Google+ Facebook Twitter XING LinkedIn GoogleCurrents YouTube

Interview

„Wir raten dazu, die Reise der digitalen Transformation jetzt anzutreten“

| Autor: Ines Stotz

Die Smart Factory OWL ist das Real-Labor für Industrie 4.0 in Ostwestfalen-Lippe und bietet Unternehmen und Forschungseinrichtungen umfangreiche Dienstleistungen für die Entwicklung und Erprobung neuer Produkte und Technologien für die Fabrik der Zukunft an.
Die Smart Factory OWL ist das Real-Labor für Industrie 4.0 in Ostwestfalen-Lippe und bietet Unternehmen und Forschungseinrichtungen umfangreiche Dienstleistungen für die Entwicklung und Erprobung neuer Produkte und Technologien für die Fabrik der Zukunft an. (Bild: Fraunhofer IOSB-INA)

Firma zum Thema

Professor Jürgen Jasperneite und Professor Volker Lohweg haben drei Haupttreiber für die Umsetzung von Industrie 4.0 identifiziert. Im Interview mit unserem Partnerportal „Elektrotechnik Automatisierung“ haben sie erzählt, wie sie mittelständische Unternehmen auf ihrem individuellen Weg begleiten wollen.

Um ihre Technologieführerschaft und Wettbewerbsfähigkeit zu behaupten, müssen Unternehmen die Intelligenz in ihren Produkten und Produktionsverfahren erhöhen und neue Nutzenpotenziale erschließen. Die Redaktion unseres Partnerportals „Elektrotechnik Automatisierung“ sprach mit Professor Jürgen Jasperneite, Leiter Fraunhofer Anwendungszentrum Industrial Automation (IOSB-INA) und Professor Volker Lohweg, Leiter des Instituts für industrielle Informationstechnik (inIT) der Hochschule OWL über die aktuellen technologischen Trends und darüber, wie der Technologietransfer in den Mittelstand gelingen kann.

Was sind gegenwärtig die größten technischen Treiber in der industriellen Automatisierung für Industrie 4.0?

Lohweg: Ich sehe hier drei Haupttreiber. Das sind Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen, intelligente Sensorik inklusive Bildverarbeitung und den Digitalen Zwilling. Wobei ich den Begriff KI nicht gerne verwende; angebracht ist hier eher der Begriff Maschinelle Intelligenz oder Computational Intelligence mit dem Blick in die Ingenieurwissenschaften hinein. Hier haben wir noch viel Aufbauarbeit in Richtung Interpretierbarkeit von Daten und Lernen auf kleinen Datensätzen in ressourcenbeschränkten Systemen zu leisten.

Ebenso benötigen wir leistungsfähige Sensorik, die applikationsgerecht einfach nutzbar ist. In der Bildverarbeitung erwarten uns hinsichtlich des Umgangs mit komplexen Daten aus 3D-, Multi- und Hyperspektralkameras noch einige Herausforderungen, was Prozessechtzeitfähigkeit angeht.

Der Digitale Zwilling ist sicherlich in der Anwendung das Schlüsselelement für Industrie 4.0. Wir müssen Systeme und Anlagen durchgängig modellieren können.

Ist dabei Künstliche Intelligenz Hype oder Notwendigkeit in der Produktion?

Lohweg: Künstliche Intelligenz ist kein Hype, sondern Notwendigkeit! Sie wird allerdings zum Hype gemacht, weil sie vermenschlicht wird. Das ist natürlich nicht hilfreich. In erster Linie geht es darum, mit cleveren Algorithmen Optimierungen für technische Prozesse zu finden. Diesen Ansatz verfolgen wir im Übrigen auch im Spitzencluster ‚it‘s OWL – Intelligente Technische Systeme Ost Westfalen Lippe‘ und im BMBF-Projekt ‚it’s ML‘ zusammen mit regionalen Hochschul- und Industriepartnern.

Jasperneite: Wir erleben diese Hype-Themen ja immer wieder. Wichtig ist, dass wir die Frage beantworten können, ob und in welchem messbaren Umfang KI die Produktionsexzellenz verbessern kann. Ich sehe das Potenzial, die Beweisführung ist aber noch nicht abgeschlossen.

SEMINARTIPP Mit dem Online-Kurs „Machine Learning – wie lernt die Maschine?“ tauchen Sie tiefer in die Methodik ein. Professor van der Smagt – Leiter Artificial Intelligence bei Volkswagen – erläutert Teilnehmern in zwei Stunden die wichtigsten Konzepte des Machine Learnings konzentriert und verdichtet.
Weitere Informationen

Sie haben mit der Smart Factory OWL den Bau einer Forschungs- und Demonstrationsfabrik für Industrie 4.0-Technologien auf dem Campus in Lemgo initiiert, die 2016 in Betrieb ging. Welche Projekte (beispielhaft) konnten realisiert werden beziehungsweise sind am Laufen?

Jasperneite: Die Smart Factory OWL ist eine gemeinsame Einrichtung des Fraunhofer IOSB-INA und der Hochschule OWL. Mit ‚Digital in NRW‘ ist es uns beispielsweise gelungen diese als einen wichtigen Knotenpunkt in dem Netzwerk der Industrie 4.0 Kompetenzzentren des Bundeswirtschaftsministeriums zu positionieren. Darüber hinaus sind wir damit in vielen nationalen und internationalen Initiativen (z. B. LNI, IIC) als Transfer- und Testzentrum akkreditiert. Durch die Bündelung der vorhandenen Kompetenzen der Hochschule OWL und des Fraunhofer IOSB-INA sowie weiterer Partner bieten wir eine Anlaufstelle für kleine und mittelständische Unternehmen. Hierbei können sie auf passfähige regionale Angebote entlang der Befähigungskette ‚Informieren – Demonstrieren – Qualifizieren – Umsetzen‘ zurückgreifen, um ihren Weg der digitalen Transformation zu unterstützen.

Auf der anderen Seite nutzen wir diese herausragende Plattform natürlich auch als reale Testumgebung für unsere nationalen und internationalen Forschungsaktivitäten in der Intelligenten Automation.

Hat sich die realitätsgetreue Abbildung einer – digitalen – Fabrik genau als der Schlüssel herausgestellt, kleine und mittlere Unternehmen für Industrie 4.0 zu begeistern?

Jasperneite: Absolut! Es geht ja nicht primär darum nur zu begeistern, sondern um das überprüfbare Demonstrieren der Potenziale der Intelligenten Automation. Das können sie nachhaltig nur in der Erlebniswelt der Zielgruppe – produzierende Unternehmen – machen.

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45923864 / Fertigungsautomatisierung / Prozessautomatisierung)

Themen-Newsletter Automatisierung abonnieren.
* Ich bin mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung einverstanden.
Spamschutz:
Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein.

Dossier Maschinensicherheit 2019

Funktionale Sicherheit in allen Facetten

Ohne geht's nicht: Maschinensicherheit steht bei Konstrukteuren und Entwicklern ganz oben auf der Prioritätenliste – Hier die spannendsten Artikel der letzten Monate rund Funktionale Sicherheit in einem Dossier zusammengefasst. lesen

Sonderausgabe elektrotechnik AUTOMATISIERUNG

Konstruktion & Roboterintegration in die Industriefertigung

Der Roboter als Komponente und Joker: Tipps, Tricks und Praxis-Insights für Konstruktion, Automation und Integration lesen