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Andere Kunststoffarten machen es Recyclern schwerer
Trotz aller Fortschritte wird es auch weiterhin erhebliche Anteile im Kunststoffabfall geben, die stofflich nicht zu verwerten sind. Dazu gehören Verbunde, faserverstärkte Werkstoffe oder Material, das giftige Stoffe enthält, wie beispielsweise flammgeschützte Kunststoffe aus Elektroschrott. Als Alternative gilt das chemische Recycling. Dabei werden die langen Molekülketten (Polymere) der Kunststoffstruktur aufgebrochen, meist geschieht das durch sogenannte Pyrolyse bei rund 400 °C unter Sauerstoffabschluss. Am Ende entstehen gasförmige und flüssige Mischungen aus unterschiedlichen Kohlenwasserstoffen, die in der chemischen Industrie als Rohstoff für neue Polymere oder auch andere Produkte dienen können. Noch gibt es für diesen Molekülkreislauf keine großtechnischen Anlagen, allerdings haben Kunststoffhersteller wie BASF, Lyondell/Basell und Ineos angekündigt, gemeinsam mit Anlagenbauern und Forschungsinstituten diese Verfahren mit erheblichen Investitionen voranzutreiben.
Maschinenbauer können dabei ihre umfangreichen Erfahrungen vor allem in der Vorkette einbringen. Die Vecoplan AG aus Bad Marienberg beispielsweise kooperiert mit dem US-Unternehmen Brightmark Energy, das ab 2020 pro Jahr rund 100.000 t schwer rezyklierbare Abfälle durch Pyrolyse in Diesel und Wachse für Lebensmittelverpackungen umwandeln will. „Dieser Abfall würde sonst auf Deponien landen, weil er nicht mehr wie früher nach China exportiert werden kann“, erläutert Martina Schmidt, Leiterin des Geschäftsbereichs Recycling bei Vecoplan. Die Deutschen übernehmen in dieser Kooperation die Zerkleinerung, Reinigung und Sortierung der Abfälle.
Die SSI Schäfer GmbH aus Neunkirchen will bei der Fertigung von Abfallbehältern künftig Sekundärrohstoffe aus dem chemischen Recycling einsetzen. „Bei der üblichen Verwertung verliert der Werkstoff über die Zeit an Qualität“, betont SSI-Produktmanager Kasim Mohamad. Beim chemischen Recycling könne dagegen durch entsprechende Additive die Qualität immer wieder auf das Niveau von Neuware gebracht werden.
Jetzt müssen wir loslegen und nicht erst auf andere warten
Sicher ist, dass die Kreislaufwirtschaft nur funktioniert, wenn Kunststofferzeuger, Verarbeiter, Handel und Recycling entlang der Wertschöpfungskette eng kooperieren. Das geschieht heute weitaus intensiver als früher - ganz einfach, weil die Industrie sonst die bereits jetzt geltenden Recyclingquoten nicht erfüllten kann.
Voraussetzung ist auch, dass die Politik ambitionierte Vorgaben für eine Circular Economy macht. Die Recyclingbranche fordert etwa seit langem verbindliche Quoten für den Anteil von Sekundärrohstoff in neuen Produkten. „Mit solchen Quoten würde endlich die wirtschaftliche Benachteiligung von Rezyklaten beendet“, sagt Peter Kurth, Präsident des BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft e. V.
Vor allem würde sich so ein politisch abgesicherter Markt für Maschinen- und Anlagenbauer öffnen. Ob die EU sich dazu durchringen kann, ist offen. Und wenn nicht? KUG-Vorsitzender Reifenhäuser sieht es pragmatisch: „Dann fangen eben einige wenige Länder an. Das gibt ihnen die Chance, sich in einem zukunftsträchtigen Markt an die Spitze zu setzen und zu zeigen, was sie können.“ MM
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