Additive Fertigung – Rapid Prototyping

„Wir finden immer eine Lösung, wir geben nie auf“

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Wie sieht die Zukunft im Dienstleistungsbereich des professionellen Rapid Prototyping aus?

Reinert: Da es sich selbst für mittlere und größere Betriebe auch in den nächsten Jahren nicht lohnen wird, eine SLM-Maschine zu kaufen und zu unterhalten, werden wir unser Angebot mit größeren Serviceleistungen ausbauen. Es könnte zum Beispiel sein, dass sich künftig ein Kunde bei uns für drei Wochen einmietet und seine Arbeiten mit unserer Unterstützung und mithilfe unseres Know-hows durchführt.

Bruhin: Generell muss man sagen, dass die additive Fertigung die konventionelle Fertigung nicht ersetzen wird, wie zum Teil spekuliert wird. Wahrscheinlich ist aber, dass sie in gewissen Technologiebereichen wie etwa im Gussbereich gewisse Prozesse ersetzen kann.

Wenn additiv gefertigt wird, muss anders konstruiert werden: Gibt es da Vorgehensweisen oder Tipps, die man sich merken sollte?

Reinert: Erstens, Stichwort „gotisches Design“: Wie bei einer gotischen Kirche sollten bei solchen Konstruktionen Überhänge vermieden werden. Denn dafür müssen Hilfsstützen hergestellt werden. Ein absolutes „No-Go“ wäre zum Beispiel das Dach des KKL in Luzern. Zweitens, Stichwort „baumförmige Struktur“: Die Teilegeometrie der Konstruktion sollte gegen aufwärts wachsen im Sinne von „der untere Ast stützt den oberen“. Wenn man sich diese beiden Dinge in Erinnerung ruft, hat man schon die halbe Miete.

Wie unterstützen Sie Ihre Kunden konkret?

Bruhin: Wir entscheiden, was Sinn macht und mit welchem Herstellungsverfahren oder welcher Technologie das gefragte Teil am besten gefertigt werden kann.

Reinert: Es gibt zum Teil Kunden, die kommen zu uns und möchten ein ganz einfaches Teil „3D drucken“. Da geben wir auch mal Designnachhilfe und sagen zum Beispiel, dass es keinen Sinn mache, dieses Teil beziehungsweise diese Geometrie zu „drucken“.

Ist das Konstruktionswissen für additive gefertigte Komponenten schon vorhanden?

Reinert: Überhaupt nicht. Es gibt schon vereinzelte Kunden, die wissen, wie es funktioniert. In den letzten eineinhalb Jahren haben wir extrem viel Zeit dafür beansprucht, mit unseren Kunden zu besprechen, wie man ihre Teile am besten designen soll. Man muss sie auf ein bestimmtes Designniveau hochheben, wenn es um Teile geht, die per SLM-Verfahren hergestellt werden.

Bei welchen Anwendungen macht das SLM-Verfahren besonders Sinn?

Reinert: Wenn komplexe innere Strukturen, zum Beispiel Kühl- oder Heizkanäle, benötigt werden, wenn Teile dünnwandig ausgelegt und/oder Speziallegierungen benötigt werden, die schlecht zerspanbar sind. Gerade im Formenbau gibt es Teile, die für das SLM-Verfahren wie prädestiniert sind – dann wird es für uns spannend.

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