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Funkmesstaster

Zuverlässige Messungen bei starken Vibrationen

| Redakteur: Beate Christmann

Bei der mechanischen Drehbearbeitung von Gussrädern stellt die exakte Bearbeitung der Felgenmitte die wichtigste Herausforderung dar. Funkmesstaster sollen für die nötige Präzision sorgen – und müssen extremen äußeren Einflüssen standhalten.

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Auf einen hunderstel Millimeter genau: Um am Ende einen Felgendeckel so positionieren zu können, dass er passt, aber auch fest sitzt, ist eine exakte Nut notwendig. Dazu muss eine Felge vor der mechanischen Bearbeitung zuverlässig vermessen werden. Radhersteller BBS hat sich dafür für Funkmesstaster von Blum-Novotest entschieden.
Auf einen hunderstel Millimeter genau: Um am Ende einen Felgendeckel so positionieren zu können, dass er passt, aber auch fest sitzt, ist eine exakte Nut notwendig. Dazu muss eine Felge vor der mechanischen Bearbeitung zuverlässig vermessen werden. Radhersteller BBS hat sich dafür für Funkmesstaster von Blum-Novotest entschieden.
(Bild: Blum-Novotest)

Die Felgen der Autoreifen können das Erscheinungsbild und die Wahrnehmung eines Fahrzeugs maßgeblich beeinflussen. Nicht umsonst setzen sich Autodesigner intensiv mit deren Gestaltung auseinander und nicht umsonst ist es für Autoliebhaber ein Muss, ihr Gefährt mit der entsprechenden Felge zu individualisieren und nach eigenem Geschmack zu verschönern. Die Fertigung des variantenreichen „Schuhwerks“ für Fahrzeuge ist dabei kein Leichtes: Sie erfordert ein hohes Maß an Präzision bei der mechanischen Drehbearbeitung der Gussräder.

Vor jeder Bearbeitung erfolgt eine Messung

Ein Unternehmen, das sich auf die Fertigung von Leichtmetallrädern für den Motorsport und für Personenkraftwagen spezialisiert hat, ist BBS aus Schiltach im Schwarzwald. Im BBS-Stammwerk erklärt Oliver Kalmbach, Mitarbeiter der Betriebsmittelbeschaffung, welches die Herausforderungen bei der mechanischen Bearbeitung der Felgenmitte darstellen: „Zum einen muss die Zentrierbohrung in der Mitte der Felge auf einen hundertstel Millimeter genau ausgedreht werden. Zum anderen gilt es, die Nut, in die später der Felgendeckel eingesetzt wird, so präzise zu formen, dass der Deckel korrekt eingepasst werden kann. Die Lagetoleranz der Felgenmitte am Rohling ist größer als die Toleranz, die wir bei der Deckelnut zur Verfügung haben, so dass wir jede Felge vor der Bearbeitung neu vermessen müssen.“

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Dafür kommen beim Radproduzenten in den Drehmaschinen Funkmesstaster zum Einsatz. Diese sitzen fest mit den Drehwerkzeugen auf dem Revolver und werden vor der Messung an die Bearbeitungsposition geschwenkt. Dann kann die Maschine mit dem Taster die notwendigen Messungen durchführen und den Nullpunkt im NC-Programm so anpassen, dass die Zentrierbohrung und die Deckelnut maßhaltig bearbeitet werden können.

Starken Belastungen standhalten

Bei BBS werden sehr hohe Schnittparameter gefahren, 3 mm Schnitttiefe und 1000 bis 2500 Umdrehungen pro Minute sind keine Seltenheit. Das müssen auch die Messtaster mitmachen: Sie sind dem vollen Strom des Kühlschmierstoffs und einem wahren Beschuss von Spänen ausgesetzt. Zudem treten beim Drehen starke Vibrationen auf, beispielsweise wenn der Drehstahl noch nicht komplett ins Material eingetaucht ist oder auch bei kleinen Lunkern im Aluminium. Diese Vibrationen übertragen sich über den Revolver auf den Taster, wo sie im schlimmsten Fall eine Fehlmessung auslösen.

Dementsprechend ist ein Messsystem gefragt, das diesen außergewöhnlich hohen Anforderungen und Belastungen standhalten und unbeeinflusst und kontinuierlich exakte Messergebnisse liefern kann. Bei BBS fiel die Wahl auf den kleinen Taster TC62 des Mess- und Prüftechnikherstellers Blum-Novotest. Seine geringe Masse betrachtet das Unternehmen für diesen Anwendungsfall von Vorteil. Ausgewählt wurde die T-Variante, bei der im Vergleich zur Standardausführung für Fräsmaschinen die Messkraft laut Hersteller höher ist. Ziel ist es zum einen, Fehlauslenkungen aufgrund der extremen Revolverbewegungen zu verhindern, zum anderen das zähe Öl, welches in Drehmaschinen als Kühlschmierstoff verwendet wird, bei der Antastung zuverlässig zu verdrängen. Und schließlich ist der Messtaster nach Geräteschutzklasse IP68 geschützt, wodurch eindringende Feuchtigkeit oder Späne kein Thema sein sollten. Erstmals zum Einsatz kommt bei BBS ein speziell entwickelter Schwingungsdämpfer. Er wird zwischen Werkzeugaufnahme und Messtaster positioniert und soll die Messelektronik zusätzlich vor den größten Vibrationsspitzen schützen.

Optoelektronisches Schaltsignal im Taster

Die Generierung des Schaltsignals beim ausgewählten Funkmesstaster erfolgt nicht über einen mechanischen Kontakt, sondern optoelektronisch über die Abschattung einer Miniaturlichtschranke im Inneren des Messtasters. Nach Überzeugung seiner Hersteller arbeitet er damit im Gegensatz zu einer mechanischen Lösung verschleißfrei und wird von den starken Vibrationen in der Drehmaschine nicht beeinflusst, so dass er kontinuierlich zuverlässige Messungen vornehmen kann. Die Datenübertragung vom Sender zum Empfänger erfolgt mittels BRC-Funktechnologie. Bei dieser Technik läuft jedes einzelne Bit eines Funksignals über die gesamte Breite des verwendeten Frequenzbands, was die Übertragung unempfindlicher gegen Störeinflüsse machen soll.

Nach einer ersten Testphase hat BBS mittlerweile komplett auf die Messtaster von Blum umgestellt und stattet auch neue Maschinen ausschließlich mit diesen aus. Vor allem vom Einsatz des speziell entwickelten Schwingungsdämpfers zeigt sich der Radhersteller überzeugt: „Er funktioniert in Kombination mit den Funkmesstastern bereits seit über eineinhalb Jahren reibungslos. Zudem hat sich mit der Umstellung auf das Blum-System die Messzeit um 70 % reduziert, weil die Messpunkte nun mit 2000 mm/min angefahren werden können, während die früher eingesetzten Taster maximal 300 mm/min erlaubten“, erklärt Kalmbach.

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