Interview

„Wir raten dazu, die Reise der digitalen Transformation jetzt anzutreten“

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In den letzten Jahren waren viele Projekte vor allem technologisch geprägt. Immer mehr Menschen fragen sich, wie die Arbeitsbedingungen in der Fabrik von morgen aussehen werden. Werden diese Themen miteinbezogen? Auf welche Weise?

Jasperneite: Wir verfolgen das Leitbild einer menschenzentrierten Fabrik. Daher geht es um die intelligente Gestaltung der Schnittstellen zwischen Mensch, Technik und Organisation. Hier arbeiten wir in verschiedenen Projekten, zum Beispiel im Spitzencluster it‘s OWL oder im EU-Projekt RiConfigure, an der aktiven Einbeziehung der verschiedenen Akteure, wie Werker, Gewerkschaften und Instandhalter, zur Gestaltung der Arbeitswelt in der Produktion.

Lohweg: Ohne das Einbeziehen von Menschen und ihre Arbeits- und Lebensumgebungen wird Digitalisierung nicht möglich sein. Viele Unternehmen, aber auch Politik und Gewerkschaften sind in Prozessen, die wir als Arbeit 4.0 bezeichnen eingebunden. Wir beraten diesbezüglich auch die Akteure.

Die Währung der Zukunft wird Bildung sein.

Sie haben einmal gesagt, Sie haben das ‚Dickbrettbohrer-Gen‘. Welche dicken Bretter wollen Sie mittelfristig bohren und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Jasperneite: Ich habe festgestellt, dass bei vielen Akteuren im Innovationsprozess eine Kultur der Konjunktive – wie hätten, könnten, müssten – entwickelt hat. Frei nach dem Motto ‚Making is the new Thinking‘ müssen wir jungen Menschen vorleben, dass es für die erfolgreiche Umsetzung einer Vision oder Idee immer mehr darauf ankommt auch Aufgaben anzugehen und zu erledigen, die vielleicht nicht so viel Spaß machen und für die man formal auch nicht zuständig ist. Dazu gehört beispielsweise das vertiefte Auseinandersetzen mit bestimmten Fachgebieten, aber auch das aktive Management der Organisationsgrenzen. Das erfordert einen langen Atem, Beharrlichkeit und viel Überzeugungskraft.

Lohweg: Um dicke Bretter zu bohren, benötigt es immer scharfe Bohrer. Dadurch, dass sich das Fraunhofer IOSB-INA und das inIT strategisch exzellent positioniert haben, werden wir für die Themenkreise Digitalisierung, Industrie 4.0 und intelligente technische Systeme auch zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Wir gehen davon aus, dass wir unsere Ergebnisse auf weitere Anwendungsbereiche und Branchen ausweiten werden. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass in Deutschland Gewicht auf Bildung und Forschung gelegt wird. Nur so können Menschen informiert sein und sich optimal qualifizieren. Die Währung der Zukunft wird Bildung sein.

BUCHTIPPOhne eine herstellerunabhängige Vernetzung von Geräten und Anlagen ist Industrie 4.0 nicht umsetzbar. OPC UA ist genau dafür konzipiert – doch der Einstieg ist nicht immer einfach. Das Fachbuch „Praxishandbuch OPC UA“ hilft weiter.

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