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Kommissioniertechnik

Daimler startet Pilot mit Datenbrille

| Redakteur: Bernd Maienschein

Im Bremer Werk des Premium-Automobilbauers Daimler wird für die Kommissionierung von Außenspiegeln der SLK-Klasse und Sicherheitsgurten der E-Klasse jetzt das Kommissioniersystem Xpick eingesetzt. Wesentlicher Vorteil: Der Werker hat beide Hände frei.

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Xpick in der industriellen Anwendung mit einer Datenbrille.
Xpick in der industriellen Anwendung mit einer Datenbrille.
(Bild: Xcon Partners)

Ob im Versandhandel, bei der Montage eines Pkw oder beim zeitkritischen Transport von Arzneimitteln – stets muss die richtige Anzahl an Waren zu einem bestimmten Auftrag zusammengesucht werden. Xpick ist eine innovative und flexible Kommissionierlösung mit graphischer Benutzerschnittstelle für mobile Endgeräte wie Datenbrillen (zum Beispiel Google Glass) oder Tablet-PC. Die intelligente graphische Darstellung der Aufträge, die dem Kommissionierer beide Hände zum Arbeiten frei lässt, sorgt für starke Geschwindigkeitssteigerungen und verringert parallel die Fehlerrate. Zeitgleich mit dem laufenden Pilotprojekt bei Daimler in Bremen wird gemeinsam mit dem Forschungspartner TZI von der Universität Bremen an innovativen Verfahren zur Vermeidung von Kommissionierfehlern geforscht – ein Vorhaben, das im Rahmen des Innovationsprogramms der Wirtschaftsförderung Bremen gefördert wird.

Richtiges Kommissionieren kann erfolgsentscheidend sein

„Je nach Branche entfallen auf den Bereich der Kommissionierung zwischen 55 und 70 % der gesamten Lagerhallenkosten“, erklärt Dr. Hannes Baumann, produktverantwortlich für Xpick bei der Xcon Partners GmbH und führt weiter aus: „Eine schnelle und fehlerfreie Kommissionierung kann da schnell zu einem erfolgsentscheidendem Faktor in der gesamten Supply Chain werden.“ Zwar existierten bereits mehrere computergestützte Kommissioniersysteme, doch seien diese entweder zu teuer, zu unhandlich oder böten schlichtweg nicht die nötige Flexibilität, so dass der klassische Papier-Pickzettel weiterhin die weltweit am meisten verbreitete Kommissionierlösung ist.

Wissenschaftliche Studien im Labor ebenso wie eine Feldstudie mit einem Xpick-Prototypen bei Daimler in Bremen haben gezeigt, dass graphische Darstellungen der Auftragsinformationen (zum Beispiel auf einer Datenbrille wie Google Glass) im Vergleich zu papier- und audiogestützten Lösungen eine signifikant höhere Kommissioniergeschwindigkeit bei gleichzeitig geringer Fehlerrate aufweisen. Eine solche graphische Benutzerschnittstelle für mobile Endgeräte bildet eines der Kernelemente von Xpick. Produktivitätssteigernder und zeitsparender Nebeneffekt: Der Kommissionierer hat beide Hände frei zum Arbeiten.

Auf dem Weg zur papierlosen Fabrik

Auch im Bremer Daimler-Werk weiß man die Vorteile von Xpick aus der Vergangenheit zu schätzen: „Bereits im Jahr 2011 haben wir im Rahmen einer Feldstudie das hohe Potenzial bei dem Vorgänger des Xpick-Systems gesehen“, erinnert sich Thorsten Schmidt, der im Mercedes-Benz-Werk Bremen im Bereich Montage und Logistikplanung für das Arbeitsgebiet Abgriffüberwachung und Kommissioniertechnik zuständig ist.

Der zwischenzeitlich weiterentwickelte Prototyp wird nun im Rahmen eines Pilotprojektes für die Kommissionierung von Außenspiegeln der SLK-Klasse und Sicherheitsgurten der E-Klasse der in der Hansestadt gefertigten Modelle eingesetzt. „Neben Erkenntnissen für die Optimierung der Kommissionierung rechnen wir mit einer konkreten Leistungssteigerung in den operativen Prozessen, die uns diese flexible Low-Cost-Lösung bringen wird“, so Schmidt über den Beitrag von Xpick zur „papierlosen Fabrik“.

Förderung der Forschung, Entwicklung und Innovation

„Innerhalb unseres Innovationsclusters „Maritime Wirtschaft und Logistik“ fördern wir Bremer Unternehmen, die in diesem Bereich durch ihre innovativen Produkte, Verfahren und Dienstleistungen zur Erhaltung und zum Ausbau des Wirtschaftsstandortes Bremen beitragen indem hochwertige Arbeits-plätze gesichert und geschaffen werden“, erklärt Dr. Norbert Möllerbernd, zuständiger Innovationsmanager im Bereich Innovation bei der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH.

„In Xpick erkennen wir dieses Potenzial für die regionale Wirtschaft und fördern das Projekt nicht zuletzt, weil wir uns von der wissenschaftlichen Kooperation mit dem TZI einen erheblichen Mehrwert für zahlreiche hiesige Unternehmen versprechen, die im Bereich Logistik tätig sind oder einen solchen Bereich betreiben. Das Kooperationsprojekt ist ein schönes Beispiel für angewandten Technologietransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, initiiert durch das Instrument der FuE-Förderung“, so Möllerbernd weiter. Im Rahmen dieses Kooperationsprojektes mit dem renommierten Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik der Universität Bremen (TZI) wird daran geforscht, Kommissionierfehler rechtzeitig zu erkennen und zu vermeiden.

Verfahren zur Vermeidung von Kommissionierfehlern im Einsatz

Gemeinsam mit Prof. Michael Lawo vom TZI forscht ein Xcon-Partners-Team rund um Dr. Hannes Baumann an der Weiterentwicklung von Xpick. Insbesondere geht es bei dieser Kooperation um den Einsatz moderner Technologien zur Vermeidung von Kommissionierfehlern. Zusätzlich zu den mobilen Displaytechnologien, die bei xPick eingesetzt werden, ermöglichen die hier erforschten Fehlervermeidungsverfahren weitere Performancesteigerungen sowie Kosteneinsparungen innerhalb der Kommissionierung.

„In Abhängigkeit vom besonderen Anwendungsszenario und nicht zuletzt des verfügbaren Budgets sind unterschiedliche Lösungsansätze sowie deren Kombinationen zur Vermeidung von Kommissionierfehlern möglich: Plausibilitätswiegung, optische Erkennung von Entnahmen, Positionsbestimmung des Kommissionierwagens und Einsatz mobiler Barcode-Scanner sind hier nur einige der in Frage kommenden Technologien“, erklärt Lawo. Trotz des bestehenden wissenschaftlich-technischen Risikos dieses einjährigen Förderprojektes sind sich alle Beteiligten über den Erfolg des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens und der anschließenden Integration der Ergebnisse in das Endprodukt sicher.

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