Ecodesign-Richtlinie Bei verketteten Druckluftsystemen sagen Ökolabels wenig aus
Das Ökolabeling einzelner Druckluftkomponenten kann durchaus eine Entscheidungshilfe darstellen, ist man in der Branche überzeugt. Allerdings wird die Sache unscharf, wenn es um verkettete Kompressorensysteme geht. Denn Einzellabels geben wenig Aufschluss über die Energieeffizienz der Gesamtanlage.
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Rund 62.000 Druckluftanlagen sind laut Deutscher Energie-Agentur Dena hierzulande in Betrieb, europaweit sind es nach einer Studie des Fraunhofer-ISI sogar 320.000 Kompressoren. Geschätzte 10 % des industriellen Strombedarfs entfallen auf die Drucklufterzeugung.
Bei solchen Zahlen bleibt es nicht aus, dass die Politik die Branche zu einer Energieeffizienzregulierung zwingen will (siehe Kasten auf Seite 30). Der Zeitplan steht: Im Frühjahr 2014 soll eine Studie mit Vorschlägen veröffentlicht werden, drei Jahre später könnte eine EU-Richtlinie folgen.
Kompressorenhersteller per se an stetiger Effizienzsteigerung interessiert
„Unter Berücksichtigung eines durchschnittlichen Optimierungspotenzials von 30 % macht eine Steuerung zum Erschließen dieses Potenzials Sinn“, räumt Markus Höhne, Direct Sales Leader Central Europe bei Ingersoll Rand, angesichts der hohen Verbrauchszahlen ein. Doch er und andere Experten aus der Industrie beäugen die Bemühungen der Politik insgesamt eher skeptisch.
„Zunächst sollte man berücksichtigen, dass alle Hersteller von Kompressoren schon wegen des Wettbewerbs untereinander an einer stetigen Steigerung der Effizienz der Kompressoren interessiert sind. In einigen Teilbereichen ist man den physikalischen und technischen Grenzen auch schon nahegekommen“, sagt Michael Jäschke vom Vertrieb Deutschland bei Boge Kompressoren. „Eine Regulierung auf Herstellerseite ist sinnvoll, um ein Grundniveau zu sichern“, räumt er jedoch weiter ein.
„Die führenden Hersteller haben bereits einen so hohen Standard erreicht, dass ich durch die Ecodesign-Richtlinie keine wesentlichen Veränderungen erwarte“, sagt auch Heiner Carstensen, Geschäftsführer der Donaldson Filtration Deutschland GmbH. Beispielhaft dafür seien der Einsatz energiesparender Motoren und Steuerungen bei den Kompressoren, aber auch hocheffiziente Ansaugfilter mit geringem Durchflusswiderstand.
Energiebedarf beim Einsatz von Druckluft soll weiter sinken
„Meiner Einschätzung nach wird sich die Drucklufttechnik kaum ändern, die Physik bleibt“, schließt sich der Druckluftberater Willi Lang an. „Was sich aber sehr wohl ändern kann, ist das Wissen über Druckluftkosten und deren Ursachen.“ „Die Bemühungen um eine Richtlinie zeigen, wie wichtig es ist, den Energiebedarf beim Einsatz des für die Industrie so bedeutsamen Energieträgers Druckluft weiter zu senken“, ergänzt Carstensen.
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