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Chinas Automatisierung beflügelt deutsche Anbieter

| Autor: Stéphane Itasse

Massen billiger Arbeitskräfte – diese Zeiten sind in China längst vorbei. Vom Trend zur Automatisierung profitieren dabei nicht nur deutsche Unternehmen, auch Forschungsinstitute machen bei dieser Entwicklung mit.

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Das Demonstrations- und Innovationszentrum im Global Advanced Manufacturing Institute (Gami) in Suzhou dient auch als Plattform für Projekte deutscher und chinesischer Forscher.
Das Demonstrations- und Innovationszentrum im Global Advanced Manufacturing Institute (Gami) in Suzhou dient auch als Plattform für Projekte deutscher und chinesischer Forscher.
(Bild: KIT)

Beim Thema Industrie 4.0 sieht Günter Krenz, Leiter Montagetechnik bei Bosch Rexroth, China ganz weit vorne. „Die chinesischen Unternehmen verfolgen mit ,Factory of the Future' genau den gleichen Gesamtansatz wie wir. Sie wollen mit ihren Fabriken in China Benchmark sein“, sagte er auf der Herbsttagung des WBK-Instituts für Produktionstechnik des Karlsruhe Institute of Technology (KIT). Die Politik von Beijing unterstützt diese Entwicklung mit dem Programm „Made in China 2025“ (wir berichteten in MM 32/33 2017). Krenz warnte davor, die Ambitionen Chinas dabei zu unterschätzen: „Das ist nicht nur eine Vision, das ist knallhart.“ Auch die Absatzzahlen von Bosch Rexroth unterstreichen den Trend – Produkte wie der Active Mover sind nach Aussage des Leiters Montagetechnik auch in der Volksrepublik stark gefragt. Und gerade dort erwartet er auch ein weiteres Wachstum. „China ist ein Markt, der eher bereit ist, etwas auszuprobieren – wir sind da konservativ“, berichtete Krenz.

Bosch Rexroth zeigt Möglichkeiten von Industrie 4.0 in China

Was sich mit Industrie 4.0 auch in China erreichen lässt, konnte Krenz am Beispiel der eigenen Fabrik von Bosch Rexroth darlegen. Dank der Vernetzung der Werkzeugmaschinen und der Auswertung der Daten sei es im Jahr 2016 gelungen, die Anlagenverfügbarkeit (OEE) um 5 % zu steigern und Einsparungen in Höhe von 1,6 Mio. chinesischen Yuan (gut 200.000 Euro) zu erzielen. „Das geht jedoch nur, wenn der Gesamtansatz verstanden wird“, sagte Krenz weiter.

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Doch nicht nur Unternehmen, auch Forschungsinstitute sind bei dem Trend zur Automatisierung in China dabei – das KIT sogar gleich zwei Mal. Die erste Einrichtung ist das Global Advanced Manufacturing Institute (Gami) in Suzhou, das zugleich die offizielle Vertretung des KIT in China ist. Die zweite Institution ist das Advanced Manufacturing Technology Center (AMTC) an der Tongji-Universität in Shanghai. „Wir versuchen am Gami, Forschungsergebnisse in die Industrie zu transferieren. Das geschieht über Beratungen und Trainings“, berichtete Tobias Arndt, General Manager des Gami, auf der Tagung. Dazu beherbergt das Institut seit 2015 auch ein Demonstrations- und Innovationszentrum. In den dortigen Weiterbildungen lernen Mitarbeiter und Führungskräfte von Unternehmen, die Herausforderungen von Industrie 4.0 sowie „Made in China 2025“ besser zu bewältigen. Krenz sieht solche Projekte als große Chance. „Damit können wir chinesische Unternehmen an Themen wie Lean Production heranführen“, sagte er.

In dem Zentrum ist eine intelligente Montagelinie für Hydraulikventile aufgebaut, die mit Technik unter anderem von Bosch und Bosch Rexroth ausgerüstet ist. Die Anlage ist mit verschiedenen Industrie-4.0-Anwendungen ausgestattet: Sie kann durch ein kabellos gesteuertes, intelligentes System um die 90 verschiedene Ventilvarianten ohne Werkzeugwechsel produzieren.

Plattform für Projekte deutscher und chinesischer Forscher

Das Demonstrations- und Innovationszentrum bietet dabei nach Angaben des KIT nicht nur Unternehmen die Möglichkeit, Einstellungen an der Anlage zu erproben und die im Training erlernten Kenntnisse praktisch anzuwenden. Es dient auch als Plattform für gemeinsame Projekte deutscher und chinesischer Forscher.

Nicht nur auf die praktische Ausbildung, sondern auch auf die Forschung ausgerichtet ist das AMTC. Getragen wird die 2013 gegründete Einrichtung vom Chinesisch-Deutschen Hochschulkolleg, dem WBK-Institut und dem College of Mechanical Engineering der Tongji-Universität. Dabei betreibt das AMTC sowohl Auftragsforschung und -entwicklung für produzierende Unternehmen in China als auch Grundlagenforschung auf dem Gebiet der automatisierten Fertigung. Christopher Ehrmann, der am Institut die Industrieprojekte und das Labor betreut, sieht das AMTC in China mittlerweile gut etabliert. „Wir haben 2017 ein großes staatliches Projekt als Leuchtturmprojekt durchbekommen“, berichtete er auf der Tagung. In diesem Jahr soll dort die deutsch-chinesische Fabrikautomatisierungsplattform I4TP starten. Doch auch in der Ausbildung sieht Ehrmann noch Aufgaben für sein Institut. „Wichtig ist für uns die praktische Ausbildung. Die universitäre Ausbildung in China ist sehr theoretisch“, erläuterte er.

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 Stéphane Itasse

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, MM MaschinenMarkt