Suchen

Industriearbeitsplätze Aktion Gesunder Rücken prüft ergonomische Industriearbeitsplätze

| Autor/ Redakteur: Jan Leins / M.A. Frauke Finus

Rückenschmerzen sind die Volkskrankheit Nr. 1: Im Durchschnitt 2,82 – und damit die meisten – Fehltage gehen auf das Konto von Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Firmen zum Thema

Ausgezeichnet: die Arbeitstischsysteme von Item.
Ausgezeichnet: die Arbeitstischsysteme von Item.
(Bild: Item)

Ein Grund für den hohen Krankenstand sind Arbeitsplätze, die ergonomischen Ansprüchen nicht genügen. Sowohl für Unternehmen als auch für ihre Mitarbeiter ist dies ein Missstand: Die einen verlieren durch Produktionsausfälle viel Geld, die anderen bezahlen mit ihrer Gesundheit. Moderne Arbeitsplatzsysteme können hier Abhilfe schaffen. Doch welche Produkte entsprechen wirklich ergonomischen Anforderungen? Die Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. stellt sie auf den Prüfstand.

Der Verein bündelt Informationen über die Schmerzursachen, deren Prävention sowie Therapiemöglichkeiten und macht sie für jedermann zugänglich. Aktuelle Daten und wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnt die Non-Profit-Organisation von ihren vielen tausend Kooperationspartnern aus der medizinischen Fachwelt. Mehr als 30 medizinische Verbände mit ihren ca. 150.000 Ärzten und Therapeuten bilden ein weltweit einzigartiges Netzwerk. Dazu gehören unter anderem der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie, der Bundesverband deutscher Rückenschulen oder der Deutsche Kassenarztverband. „Wir verfolgen einen multidisziplinären Ansatz. Denn was ein Orthopäde für rückengerecht hält, kann beispielsweise ein Physiotherapeut ganz anders beurteilen. Uns ist es wichtig, verschiedene Perspektiven miteinander zu verbinden, um Aspekte zur Rückengesundheit herauszufiltern, die eine breite Anerkennung finden“, erklärt Detlef Detjen, Geschäftsführer der AGR.

Wichtiger Teil der Arbeit ist die Vergabe des AGR-Gütesiegels „Geprüft & empfohlen“. In der Praxis erarbeiten medizinische und therapeutische Experten der verschiedensten Fachrichtungen gemeinsam Anforderungskriterien für ergonomisch optimale Produkte. Auf Basis dieser Kriterien prüft eine unabhängige Expertenkommission die Produkte aus allen Lebensbereichen. Das Spektrum reicht von Autositzen über Gartenmöbel bis hin zu Schuhen und Büroeinrichtungen. Erfüllt ein Produkt die hohen Anforderungen, verleiht die AGR das Gütesiegel „Geprüft & empfohlen“. Detlef Detjen betont, dass Unternehmen von einer Mitgliedschaft im Verein ausgeschlossen sind. „Wir verhindern so von vornherein, dass wirtschaftliche Interessen unsere unabhängige Arbeit beeinflussen.“ Dafür wurde das Siegel bereits mehrmals, unter anderem von Öko-Test, ausgezeichnet und wird in der Rechtsprechung als positives Beispiel dafür genannt, wie eine transparente und unabhängige Produktprüfung aussieht.

Industrie: Bewusstsein für Ergonomie noch nicht ausgeprägt

Neben Alltagsgegenständen für den privaten Gebrauch widmet sich die AGR in den letzten Jahren verstärkt der Zertifizierung von Arbeitsplatzumgebungen. Dabei rücken besonders industrielle Arbeitsplätze in den Fokus. „Während das Bewusstsein für einen ergonomischen Büroarbeitsplatz stark zugenommen hat, gibt es im Bereich der industriellen Arbeitsplätze noch viel zu tun“, sagt Ergonomieexperte Detjen. So würden in vielen Produktionen oft Stühle und Tische stehen, die in den Büros ausgemustert wurden. „Da wird am falschen Ende gespart. Wenn man die Kosten für einen ergonomischen Arbeitsplatz mit denen vergleicht, die anfallen, wenn ein Mitarbeiter wegen Rückenschmerzen ausfällt, ist klar, dass sich Ergonomie für die Unternehmen rechnet.“ Viele Einkäufer und Produktionsplaner wüssten jedoch nicht, worauf es bei einem rückengerechten Arbeitsplatz für die Industrie ankommt. Deshalb hat die AGR einen Kriterienkatalog entwickelt, um geeignete Produkte zu zertifizieren und den Unternehmen eine Orientierung bei der Anschaffung zu bieten. „Das Besondere an ergonomischen Arbeitsplatzsystemen ist ihre extrem hohe Anpassungsfähigkeit“, erklärt Detjen. Elektrische Verstellmöglichkeiten und ein modulares Baukastensystem optimieren Arbeitsprozesse, erweitern Einsatzgebiete und sorgen für Flexibilität. Eine perfekt eingerichtete Arbeitsumgebung besteht aus ergonomischen Arbeitstischen und -stühlen, Beleuchtungssystemen, Arbeitsplatzmatten und Werkzeugen. Dadurch können kurze Greifwege, eine optimale Ausleuchtung, die Förderung der Sitz-Steh-Dynamik und die leichte Anpassung an die jeweiligen körperlichen Voraussetzungen unterschiedlicher Mitarbeiter realisiert werden. Der Vorteil des AGR-Siegels für Beschaffer: Sie können sicher sein, dass die zertifizierten Produkte diese Kriterien erfüllen. Als bisher einziger Anbieter von industriellen Arbeitsplatzsystemen erhielt item das unabhängige Siegel für das Arbeitsplatzsystem.

Zertifizierte Arbeitsplatzsysteme

Für die Ergonomiespezialisten von Item war die hohe Reputation des AGR-Siegels der ausschlaggebende Grund dafür, sich mit den Arbeitsplatzsystemen des Unternehmens für die Zertifizierung zu bewerben. „Schon bei der Konzeption unsere Arbeitstische haben wir konsequent den Menschen in den Mittelpunkt unserer Überlegungen gestellt“, erklärt Marius Geibel, Produktmanager für Arbeitsplatzsysteme bei Item. „Mit der Zertifizierung durch die AGR wollten wir unsere Entwicklungen in Sachen Ergonomie von unabhängiger Stelle bestätigen und wissenschaftlich untermauern lassen.“ Was folgte, war ein strenger Prüfungsvorgang. „Vor der eigentlichen Prüfung gibt ein medizinischer Experte, der Mitglied in einem thematisch passenden Verband ist, zu jeder Bewerbung eine Einschätzung ab, ob das Produkt überhaupt eine Chance auf Zertifizierung hat. So trennen wir vorab die Spreu vom Weizen“, sagt Detlef Detjen. Gibt der Vorprüfer sein Okay, steht die eigentliche Prüfung an. „Wichtig ist, dass nicht die AGR die Prüfung vornimmt, sondern ausschließlich medizinische, von den Fachverbänden ernannte Spezialisten“, erklärt der AGR-Geschäftsführer. Die Unternehmen müssen ihre Produkte der hochkarätigen Jury präsentieren und für eine praktische Prüfung zur Verfügung stellen. Marius Geibel erinnert sich: „Das war wie bei einem Casting. Nachdem wir unsere Arbeitstischsysteme vorgestellt hatten, wurden wir intensiv befragt.“ Neben der Höhenverstellbarkeit der Item Tische untersuchte das Gremium auch die ergonomische Positionierung des Zubehörs. Alle benötigten Werkstücke, Materialien und Werkzeuge müssen so angeordnet sein, dass sie sich im unmittelbaren Greifraum des Mitarbeiters befinden. Damit lassen sich Verdrehungen des Körpers, Überstreckungen und extreme Positionen vermeiden. Aber auch Sicherheitsaspekte, wie die Standfestigkeit, und DIN-Normen waren von Bedeutung.

Am Ende waren sich die medizinischen Experten einig: Die Item-Arbeitstische erfüllen alle Anforderungen, die für ein ergonomisches Arbeiten wichtig sind. Damit ist Item bisher der einzige Anbieter von Arbeitstischsystemen, der von der AGR zertifiziert worden ist. AGR-Fachmann Detlef Detjen resümiert: „Item ist ein sehr positives Beispiel dafür, wie eine ideale Umsetzung von ergonomischen Prinzipien am Arbeitsplatz erfolgen kann.“

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45850534)