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Porträt Buntes Treiben – Das Farbfernsehen wird 50

Autor / Redakteur: Katrin Amling / Simone Käfer

Vor 50 Jahren wurde die Welt ein Stück farbiger – zumindest auf den deutschen Bildschirmen. Willy Brandt gab den Startschuss für die neue Technik, die der Ingenieur Walter Bruch entwickelt hatte.

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Ein Farbfernseher war bei seiner Einführung ein Luxusgut.
Ein Farbfernseher war bei seiner Einführung ein Luxusgut.
(Bild: gemeinfrei (ArtsyBee/pixabay) / CC0 )

Die groß inszenierte Einführung des Farbfernsehens begann mit einer Panne: Als Willy Brandt am 25. August 1967 den roten Knopf vor sich drückte, wurde er den gespannten Zuschauern vor den Bildschirmen bereits in Farbe angezeigt. Der Knopf war natürlich nur eine Attrappe und ein zu eifriger Techniker im Hintergrund beschloss einige Sekunden zu früh, dass der Zeitpunkt für mehr Farbe gekommen sei. Später erklärte man die verpatzte Show mit einem „überempfindlichen Knopf“. Das kleine Missgeschick war also der Startschuss für Farbfernsehen in Deutschland. In den Genuss der farbigen Bilder kamen zunächst allerdings nur wenige Menschen. Damals gab es erst rund 6000 Geräte, mit denen man die neue Technik überhaupt empfangen konnte. Der richtige Durchbruch kam sieben Jahre später mit der Fußballweltmeisterschaft. Für das sportliche Großereignis schafften sich viele Haushalte einen Farbfernseher an. Bei der Einführung 1967 sahen sich die meisten das Spektakel noch beim nächsten Elektroladen auf der Straße an.

„Was bin ich?“ mit Robert Lembke und die Spieleshow „Vergißmeinnicht“ von Peter Frankenwald gehörten zu den ersten Sendungen, die in Farbe ausgestrahlt wurden – außerdem US-Serien wie „Bezaubernde Jeannie“ oder „Bonanza“. Schwarz-Weiß hatte allerdings noch lange den Ruf, seriöser als die neue Farbtechnik zu sein. So empfing man Nachrichtensendungen wie die Tagesschau noch bis Anfang der 70er in den gewohnten Schwarz-Weiß-Bildern. Die Euphorie des Farbfernsehens färbte auch auf den Fußball ab. In teils abenteuerlichen Farben statteten manche Vereine ihre Spieler mit neuen Trikots aus. Beim HSV mussten die Fußballer sich mit Pink anfreunden, Fortuna Düsseldorf legte sich Trikots mit Querstreifen in Weiß, Gelb, Orange und Rot zu. Ganz so begeistert davon, dass man sie so auch im Fernsehen bestaunen konnte, waren die Spieler selbst allerdings nicht.

Störanfällige Technik aus den USA

Wie so oft waren uns die USA in Sachen Technik einige Jahre voraus. Schon 1954 konnten die US-Amerikaner mit der NTSC-Technik farbige Bilder produzieren. Sie wurde nach dem National Television Systems Committee (NTSC) benannt, das für die ersten Farbübertragungen zuständig war. Der Spitzname „never twice the same colour“ kam jedoch nicht von ungefähr: Die Technik war sehr störanfällig und die Farbtöne variierten teils stark. Der Zuschauer musste den Farbton manuell einstellen und mit bloßem Auge überprüfen. Das war allerdings manchmal mehrmals pro Sendung nötig und auf Dauer lästig.

In Deutschland suchte man indes nach einer Lösung, um farbige Bilder mit einer zuverlässigeren Technik auf den Fernseher zu bringen. Den Durchbruch schaffte der Ingenieur Walter Bruch in Hannover. PAL, Phase Alternating Line, war eine neue Möglichkeit der Farbübertragung im analogen Fernsehen. Der Erfinder selbst witzelte noch, dass man die Technik keinesfalls nach ihm selbst benennen sollte – denn am „Bruchfernsehen“ wollte er nicht schuld sein. Der Knackpunkt von PAL war die automatische Fehlerbeseitigung, falsch dargestellte Farben korrigierten sich von selbst. Bei einer Farbtonabweichung wurde einfach die negative Kopie hinzugefügt, die Farbinformation sozusagen um 180° gedreht. Durch Farbaddition wurde der Fehler ausgeglichen. Daher stammt auch der Name PAL, der übersetzt so viel wie „Wechseln der Phasenlage“ bedeutet .

Neue Farben durch Addition

Die Fernseher mit PAL-Technik waren im Prinzip drei kleine Fernseher in einem. PAL machte sich die Farb- addition zunutze, also die Entstehung neuer Farben durch Aufeinandertreffen. Im Gerät gab es drei verschiedene Elektronenstrahlen, die jeweils auf verschiedene Phosphorflecken trafen. Diese leuchteten, wenn sie mit den Elektronen in Berührung kamen. So entstanden drei Grundfarben, zunächst in vielen winzigen Pünktchen. Aus der Entfernung betrachtet ergaben sich durch Addition verschiedene Farben. Bereits 1962 meldete Bruch PAL zum Patent an. Kritische Stimmen merkten an, dass die Idee schon zehn Jahre zuvor in den USA aufkam. Weiterentwickelt hat sie allerdings Bruch. Dass es bis zur Einführung noch so lange dauerte, lag vor allem an technischen Umstellungen, die noch vorgenommen werden mussten. Auch Sendungen, die schon für das Farbfernsehen produziert wurden, sollten noch auf den weiter verbreiteten Schwarz-Weiß-Geräten empfangbar sein. Außerdem mussten die Übertragungswege auf die Dreikanaltechnik umgerüstet werden.

Doch wer konnte sich diese neuen technischen Spielereien eigentlich leisten? Das günstigste Modell kostete damals knapp 1900 DM. Der „Weltblick Color-Supermatic“ war von der Firma Körting und auch nur über eine spezielle Aktion des Neckermann-Versands so günstig zu erhalten. Der Durchschnittspreis für die neuen Farbfernseher lag bei 2400 DM. Es handelte sich also um ein Luxusgut.

Die deutsche Technik setzte sich in vielen europäischen Ländern durch. Neben NTSC war auch das Secam-Verfahren (frz.: séquentiel couleur à mémoire) ein großer Konkurrent, das in Frankreich und in den Staaten des ehemaligen Ostblocks genutzt wurde. Der französische Ingenieur Henri de France entwickelte die Technik Ende der 50er-Jahre. Charakteristisch für Secam ist, dass die störanfällige Phasenlage des Farbsignals umgangen wird. Der entscheidende Nachteil ist jedoch ein größerer Speicher, der für Verzögerungen beim Abspielen sorgen kann. Die Entscheidung für eines der Systeme war damals auch eine politische Frage. In der DDR war Farbfernsehen erst zwei Jahre später als in Westdeutschland zu empfangen – mit Secam natürlich.

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