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Arbeitsschutz Wie sich Schichtarbeit besser gestalten lässt

| Redakteur: Rebecca Vogt

Schichtarbeit birgt oftmals Risiken für die Gesundheit der Arbeiter. Zwei Forscherinnen haben herausgefunden, dass sich das Schichtmodell verträglicher gestalten lässt als heute vielerorts üblich. So etwa durch eine bessere Organisation.

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Schichtarbeit kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Durch eine bessere Organisation lässt sich das Arbeitszeitmodell jedoch verträglicher gestalten.
Schichtarbeit kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Durch eine bessere Organisation lässt sich das Arbeitszeitmodell jedoch verträglicher gestalten.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

In Deutschland arbeitet jeder fünfte Beschäftigte außerhalb der als normal angesehenen Zeiten von 7 bis 19 Uhr. 13 % aller Arbeitnehmer haben wechselnde Schichten. Laut einer aktuellen Befragung der IG Metall sind dabei nur 35 % der Schichtarbeiter mit ihren Arbeitszeiten zufrieden. Von den übrigen Beschäftigten sind es hingegen 54 %.

Bei der Einteilung der Schichten ist es vor allem die Nachtschicht, die der Natur des Menschen widerspricht. Sie bringt die innere Uhr durcheinander. Eine Lebensgestaltung, die den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus ignoriert, kann die Gesundheit aus verschiedenen Gründen beeinträchtigen, wie Dr. Yvonne Lott von der Hans-Böckler-Stiftung und Dr. Anna Arlinghaus vom Beratungsunternehmen Ximes erklären. Die Forscherinnen haben Erkenntnisse der Arbeitswissenschaft über die Risiken der Schichtarbeit zusammengetragen.

Schlafstörungen und andere Erkrankungen

So träten bei Schichtarbeitern etwa häufig Schlafstörungen auf. Insgesamt würden die Arbeiter durch kürzere Schlafzeiten und damit durch über lange Zeiträume angesammelte Schlafdefizite belastet. Dadurch verschlechtere sich zum Beispiel die Reaktionsfähigkeit, was Unfälle begünstige. Statistiken wiesen zudem Zusammenhänge zwischen Schichtarbeit und Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen und sogar Krebs nach.

Insgesamt seien die Befunde der Wissenschaft, was die Gesundheit betrifft, jedoch uneinheitlich, so die Forscherinnen. Die Frage, ob die Loslösung vom normalen Tag-Nacht-Schema und daraus folgende Schlafdefizite die Abwehrkräfte schwächen und so Krankheiten Vorschub leisten, sei nicht abschließend geklärt. Ebenso wenig wie das Bestehen engerer Zusammenhänge zwischen dem Schichtmodell und bestimmten Leiden.

Nachteile auch im Sozialleben

Nicht nur auf die Gesundheit, auch auf das Sozialleben könne sich die Schichtarbeit negativ auswirken. Feierabend und ein freies Wochenende sind für die Mehrheit der Arbeiter selbstverständlich. Schichtarbeiter hingegen hätten durch die wechselnden Arbeitszeiten Probleme mit der Teilnahme an regelmäßigen Terminen – zum Beispiel in Vereinen.

Auf der anderen Seite brächten die versetzten Arbeitszeiten jedoch auch Vorteile mit sich, zum Beispiel bei familiären Anforderungen – etwa könnten Väter nach der Frühschicht die Kinder aus der Kita abholen, während die meisten anderen noch einige Stunden im Büro sitzen müssten. „Insgesamt überwiegen aber die familiären Nachteile der Schichtarbeit“, urteilen Arlinghaus und Lott.

Darüber hinaus sei es auch eine Altersfrage, wie Beschäftigte mit der Schichtarbeit zurechtkämen, so die Forscherinnen. Ältere hätten meist größere Probleme als Jüngere. Trotz aller Nachteile lehnen Arlinghaus und Lott die Schichtarbeit jedoch nicht grundsätzlich ab. Ein kompletter Verzicht sei – etwa beim Nachtdienst im Krankenhaus – auch gar nicht möglich.

Arbeitsbedingungen verbessern

Die Schichtarbeit lasse sich allerdings häufig besser organisieren, heißt es. Dazu haben die Wissenschaftlerinnen Anregungen zusammengestellt, die sich auf positive Praxisbeispiele stützen. Die wichtigsten Punkte:

  • Bei der Ausarbeitung von Schichtsystemen sollten arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse beachtet werden: Besser verträglich seien für die meisten Menschen vorwärts rotierende Systeme, also Nachtschicht – Frühschicht – Spätschicht.
  • Nachtschichtphasen sollten kurz gehalten und zudem stets genügend Pausen vorgesehen werden. Wichtig sei auch, dass Beschäftigte lange genug im Voraus planen können und nicht durch plötzliche Änderungen aus ihrem Rhythmus gerissen werden.
  • Insgesamt sollte Nachtschicht nach Ansicht der Forscherinnen weitestgehend vermieden werden. Ein Praxisbeispiel aus der Automobilindustrie zeige, dass dies in vielen Betrieben möglich sei. Bestimmte Tätigkeiten, etwa Vorbereitungen für den Werkzeugwechsel, ließen sich bereits am Tag durchführen. Im untersuchten Musterbetrieb habe man so 14 % der Arbeitsinhalte von der Nacht in den Tag verlagern können.
  • Ein gewisses Maß an Zeitsouveränität, etwa durch Gleitzeiten oder kürzere Arbeitszeiten, ließe sich auch in Schichtsystemen verankern, heißt es. Besondere Belastungen sollten darüber hinaus möglichst nicht durch Geld, sondern durch Freizeit zur Erholung kompensiert werden.

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