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Energietechnik

„Crowd Oil“: Kraftstoff kommt bald aus der Klimaanlage

| Redakteur: Sebastian Hofmann

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat ein Verfahren konzipiert, mit dem Belüftungsanlagen in Gebäuden synthetischen Kraftstoff aus der Umgebungsluft gewinnen können.

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Belüftungsanlagen könnten dank einem neuen Verfahren vom Karlsruher Institut für Technologie bald synthetischen Rohstoff liefern.
Belüftungsanlagen könnten dank einem neuen Verfahren vom Karlsruher Institut für Technologie bald synthetischen Rohstoff liefern.
(Bild: ©lapis2380 - stock.adobe.com)

Zur Herstellung der Kraftstoffe (Kohlenwasserstoffe) trennen die Anlagen dabei CO2 (also Kohlenstoff) aus der Luft ab und liefern per Elektrolyse die erforderliche Menge Wasserstoff. Über weitere Verfahrensstufen lassen sich dann Rohöl, Kerosin und weitere Stoffe gewinnen. „Alleine die Menge CO2, die potenziell in den Lüftungsanlagen der 25.000 Supermärkte der drei größten Lebensmittelhändler Deutschlands abgeschieden werden könnte“, so die Forscher, „dürfte ausreichen, um etwa ein Drittel des deutschen Kerosinbedarfs oder 8 % des Dieselbedarfs zu decken.“ Würde das Konzept des „Crowd-Oils“ also breitflächig in der Industrie angewandt, wären deutlich größere Einsparungen möglich.

„Perspektivisch könnte sich das Crowd-Oil-Prinzip für Unternehmen auch finanziell lohnen“, ist sich Gruppenleiter Michael Klumpp vom KIT sicher. „Dafür braucht es aber noch entsprechende regulatorische Maßnahmen durch den Gesetzgeber.“ Billig ist das Verfahren heute nämlich noch nicht: für die Umwandlung des CO2 und speziell für die Elektrolyse braucht es große Mengen an elektrischem Strom und auch die erforderliche Hardware ist teuer. „Wenn sich unser Verfahren im Massenmarkt durchsetzt, sollten die Kosten allerdings noch einmal drastisch sinken“, unterstreicht Klumpp.

Derzeit baut das KIT an seinem Campus schon an einer Pilotanlage. Damit will man die bisherigen Simulationsergebnisse in der Praxis nachweisen. Die Forscher gehen von einer Kohlenstoffeffizienz – also dem Anteil Kohlenstoff, der sich im produzierten Kraftstoff wiederfindet – von 90 % bis annähernd 100 % aus. Testergebnisse soll es noch in diesem Jahr geben.

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