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Retrofit Alte Strahlanlage fit für neue Anforderungen gemacht

| Autor/ Redakteur: Stéphane Itasse / Stéphane Itasse

Was tun, wenn eine gute Maschine nicht mehr für die aktuellen Anforderungen reicht? Eine Stahlgießerei in der Schweiz entschied sich für einen umfangreichen Retrofit mit einem anderen Anbieter als dem ursprünglichen Hersteller und konnte damit viel erreichen.

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Auch nach 20 Jahren noch gut genug für einen Retrofit: die Strahlanlage bei Stadler Stahlguss.
Auch nach 20 Jahren noch gut genug für einen Retrofit: die Strahlanlage bei Stadler Stahlguss.
(Bild: Itasse)
  • Eine 20 Jahre alte Strahlanlage konnte trotz guter Instandhaltung die gestiegenen Anforderungen nicht mehr erfüllen.
  • Der Einbau größerer Turbinen machte weitere Veränderungen notwendig.
  • Im Endergebnis musste der Anwender deutlich weniger investieren als bei einer Neuanschaffung.

Mit etwa 100 Mitarbeitern gehört Stadler Stahlguss zum Schweizer Konzern Stadler Rail, einem der führenden Anbieter von Schienenfahrzeugen in Europa. Die Gießerei mit Sitz in Biel erwirtschaftet einen Jahresumsatz zwischen 24 und 28 Mio. Schweizer Franken. 60 bis 65 % davon entfallen auf Aufträge für die Stadler-Gruppe, wie Michael Schmitz, CEO von Stadler Stahlguss, im Gespräch mit MM Maschinenmarkt erläutert. Weitere Kunden kommen aus dem Maschinen- und Anlagenbau für die Kunststoff- und die Lebensmittelindustrie, aus dem Kraftfahrzeugbau, dem Energiemaschinenbau oder der Petrochemie.

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Die Rahmenbedingungen im Hochlohnland Schweiz sind nicht einfach, in der Alpenrepublik finden sich gerade noch zwei Stahlgießereien. „Von der Bauteilgröße und der Tonnage her haben wir ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Schmitz. Am internationalen Markt besteht Stadler Stahlguss nach seinen Worten mit einer hohen Liefertermin-Performance, sehr anspruchsvollen Gussteilen und hoher Qualität. Alle Bauteile – die Stückgewichte liegen zwischen 3 kg und 8 t – durchlaufen die Strahlanlage.

Agtos baut Strahlanlage eines anderen Herstellers um

Diese Strahlanlage eines italienischen Herstellers hat Stadler Stahlguss jüngst von Agtos umbauen lassen. „Die Oberflächen der Gussteile waren nicht zu 100 % sauberzubekommen, die Zunderschichten waren zu fest. Dadurch sind hohe Kosten für das manuelle Nachschleifen entstanden“, erläutert Schmitz den Hauptgrund für den Umbau. Hinzu kamen lange Strahlzeiten: „30 min waren Standard, bis zu 60 min bei exotischen Teilen“, sagt der CEO. Heute sind es im Normalfall 12 min und die Außenflächen sind sauber.

Die 20 Jahre alte Strahlanlage bei Stadler Stahlguss war zwei Mal umgebaut worden. Vor dem Umbau prüfte Agtos die Strahlanlage und besprach das Vorhaben mit Stadler Guss. „Ein erster Versuch mit einem Konkurrenzprodukt von Agtos hat überhaupt nicht funktioniert“, berichtet Schmitz. Die Turbinen des Emsdettener Herstellers hingegen liefern nach seinen Worten beste Ergebnisse: Beim Abwurfwinkel trifft das Strahlmittel genauer auf die Werkstückoberfläche. Für den Umbau lieferte Agtos nicht nur neue Schleuderräder, auch Gehäuse, Strahlmittelzuführung und Motoren wurden erneuert. Zudem wurde der Kran in diesem Projekt ersetzt. Da die neuen Schaufelräder für die Strahlanlage einen größeren Durchmesser haben, musste Agtos auch Adapterrahmen bauen, damit die Strahlgehäuse an die neuen Turbinen angepasst werden konnten. „Das war eine Arbeit von einem Tag“, berichtet Schmitz. Insgesamt hat der Aufbau drei Tage gedauert, wobei Stadler die alten Turbinen schon vorher demontiert hatte.

Neue Turbinen erhöhen Durchsatz der Strahlanlage

Bei der neu eingebauten Turbine handelt es sich um eine TA 4.6, das Schleuderrad hat einen Durchmesser von 420 mm, wie Mario Hintzen, technischer Leiter Service bei Agtos, erläutert. „Die Motorleistung ist mit 18,5 kW identisch geblieben. Dadurch mussten wir an der Elektrik nicht viel ändern, außer die stromführenden Schutzschalter auszutauschen“, sagt er. Dennoch ließ sich mit den neuen Turbinen der Durchsatz um schätzungsweise 30 bis 35 % erhöhen. Eine neue Leithülse mit kleinerem, aber breiterem Fenster und die Zusammenführung der vier Turbinen erzeugen beim Strahlen einen Hotspot mit wesentlich höherer Intensität. Durch die größeren Schleuderräder erhöht sich zudem die Abwurfgeschwindigkeit. „Die Konzentration des Strahls war der Effekt, der die Strahlzeit wesentlich gesenkt hat“, sagt Hintzen.

„Die Strahlanlage war in ihrer Grundsubstanz noch sehr gut erhalten, sodass dieser Umbau gerechtfertigt war“, erläutert er weiter. Das lag einerseits daran, dass große Strahlkammern generell nicht so starkem Verschleiß unterliegen wie kleine und dass die Anlage gut gewartet war. „Wir haben uns für Agtos entschieden, weil das Gesamtpaket stimmte und das Vorhaben in kurzer Zeit realisiert werden konnte – von der Bestellung bis zum Montagetermin vergingen gut sechs Wochen. Das war mit dem ursprünglichen Hersteller nicht zu machen“, sagt Schmitz. Außerdem sei es leichter, wenn die Kommunikation bei solch einem Projekt in der eigenen Sprache ablaufe.

Stadler Stahlguss hatte sich gegen eine neue Anlage entschieden, weil für einen Neuaufbau in den Hallen kein Platz war. Eine Betriebsunterbrechung – außer zu geplanten Zeiten – war nicht möglich. „Das, was wir jetzt haben, ist für unsere Zwecke ausreichend“, sagt Schmitz und erläutert weiter: „Mit 30 % des Aufwands einer Neuinvestition haben wir bis auf Entstaubung und Gehäuse erneuert, ohne einen nennenswerten Produktionsstillstand.“

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