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Zerspanungswerkzeuge – ein Trendbericht

Zerspanungswerkzeug-Hersteller im Spagat zwischen heute und morgen

| Autor/ Redakteur: Thomas Götz und Andreas Gebhardt / Peter Königsreuther

Zwei Experten vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA analysieren hier ausführlichst die aktuelle Situation, in der sich die deutschen Zerspanungswerkzeug-Hersteller befinden und die Herausforderungen, denen sie sich zukünftig stellen müssen – von der Marktsituation bis zur Rohstoffversorgung.

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Auch 2018 konnte die deutsche Zerspanungswerkzeug-Branche an die guten Ergebnisse des Vorjahres anknüpfen (Auszug - siehe Bildergalerie für das komplette Diagramm). Von den 10 wichtigsten Exportmärkten mussten nur auf dem chinesischen Markt Umsatzeinbußen hingenommen werden, während auf den übrigen Märkten die Umsatzzuwächse teilweise zweistellig ausfielen.
Auch 2018 konnte die deutsche Zerspanungswerkzeug-Branche an die guten Ergebnisse des Vorjahres anknüpfen (Auszug - siehe Bildergalerie für das komplette Diagramm). Von den 10 wichtigsten Exportmärkten mussten nur auf dem chinesischen Markt Umsatzeinbußen hingenommen werden, während auf den übrigen Märkten die Umsatzzuwächse teilweise zweistellig ausfielen.
(Bild: VDMA-Jahrespressekonferenz 2019)

Ohne Präzisionswerkzeuge ist eine moderne Fertigung nicht denkbar. Als Treiber für die spanende Fertigungsindustrie sichern Zerspanungswerkzeug-Hersteller die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Branche und entwickeln Konzepte und Lösungen für die Trends von morgen. Welchen innovativen Trends und zukünftigen Herausforderungen sich die Zerspanungswerkzeug-Hersteller stellen müssen, wurde auf dem Innovationsforum Zerspanungswerkzeuge, das im Rahmen der AMB vom 17. bis 18. September 2018 in Stuttgart stattfand, thematisiert. Das vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA organisierte und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forum bot den beteiligten Unternehmen eine Reihe von Veranstaltungen an, um auf diesem Wege die Bildung eines interdisziplinären Netzwerks zu initiieren und damit die Umsetzung neuer Technologien in den Zukunftsfeldern zu erleichtern. MM Maschinenmarkt wird im Rahmen einer Veröffentlichungsreihe branchenrelevante Themenschwerpunkte präsentieren. Die Reihe wird eröffnet mit der nachfolgenden Branchenanalyse.

Die Umsätze in der Zerspanungswerkzeug-Branche wachsen

Zu Beginn des Jahres 2019 verkündete Lothar Horn, Vorsitzender des Fachverbandes Präzisionswerkzeuge des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer e.V. (VDMA) anlässlich der Jahrespressekonferenz in Frankfurt für die Gesamtbranche einen Umsatz von über 11,5 Mrd. Euro für das Geschäftsjahr 2018. Dies entspricht kumuliert für die Bereiche Werkzeugbau, Spannzeuge sowie Zerspanungswerkzeuge einem Umsatzplus von 8 %. Für die Teilbranche der Zerspanungswerkzeug-Hersteller habe sich neben der steigenden Inlandsnachfrage um 6 % vor allem der Export mit einem Plus von 9 % gegenüber dem Vorjahr als Treiber des Auftragswachstums erwiesen. Im Vergleich zum bereits starken Vorjahr konnten die Zerspanungswerkzeug-Hersteller insbesondere auf dem amerikanischen Markt weiter an Exportstärke gewinnen. Mit einem Anstieg um rund 8 % erzielte die Branche in den USA einen Umsatz von 264 Mio. Euro, wodurch die schwächere Nachfrage auf dem chinesischen Markt, die mit 210 Mio. Euro um 4 % unter den Exportwerten von 2017 lag, kompensiert werden konnte. Robust erwies sich zudem der europäische Gesamtmarkt, auf dem sich vor allem die Nachbarländer Italien, Schweiz, Frankreich und Österreich sowie einige osteuropäische Märkte wie Polen und Tschechien deutlich nachfragefreudiger nach deutschen Zerspanungswerkzeugen zeigten. Bezogen auf die 10 wichtigsten Exportmärkte stagnierte lediglich die Nachfrage aus dem Vereinigten Königreich. Insgesamt stiegen die Exporte in die EU-Partnerländer um rund 11 %.

Im Hinblick auf das Geschäftsjahr 2019 prognostiziert der VDMA für Zerspanungswerkzeuge eine stabile Auftragsentwicklung auf dem Niveau des Vorjahrs mit einem leichten Umsatzwachstum. Dabei wird vor allem dem amerikanischen Markt weitere Wachstumschancen eingeräumt [VDMA 2019].

Bildergalerie

Rückenwind vor allem durch Auto- und Maschinenbau

Die beiden großen Abnehmerbranchen für die Zerspanungswerkzeuge sind traditionell der Maschinenbau sowie die Automobilindustrie. Während im Geschäftsjahr 2018 die Umsätze im Maschinenbau von der Branche weitgehend konstant bis stärker bewertet wurden, zeigte sich die Umsatzentwicklung in der Schlüsselbranche der Automobilindustrie zweigeteilt. Stagnierte die Pkw-Produktion auf den ausländischen Märkten, verzeichnete die einheimische Produktion einen Rückgang um 9 % [VDA 2019, VDMA 2019]. Die deutlich geringeren Stückzahlen führten zu signifikanten Umsatzrückgängen, die teilweise durch anlaufende Neuprojekte im Bereich der Hybridisierung und Elektrifizierung der Antriebsstränge aufgefangen werden konnten. In diesem Segment führte der wachsende Bedarf an neuen Werkzeugkonzepten für die alternativen Antriebslösungen zu Umsatzsteigerungen [GUT 2018, VDMA 2019]. Daneben werden Zerspanungswerkzeuge in praktisch allen Industriezweigen eingesetzt wie in der Luft- und Raumfahrt, der Medizintechnik, in der optischen Industrie, der Feinmechanik sowie der Photovoltaikindustrie. Dort müssen die Werkzeuge den jeweiligen Anforderungen an Funktionalität, Präzision, Sicherheit und Robustheit genügen und sehen sich angesichts der Ausweitung etablierter Einsatzfelder und der Diversifizierung in neue Anwendungsgebiete zunehmend in Konkurrenz zu alternativen Bearbeitungstechniken, wie beispielsweise der Laserbearbeitung [HEI 2014].

Fachkräftemangel als drohende Wachstumsbremse

Die Branche der Zerspanungswerkzeug-Herstellung ist in Deutschland weitgehend klein- und mittelständisch geprägt. Kernregionen der Zerspanungswerkzeug-Herstellung sind Baden-Württemberg, Bayern sowie die Region Bergisches Land in Nordrhein-Westfalen. Seit 2009 ist die Anzahl der Hersteller relativ konstant geblieben [STAT 2018]. Der Wachstumsschub im Geschäftsjahr 2018 sorgte für einen zusätzlichen Bedarf an Fachkräften, verschärfte jedoch auch den Fachkräftemangel. So konnten etwa drei von vier Unternehmen den Personalbestand erhöhen, während die anderen Unternehmen die Stellenzahl weitgehend konstant hielten. Nur bei einem geringfügigen Anteil der Betriebe wurde ein Beschäftigtenrückgang verzeichnet. Aktuell beschäftigt die Teilbranche etwa 35.000 Mitarbeiter. Aufgrund des spürbaren Fachkräftemangels wird von den Betrieben ein weiterer Personalaufbau eher skeptisch gesehen, da sich die Gewinnung von Nachwuchskräften für die Unternehmen als schwierig erweist. Dies macht es für viele Betriebe erforderlich, die eigenen Mitarbeiter im Hinblick auf neue Herausforderungen betriebsintern zu qualifizieren. Da die Betriebe mit den vorhandenen Arbeitskräften auskommen müssen, können für die Belegschaften Überstunden erforderlich werden [VDMA 2019].

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