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Arbeitssicherheit

Wirksame Atemschutzgeräte gefährdungsgerecht auswählen

Gesundheitsgefahren durch Luftschadstoffe gehören zu den häufigsten Risiken der gewerblichen Wirtschaft. Die Auswahl und der Einsatz von Atemschutzprodukten sollten stets mit Sorgfalt und systematisch erfolgen. Damit die Atemschutz-Ausrüstungen benutzt werden, ist besonderes Augenmerk auf die Qualität, den Tragekomfort sowie die Akzeptanz, Aufklärung und Motivation des Anwenders zu richten.

26.06.2007 | Autor / Redakteur: Olaf Harmuth / Bernhard Kuttkat

Bild 1: Atemschutzhalbmaske X-Plore 3500 mit Bajonettanschluss für diverse Filter.
Bild 1: Atemschutzhalbmaske X-Plore 3500 mit Bajonettanschluss für diverse Filter.

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Auswahl, Bereitstellung und Einsatz von geeigneten Atemschutzgeräten stellen komplexe Anforderungen an Sicherheitsverantwortliche, Endscheider, Einkäufer und Anwender. Das breite Angebot,

Auswahl, Bereitstellung und Einsatz von geeigneten Atemschutzgeräten stellen komplexe Anforderungen an Sicherheitsverantwortliche, Endscheider, Einkäufer und Anwender. Das breite Angebot, insbesondere von „leichten Atemschutzprodukten“, und die sich ständig ändernden industriellen Prozesse erfordern von allen Beteiligten im Vorfeld die Klärung folgender Aspekte:

  • Können Maßnahmen ergriffen werden, die verhindern, dass atembare Schadstoffe freigesetzt werden?
  • Sind die Einsatzbedingungen bekannt (Stoffe, Konzentrationen, Arbeitsdauer)?
  • Enthält die Umgebungsluft mindestens 17 Vol.-% Sauerstoff?
  • Welche Atemschutzprodukte bietet der Markt?

Die aktuelle BG-Regel BGR 190 „Benutzung von Atemschutzgeräten“ bietet dem Unternehmer umfassende Hilfestellungen zur optimalen Auswahl von Atemschutz. Zunächst ist der Arbeitgeber gefordert, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen.

Dabei hat er die entsprechenden Belastungen und Gefährdungen seiner Beschäftigten zu ermitteln und zu beurteilen. Zur Verhütung von Gesundheitsgefahren durch Luftschadstoffe sind vom Arbeitgeber vorrangig technische und organisatorische Schritte einzuleiten.

Unter technischen Maßnahmen versteht man beispielsweise den Einsatz von Lüftungssystemen und deren kontinuierliche Überwachung durch Alarme bei Fehlfunktionen. Als organisatorische Maßnahme ist beispielsweise die zeitliche und räumliche Trennung kritischer Tätigkeiten anzusehen, so dass Kontaminationen für Kollegen unterbleiben oder minimiert werden.

Sind alle relevanten Maßnahmen, um gesundheitsgefährdende Belastungen der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz zu reduzieren, ergriffen und ausgeschöpft worden und können entsprechende Arbeitsplatzgrenzwerte dennoch nicht eingehalten werden, so hat der Arbeitgeber geeignete persönliche Schutzausrüstungen, wie Atemschutzgeräte, zur Verfügung zu stellen.

Atemschutz mit Filter- oder Isoliergeräten

Atemschutzprodukte kann man grundsätzlich in Filter- und Isoliergeräte unterteilen. Während Filtergeräte (Bild 1) von der Umgebungsatmosphäre abhängig wirken, sind Isoliergeräte von der Umgebungsluft unabhängig wirkende Systeme, die den Geräteträger auch vor Sauerstoffmangel schützen. Beim Tragen von Filtergeräten ist, je nach Kontamination der Umgebungsatmosphäre, der Einsatz von Partikel-, Gas- oder Kombinationsfiltern erforderlich.

Die Auswahl von Atemschutzgeräten muss immer folgende Basis-Kriterien berücksichtigen:

  • Bietet das Filtergerät geeigneten Schutz gegen die abzuwehrenden Gefahren, ohne selbst eine größere Gefahr mit sich zu bringen?
  • Ist das Gerät für die am Arbeitsplatz vorliegenden Bedingungen, wie klimatische Verhältnisse, oder beim Zusammenwirken mit anderer Schutzausrüstung geeignet?
  • Werden ergonomische Anforderungen wie Kopfgrößen oder gesundheitliche Erfordernisse der Träger (Tragezeiten) berücksichtigt?

Verbindlich sind vor allem die Tragezeitbegrenzungen. Die Benutzung von Atemschutzprodukten stellt im Allgemeinen eine besondere Belastung für den Träger dar, so dass in der Regel arbeitsmedizinische Erst- und Nachuntersuchungen durchzuführen sind. Dabei erfolgt eine Differenzierung der Atemschutzgeräte in drei Gruppen. Die Kriterien für die Gruppenzuordnung sind Gerätegewicht und Atemwiderstand.

Auf Vorsorgeuntersuchungen darf nur in zwei Fällen verzichtet werden:

  • Atemschutzgeräte, die weniger als 3 kg wiegen und keine Atemwiderstände besitzen, wie gebläseunterstützte Filtergeräte mit Haube oder Helm, oder
  • Atemschutzgeräte der Gruppe 1 (beispielsweise partikelfiltrierende Halbmasken, Halbmasken mit P1- oder P2-Filter), wenn diese weniger als eine halbe Stunde pro Tag benutzt werden.

Tragezeitbegrenzungen und die Berücksichtigung von arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen stellen auch Kostenfaktoren dar. Durch die gezielte Auswahl von Atemschutzprodukten kann man bereits im Voraus diese Aufwendungen abschätzen beziehungsweise steuern.

So sind beispielsweise bei Gebläsefiltergeräten mit Haube Tragezeitbegrenzungen oder arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen nicht vorgeschrieben. Dies kann Zeit und Kosten sparen.

Schadstoff bestimmt Geräteart und Filterklasse des Atemschutzes

Natürlich sollte die Auswahl auch Faktoren wie ergonomischen Anforderungen und Filterleistungen entsprechend den Erfordernissen des Anwenders und des Arbeitsplatzes gerecht werden. Wann kann welches Filtergerät eingesetzt werden? Abhängig von der Toxizität und der Konzentration (Vielfaches des Arbeitsplatzgrenzwertes) des bekannten Schadstoffes erfolgt die Auswahl der Geräteart oder der Filterklasse.

Muss mit dem Auftreten von verschiedenen Schadsubstanzen gerechnet werden, wie das häufig in der Chemieindustrie der Fall ist, so sollten sogenannte Mehrbereichsfilter eingesetzt werden. So bietet beispielsweise ein Atemschutzfilter der Klasse ABEK2Hg-P3 umfangreichen Schutz gegen organische und anorganische Gase und Dämpfe, saure Gase und Dämpfe, Ammoniak, Quecksilber, Partikel und Aerosole.

Kein Universalfilter für Atemschutzgeräte

Einen „Universalfilter“ gibt es jedoch nicht. Denn der Mehrbereichsfilter schützt zum Beispiel nicht gegen so genannte organische „Niedrigsieder“, Kohlenmonoxid und Stickoxide. Für den Einsatz von umgebungsluftabhängigen Atemschutzprodukten (Filtergeräten) ist es absolut erforderlich, die auftretenden Gefahrstoffe und deren Konzentrationen vor der Anwendung zu kennen.

Vor dem erstmaligen Einsatz von Atemschutz sind die Atemschutzträger zu schulen. Damit sich die Anwender mit dem Tragen von Atemschutz vertraut machen können, hat der Unternehmer eine Erstunterweisung zu veranlassen. Für diese sind erfahrungsgemäß zwei Stunden vorzusehen. Des Weiteren sind jährliche Wiederholungsunterweisungen durchzuführen.

Trainig mit Atemschutzgeräten in Theorie und Praxis

Nach der theoretischen Unterweisung ist eine Trageübung unter Berücksichtigung der zu erwartenden Einsatzbedingungen erforderlich. Dabei werden unter anderem das Anlegen des Gerätes und die Kontrolle des Dichtsitzes trainiert.

Gas- und Partikelfilter verfügen über eine begrenzte Lagerfähigkeit, die vom Hersteller am Produkt anzugeben ist. Auch wenn die Filter noch unbenutzt sind, dürfen sie nach Ablauf der Lagerfrist auf keinen Fall mehr eingesetzt werden. Allgemein gültige Richtwerte für die Gebrauchsdauer von Gasfiltern können nicht genannt werden, weil die äußeren Bedingungen, wie Konzentration, Temperatur, Luftfeuchte oder auch Schwere der Tätigkeit sehr variieren und entscheidend die Nutzungsdauer beeinflussen.

Die Filter müssen spätestens dann ausgetauscht werden, wenn der Geräteträger den Durchbruch durch Riechen oder Schmecken wahrnimmt. Bei Partikelfiltern ist ein Anstieg des Atemwiderstandes das deutliche Indiz für einen zugesetzten Filter. In jedem Fall sollten benutzte, noch nicht erschöpfte Gasfilter immer gasdicht aufbewahrt werden, um die enthaltene Aktivkohle vor Luftfeuchtigkeit und damit vorzeitiger Sättigung zu schützen.

Ein derartiger gebrauchter Filter darf maximal sechs Monate gelagert werden. Die Aufbewahrung hat gasdicht zu erfolgen und es sind Aufzeichnungen über die Einsatzdauer, den Schadstoff und die Einsatzbedingungen zu führen. Der Filter darf nicht gegen einen anderen Schadstoff wieder verwendet werden. Filter des Typs „AX“, die zum Schutz gegen sogenannte „Niedrigsieder“ dienen, bilden eine Ausnahme und dürfen generell nicht wiederverwendet werden.

Qualifizierte Beratung und umfangreiche Unterstützung bei Atemschutzfragen werden auch von den Berufsgenossenschaften angeboten. Es empfiehlt sich, deren Kompetenz und vielseitige Erfahrungen bei einem solchen komplexen Thema, wie es die Atemschutz-Auswahl ist, in Anspruch zu nehmen. MM

Olaf Harmuth ist Produktmanager der Dräger Safety AG & Co. KGaA in 23560 Lübeck

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