Interview Utilis AG

„Besser sein als die Anderen“

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MM. Haben Sie jemals darüber nachgedacht, einen Standort ins Ausland zu verlagern?

Macario: Natürlich ist es interessant, in einem anderen Land zu produzieren. Aber wir sind der Meinung, wenn wir hier in der Schweiz zu demselben Preis produzieren können wie anderswo, dann werden wir hier auch produzieren. Und man muss immer auch die versteckten Kosten beachten, die Kosten für den Know-how-Transfer und die Aufbaukosten, welche die Mitarbeiter des Mutterhauses tragen müssen. Da kommt es schnell zu Fehleinschätzungen. Steht aber die Kundennähe und die damit verbundene Lieferzeit im Mittelpunkt, so kann die gezielte Produktion von strategisch wichtigen Produkten im Ausland sinnvoll sein. Aber das ist eine andere Sache.

MM: Wie sehen Sie die gegenwärtige Entwicklung in der Medizintechnik?

Macario: Die Medizintechnik ist derzeit sehr im Umbruch. Es drängen immer mehr Unternehmen auf den Markt und das Angebot wird größer. Und so muss sich jede Firma auch wieder neu positionieren. Da sehe ich in der Regel zwei Lösungsansätze, die übrigens auch auf andere Branchen zutreffen: Da sind auf der einen Seite die Sparer. Sparen bringt zwar kurzfristig Erfolg, führt aber längerfristig zu einem Investitionsstau und technologischem Rückstand. Die andere Möglichkeit führt über höhere Produktivität. Das ist mit Investitionen und damit auch mit Risiken verbunden. Aus meiner Sicht zeugt das von langfristigem Denken. Ohne Investitionen und moderne Produktionsmittel wird eine Firma nicht lange erfolgreich auf dem Markt sein.

MM: Welche Rolle spielt hierbei Ihre Beziehung zu Lieferanten?

Macario: Wenn wir eine Lieferantenbeziehung aufbauen, dann grundsätzlich langfristig. Wir fordern unsere Partner stark, aber als Gegenleistung streben wir eine langfristige Beziehung an. Es hat keinen Sinn, wegen ein paar Franken laufend zu neuen Anbietern zu wechseln. Wir leben mit dem Netzwerkgedanken, wie er in der Schweiz und den Nachbarländern sehr ausgeprägt ist, wo man offen mit Partnern reden und sich austauschen kann und sich hilft und unterstützt.

MM: Im nächsten Jahr begeht Utilis ihr Hundert-Jahr-Jubiläum. Was ist typisch für das Unternehmen?

Macario: Wenn man sich die Entwicklung der Utilis anschaut, kann man feststellen, dass sich Utilis immer angepasst hat und immer etwas Innovatives gemacht hat. So hat Utilis als Werkzeugfabrik angefangen, hat sich dann aber immer mehr in Richtung Werkzeughandel entwickelt. Bis Anfang der 90er Jahre funktionierte dieses Geschäftsmodell sehr gut. Doch die darauf folgende Krise war eine Zäsur. Wir mussten feststellen, dass wir sehr anfällig geworden waren und die Handelsprodukte unserer ausländischen Partner in der Schweiz immer weniger gefragt waren. So haben wir das verkümmerte Standbein Werkzeugfabrik, also eigene Werkzeuge herzustellen, wieder gestärkt. Und wir haben gelernt, dass wir mit eigenen Produkten zwar mehr Risiko tragen, aber schlussendlich viel flexibler auf die Bedürfnisse des Marktes eingehen und damit das Unternehmen selbständiger steuern können.

MM: Vielen Dank für das Gespräch.

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