Märkte Aktuelle Entwicklung der Rohstoffpreise

Autor: Frank Jablonski

Schwergewicht im MM-Index und Gradmesser für die konjunkturelle Entwicklung sind die Rohstoffpreise. Der MM-Index zieht an und die Analysen der Experten zeigen: Der Preisboom ist erst einmal vorbei.

Die Experten der Deutschen Industriebank analysieren die Rohstoffmärkte:
Die Experten der Deutschen Industriebank analysieren die Rohstoffmärkte:
(Bild: IKB)

MM-Index – fj. Der MM-Index stieg nach einem kurzen Knick wieder an und auch die Weltrohstoffpreise tendierten im Verlauf des April leicht höher (+1,2 %). Aufgrund des festeren Euro fiel der Anstieg in Inlandswährung noch etwas geringer aus (+0,8 %), wie die Experten der Deutschen Industriebank berichten. Demnach sei der Preisboom erst einmal beendet. Dies verwundert umso mehr als die weltwirtschaftliche Entwicklung trotz einiger geopolitischer Risiken positiv verläuft: Die Wirtschaft Chinas wuchs im ersten Quartal 2017 wieder stärker, die Erholung in der Euro-Zone setzt sich fort und auch die USA liefern zufriedenstellende Wirtschaftszahlen.

Einer der Gründe für die verhaltene Entwicklung der Rohstoffpreise dürften enttäuschte Erwartungen der Märkte sein, so die Experten. Nach der Wahl Trumps zum US-Präsidenten setzte eine regelrechte Börsenrallye ein, die auch auf nicht-börsennotierte Rohstoffe ausstrahlte. Man erhoffte sich eine schnelle Umsetzung des versprochenen Infrastrukturprogramms. Da dieses nun aber auf sich warten lässt, ist erst einmal die „Luft“ aus der Preisanstiegsphantasie raus und die investive Nachfrage zurückhaltend.

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Rohölpreis bleibt in Schach

Die von Trump avisierten Erleichterungen im Fracking und die Ausweitung der zugelassenen Rohölfördergebiete z. B. in Alaska haben jedoch – trotz noch nicht erfolgter Umsetzung – eine Signalwirkung und halten derzeit den Rohölpreis in Schach. Obwohl die durchschnittliche Ölnachfrage für das Gesamtjahr 2017 schon zum zweiten Mal nach oben korrigiert wurde, ziehen die Preise nicht nach.

Trotz einer leicht höheren US-amerikanischen Produktion ist der Markt im Gesamtjahr ausbalanciert, falls die OPEC das derzeitige Fördervolumen beibehält. Wir sehen den Rohölpreis bis zur Jahresmitte daher weiter in einem Band von 4 Dollar um die Marke von 55 Dollar je Barrel Brent. Dagegen hat der Grenzübergangspreis für Erdgas trotz einer weiterhin guten Versorgung noch leichtes Aufwärtspotenzial (+3 %).

Der US-Dollar sollte aufgrund der Wirtschaftsdynamik in den USA tendenziell aufwerten. Wir erwarten eine Bewegung zum Euro um die Marke von 1,05 Dollar im Verlauf von 2017. Dies könnte jedoch eine temporäre Entwicklung sein, da ein sich wieder einengendes Zinsdifferenzial zwischen den USA und Deutschland zu einem stärkeren Euro führen dürfte..

Rohstahl, Stahlpreis und Schrottmarkt

Im ersten Quartal 2017 stieg die weltweite Rohstahlproduktion um 5,7 %. In Deutschland nahm die Produktion um 1,8 % und in der EU um 3,8 % zu. Für 2017 sehen wir weltweit einen Anstieg um bis zu 3 %. Die Schrottpreise gaben im April um bis zu 5 €/t nach, da die Exporte trotz einer um 14 % höheren türkischen Stahlproduktion gering war.

Die Eisenerzpreise verbilligten sich im Monatsdurchschnitt um fast ein Fünftel – dies entspricht über 16 Dollar je Tonne - wohingegen Kokskohle erheblich anzog. In Europa gingen die Preise für Lang- und Flachprodukte weitgehend seitwärts. Tendenz: Bis Juni 2017 gehen die Stahlpreise weiter seitwärts, einige Güten könnten leicht rückläufig tendieren. Bei Schrotten erwarten wir im Mai einen leichten Rückgang.

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