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Porträt Das VDE-Zeichen sorgt seit 100 Jahren für den Schutz der Verbraucher

Seit 100 Jahren gibt es das VDE-Zeichen. Es visualisiert, dass elektrotechnische Produkte, die dieses Zeichen tragen, geprüft und für den Verbraucher sicher sind.

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Seit 100 Jahren unterziehen die Experten des VDE-Instituts elektrotechnische Produkte einem Härtetest, bevor sie das begehrte VDE-Dreieck vergeben.
Seit 100 Jahren unterziehen die Experten des VDE-Instituts elektrotechnische Produkte einem Härtetest, bevor sie das begehrte VDE-Dreieck vergeben.
(Bild: VDE)

Die Elektrotechnik ist nicht erst seit der intensiven Beschäftigung mit der Elektromobilität von Bedeutung. Schon vor über 100 Jahren hat man erkannt, dass es eines Vereines bedarf, der sich um die Interessen der Mitglieder kümmert und auch eine ordnende Funktion haben sollte. Und so findet am 21. Januar 1893 die Gründungsversammlung des Verbandes Deutscher Elektrotechniker statt, in der man Organisationsfragen klärt. Einen Tag später erfolgt die feierliche Gründung. Doch erst 1920 hebt der Verband das VDE-Zeichen aus der Taufe, das für ein Höchstmaß an Sicherheit steht und ein Teil von „Made in Germany“ ist. Dazu wird im selben Jahr eine zentrale Prüfstelle eingerichtet. Diese soll die elektrotechnischen Geräte testen unter Beachtung der bestehenden VDE-Bestimmungen.

Und das Prüfsiegel ist begehrt. Im Jahr 1934 tragen es bereits 4000 Produkte.

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Deutscher Sicherheitsstandard gilt weltweit als der höchste

Im Konsumgüterbereich, in der Industrie, in Krankenhäusern, Autos, Bahnen und Kraftwerken begleitete das Prüfzeichen den Aufschwung mit dem Ergebnis, dass das Sicherheitsniveau elektrotechnischer Produkte und Anlagen in Deutschland seit Jahrzehnten weltweit als das höchste gilt. Dass sich beispielsweise die Zahl der durch Stromunfälle ums Leben gekommenen Menschen seit Jahrzehnten von einstmals über 400 auf heute deutlich unter 50 Fälle pro Jahr reduziert hat, ist zum großen Teil ein Verdienst des dreieckigen VDE-Zeichens.

Die gemeinnützige VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut GmbH beschäftigt in Offenbach rund 500 Mitarbeiter. Die unabhängigen Prüfingenieure des Instituts unterziehen mehr als 100.000 Geräte pro Jahr einem Härtetest, bevor sie das Prüfsiegel vergeben, das als Synonym für höchste Sicherheitsstandards gilt. Viele der Kunden des Instituts stammen aus dem europäischen und asiatischen Ausland. Besonders in China steigt die Nachfrage nach dem Sicherheitszeichen. Mit der VDE Global Services GmbH ist der Verband mit Niederlassungen in China, Hongkong, Taiwan, Japan und Südkorea vertreten.

In Europa unterhält der VDE in Bulgarien, Italien, Frankreich, Portugal, Spanien und der Türkei vertreten sowie in Polen und Russland Vertretungen. Rund um den Globus überwachen die Experten des Verbandes in 44 Ländern mehr als 7000 Fertigungsstätten. Kooperationsvereinbarungen mit über 50 Ländern sorgen dafür, dass die vom VDE-Institut durchgeführten Prüfungen international anerkannt sind. Weltweit tragen 200.000 Produkttypen mit 1 Mio. Modellvarianten das VDE-Zeichen.

Systemprüfungen werden in Zukunft zunehmen

Insgesamt sind heute weltweit mehr als 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Prüfinstitut tätig, das sich in den vergangenen Jahren zum Systemprüfer gewandelt hat, denn immer mehr Produkte arbeiten heute vernetzt. Die Experten des Instituts überprüfen regelmäßig Interoperabilität, elektromagnetische Verträglichkeit und funktionale Sicherheit von drahtlosen Kommunikationsverbindungen, Schnittstellen und Netzanbindungen. „Dieser Bereich wird in den kommenden Jahren exponentiell weiter wachsen. Denn überall um uns herum ist Elektronik, die in immer stärkerem Maße unter- und miteinander interagiert. Diese Anwendungen zu überprüfen, nimmt in Zukunft an Bedeutung zu“, erläutert der Geschäftsführer des VDE-Instituts, Ansgar Hinz. In einem erst vor wenigen Jahren eingerichteten Smart-Home-Labor werde heute zudem die Cyber-Sicherheit getestet, deren Bedeutung rasant wachse.

Die Prüfungen des Instituts sind hart. Und so gilt das Prüfsiegel des VDE in Fachkreisen als Synonym für höchste Sicherheitsstandards. „Viele der von den Herstellern bei uns eingereichten Produkte bestehen die Eingangstests unserer Prüfingenieure nicht“, erzählt Hinz. Diese Produkte müssen entsprechend nachgebessert werden, ehe sie das Prüfzeichen führen dürfen. Deshalb arbeiten viele Hersteller mittlerweile bereits während der Entwicklungsphase mit den Experten des Instituts zusammen, um später das VDE-Zeichen schon nach der ersten Prüfung zu erhalten. „Sicherheit und Schutz der Anwender stehen bei uns an erster Stelle“, so Hinz weiter.

Mängel treten vor allem bei Billigprodukten auf

Dabei trage die seit einigen Jahren zu beobachtende „Geiz-ist-​geil“-Mentalität der Verbraucher zu erheblichen Sicherheitsrisiken bei. Denn was soll ein Waffeleisen für 10 Euro und eine Bohrmaschine für 20 Euro wirklich taugen?

Um billig produzieren zu können, sind auch viele Produktionsstätten nach Asien verlagert worden. „Eine Vielzahl der dort hergestellten Waren entspricht aber nicht den europäischen Sicherheitsstandards“, weiß der VDE-Instituts-Chef.

„Wir beobachten mit großer Sorge den Trend, dass vor allem Onlinebestellungen aus dem asiatischen Raum häufig unseren Normen und Standards nicht genügen und damit zu Fehlfunktionen, Kurzschlüssen und Sicherheitsproblemen führen können“, fährt Hinz fort. Deshalb heiße es, bei Produkten vorsichtig zu sein, die kein Prüfsiegel wie das VDE-Dreieck vorweisen können. Daran ändere erst einmal auch die CE-Kennzeichnung nichts, mit der die Hersteller lediglich erklären, dass ihre Produkte den Anforderungen der europäischen Richtlinien entsprechen; Hinz fordert: „,Geiz ist geil‘ muss da aufhören, wo Anwender in Gefahr geraten.“

Liste des VDE-Instituts führt „schwarze Schafe“ auf

Zum Schutz der Verbraucher arbeitet das VDE-Institut intensiv mit den europäischen Zollbehörden und mit Interpol zusammen. So kontrollieren die Zollbehörden bei der Wareneinfuhr in die Europäische Union die Vorlage eines gültigen Zertifikats für jedes VDE-Prüfzeichen an einem Produkt. Binnen Minuten werden die Zertifikate online verifiziert, Plagiate schneller aufgespürt. Wichtigstes Instrument für die Sensibilisierung und Aufklärung der Verbraucher ist die sogenannte „Schwarze Liste“ des VDE-Instituts. Hier werden entdeckte Plagiate und unsichere Produkte veröffentlicht

Ebenfalls gibt es eine Liste der vom VDE zertifizierten Produkte. Diese finden Sie hier.

Produktsicherheit und Rechtssicherheit

Mit einer VDE-Zertifizierung haben Hersteller die Gewissheit, dass ihr Produkt den derzeitigen normativen und gesetzlichen Sicherheitsanforderungen sowie den anerkannten Regeln der Technik entspricht. Verbraucher können sich sicher sein, dass von einem VDE-geprüften Produkt keine Gefahr ausgeht. Das VDE-Zeichen gewährleistet somit auch Rechtssicherheit in Haftungsfragen. Für Einkäufer, Händler und Importeure bedeutet das Prüfzeichen ebenfalls ein sicheres Merkmal, dass ihr Produkt allen Anforderungen entspricht.

Inspektion und Überwachung

Die Zertifizierung mit dem VDE-Zeichen ist zwingend mit einer Überwachung der Fertigung der genehmigten Produkte verbunden. Dies soll bei den zertifizierten Produkten eine gleichbleibende Qualität und Beschaffenheit – analog der Erstzulassung – sicherstellen. Das Institut des VDE führt aber auch auf Wunsch oder als besondere Inspektionsmaßnahme im Rahmen der Konformitätsüberwachung zusätzliche Inspektionen und Warenkontrollprüfungen durch. Weitere Informationen zu den Prüfungen finden Sie hier.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Redakteur, MM MaschinenMarkt