aus welchen Materialien die Verpackung besteht, wer sie produziert hat und was darin verpackt war. „Das digitale Wasserzeichen wird die Sortiereffizienz verbessern und damit die Verwertungsquoten erhöhen“, glaubt Gian De Belder, Verpackungstechnologe beim Konsumgüterkonzern Procter & Gamble.

Viele Abfälle sind nicht recycelbar, weil sie aus unterschiedlichen Kunststoffarten bestehen. Einige Maschinenbauer haben ihre Anlagen mittlerweile so weiterentwickelt, dass sie hochfunktionale Produkte und Verpackungen aus Monokunststoffen möglich machen und einen hohen Anteil an Sekundärkunststoff verarbeiten können. Im Prinzip kann jede moderne Kunststoffmaschine Rezyklate verarbeiten. „Je nach Produkt und Kunststoff müssen bestimmte Bauteile wie Schnecken, Einspritzdüsen oder Antriebe angepasst werden“, sagt Dr. Christoph Steger, Geschäftsführer Vertrieb bei der Engel Austria GmbH.

Die Reifenhäuser GmbH stellte auf der Kunststoffmesse K vergangenen Oktober in Düsseldorf Standbeutel aus extrudiertem Laminat vor, die nur noch aus Polyethylen gefertigt sind. Im Technikum des Unternehmens ist derzeit eine Blasfolienanlage im Aufbau, mit der Kunden selbst ihr Regranulat herstellen und der Produktion wieder zuführen können. Maschinen von Engel können Transportboxen aus einem Mix von neuem und recyceltem Polypropylen herstellen. Im Gegensatz zur klassischen Coinjektion werden dabei die beiden Schmelzen bereits vor dem Einspritzen zusammengeführt. Frisches PP wird vom nachströmenden Rezyklat verdrängt und an die Wandung der Kavität gepresst, während sich der Kern mit Sekundärkunststoff füllt. Nach diesem Prinzip lassen sich auch Getränkeflaschen oder To-go-Kaffeebecher herstellen.

Rezyklate schwanken in Art, Rezeptur und Eigenschaften, daher galt bisher der Grundsatz, dass aus Altkunststoffen nur minderwertigere Produkte entstehen. Dank Digitalisierung ändert sich das Bild. Sortierung, Aufbereitung, Recompoundierung und Verarbeitung werden heute online in Echtzeit überwacht. Hoher Automatisierungsgrad und Chargenverfolgung sowie eine In- und Online-Qualitätsüberwachung machen auch die Nutzung von Sekundärkunststoff zu einem planbaren und reproduzierbaren Prozess. Sogar „Upcycling“ wird möglich: Auf der K-Messe präsentierte die Krauss-Maffei Group etwa die geschäumte Verkleidung einer Kfz-A-Säule, die aus alten Polypropylen-Eimern gefertigt wurde.

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