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125 Jahre erfolgreich Werkzeugmaschinen bauen

| Redakteur: Victoria Sonnenberg

Der Werkzeug­maschinenbauer Gebr. Heller Maschinenfabrik feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen.

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Hermann Heller (l.) gründet 1894 das Unternehmen. 1900 tritt sein Bruder Ernst als gelernter Kaufmann ins Unternehmen ein.
Hermann Heller (l.) gründet 1894 das Unternehmen. 1900 tritt sein Bruder Ernst als gelernter Kaufmann ins Unternehmen ein.
(Bild: Heller)

Es war der 7. Februar 1894, als der erst 25-jährige Hermann Heller die Firma „Hermann Heller Handelsgeschäft und Fabrikation in geschützten Artikeln und Uhrmacherwerkzeug“ im schwäbischen Nürtingen eröffnete. Dies war die Geburtsstunde des heutigen Familienunternehmens. Mit dem Vertrieb von Werkzeugen aller Art legte der Unternehmer Heller den Grundstein für den langfristigen Erfolg. Anfangs stellten sieben Arbeiter und drei Lehrlinge Parallelschraubstöcke, Ventilatoren und Wendeltreppen her. Mit der Produktion von Kaltkreissägen zum Sägen von Metallen sowie der Fertigung von Sägeblattschärfmaschinen und Gewindeschneidapparaten gelang dem jungen Familienbetrieb schon 1898 der Einstieg in den Maschinenbau. In diese Zeit fällt auch die erste aufsehenerregende Entwicklung von Hermann Heller, denn die tragbare Oscillirsäge war eine echte Innovation für den Gleisbau.

Im Jahr 1900 stieg Hermann Hellers Bruder Ernst als gelernter Kaufmann ins Unternehmen ein. Dies war die Geburtsstunde der „Gebr. Heller Werkzeug- und Maschinenfabrik“ in Nürtingen. Die Geschichte von Heller ist bis heute untrennbar mit der Entwicklung der Region und der Stadt Nürtingen verbunden, wo das Unternehmen aktuell rund 1700 Mitarbeiter beschäftigt und nach wie vor seinen Hauptsitz hat.

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„Die Zukunft wird meines Erachtens von Automaten und Apparaten bestimmt. Ich sehe große Maschinen vor mir, die sämtliche Güter vollautomatisch fertigen werden.“ Hermann Heller war im Jahr 1900 ein Visionär und geschickter Tüftler, der die Zukunft im Maschinenbau bereits damals vorausgesagt hat. Das Unternehmen wuchs innerhalb weniger Jahre kontinuierlich und so war man zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Herstellung von Radialbohrmaschinen erfolgreich, die einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zum Fräsmaschinenhersteller darstellten. Denn bereits vor dem Zweiten Weltkrieg begann Heller mit der Entwicklung und Produktion von Sonderfräsmaschinen zur Bearbeitung von Flugzeug- und Schiffsmotoren, die Mitte der 1940er-Jahre mit hydraulischen Steuerungen ausgestattet werden. Parallel kam eine neu entwickelte Kurbelwellen-Rundfräsmaschine auf den Markt, mit der die Fräszeit einer Flugmotoren-Kurbelwelle von 150 auf 25 Minuten verkürzt werden konnte.

Nach Kriegsende orientierte sich das Nürtinger Familienunternehmen zunehmend an der Fahrzeugindustrie und begann in der Zeit des aufkommenden Wirtschaftswunders mit der Produktion von Sondermaschinen und Transferstraßen, um den steigenden Bedarf an Fertigungskapazität zu decken. Mit der FH 140 legte man bereits im Jahr 1952 den Grundstein für die heutige DNA des Unternehmens. Die horizontale Produktionsfräsmaschine (PF) in Konsolbauweise, später als PF in Bettbauart, besitzt bereits die bis heute typischen Heller-Gene Stabilität, Produktivität und Zuverlässigkeit und ist damit der Vorläufer der Bearbeitungszentren, die wenige Jahre später folgen sollten. Für Aufsehen in der Branche sorgte zu dieser Zeit auch die Einführung der elektrohydraulischen Relaissteuerung für Werkzeugmaschinen von Heller.

Nach dem Tod der beiden Gründerväter Hermann und Ernst führte mittlerweile die zweite Generation mit Hermann Heller junior und seinen beiden Brüdern Rolf und Werner das Unternehmen in die florierende Zeit des Wirtschaftswunders. In den 1960er-Jahren schließlich übernahm mit Hubert und Berndt Heller die dritte Generation die Führung in der Maschinenfabrik und entwickelte die Firma zu einer international erfolgreichen Unternehmensgruppe mit Innovationsgeist und zahlreichen Standorten in allen wichtigen Märkten.

In den 1960er-Jahren folgten auch erste numerisch gesteuerte horizontale Bearbeitungszentren. Mit weiteren Entwicklungen im Bereich der Steuerungstechnik sollte sich Heller in den Folgejahren weiter als Innovations- und Technologieführer positionieren. In den 70er-Jahren wurde die erste Mikroprozessorsteuerung uniPro NC80 entwickelt, die mit der Markteinführung der neuen Zentrenbaureihe BEA 1982 schließlich in Serie produziert wurde. Kurz vorher, 1974, wurden Produktionsstandorte im englischen Redditch sowie in Sorocaba in Brasilien gebaut. 1982 folgte ein weiteres Werk in Chicago (USA). Um die Präsenz auf dem asiatischen Markt kontinuierlich auszubauen, wurde 2013 schließlich das Produktionswerk im chinesischen Changzhou eröffnet.

Heute entwickelt und produziert die Heller-Gruppe mit rund 2900 Mitarbeitern weltweit Bearbeitungszentren und Fertigungssysteme zur spanenden Bearbeitung für zahlreiche Kunden aus der Fahrzeugindustrie und dem allgemeinen Maschinenbau sowie vielen weiteren Branchen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Unternehmensgruppe einen Umsatz von 560 Mio. Euro. Einen Rekord verbuchte das Unternehmen beim Auftragseingang, der Ende 2018 bei einem Volumen von 695 Mio. Euro lag. In den letzten Jahren wurde das Programm um innovative Anlagen zur Beschichtung von Zylinderlaufbahnen sowie durch die neue 5-Achs-Baureihe HF erweitert. Trotz politischer Unsicherheiten blickt Heller im Jubiläumsjahr optimistisch in die Zukunft. „Wir sind mit gut gefüllten Auftragsbüchern ins Jubiläumsjahr gestartet und wollen in 2019 weiter erfolgreich arbeiten“, sagt Klaus Winkler, CEO der Heller-Gruppe. MM

* Weitere Informationen: Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH in 72622 Nürtingen

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