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Porträt Der Hochstapler aus Columbia

| Autor/ Redakteur: Benedikt Hofmann / M. A. Benedikt Hofmann

Zugegeben, die Überschrift ist ein wenig reißerisch, aber ganz falsch ist sie nicht. Denn Eugene Bradley Clark ist sozusagen der Vater des maschinellen Hochstapelns. Der Unternehmer aus Columbia im US-Bundesstaat Maryland hat, je nach Sichtweise 1917 oder 1924, den Gabelstapler erfunden.

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Eugene Bradley Clark, Erfinder des Gabelstaplers.
Eugene Bradley Clark, Erfinder des Gabelstaplers.
(Bild: Clark)

„Welches Jahr das richtige ist, ist eine typische Henne-Ei-Frage. Der Tructractor aus dem Jahr 1917 ist sozusagen die Mutter aller Frontstapler. Aus ihm ist der Duat entstanden“, sagt Anita Würmser, Initiatorin der Logistik Hall of Fame, in die Clark schon 2007 aufgenommen wurde. „Clark selbst soll in den 20ern gesagt haben: ,Ich glaube, das Tructractor-Geschäft ist die vielversprechendste unserer verschiedenen Aktivitäten’.“

Nachdem Clark 1894 sein Maschinenbaustudium an der Cornell University (NY) abgeschlossen hatte, startete er seine Karriere als Geschäftsmann bei Illinois Steel Works und dann ab 1904 bei der George R. Rich Manufacturing Company. George R. Rich stellte Bohrer her, die unter anderem beim Bau von Eisenbahnstrecken eingesetzt wurden. Clark krempelte nun das Unternehmen ordentlich um und führte es wieder auf einen profitablen Weg. Wenig später wird es in Celfor Tool Company umbenannt und durch eine Fusion mit der Gießerei Buchanan Electric Steel Company, die Clark selbst gegründet hatte, entsteht 1916 schließlich die Clark Equipment Company.

Typisch amerikanisch

Würmser beschreibt Clark als typischen Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Typ: „Unabhängig, kreativ und risikofreudig, ein leidenschaftlicher Erfinder und ein Macher. 1904 stieg er durch einen schlauen Schachzug vom Angestellten zum Anteilseigner seines späteren Unternehmens auf. Clark hatte schnell erkannt und sprach das auch laut aus, dass sowohl die Bohrer als auch das Management bei George R. Rich nicht viel taugten.“ Seine Bosse waren geschockt über so viel Arroganz, baten ihn in ihrer Not aber dennoch, einen Sanierungsplan auszuarbeiten. Der damals 33-jährige Ingenieur soll gesagt haben: „Ich gehe zu Buchanan, führe fortan das Unternehmen und sie machen mich zum gleichberechtigten Partner.“ Ein Jahr später zahlte George R. Rich seine Rechnungen wieder pünktlich und Clark hatte die erste Säule der späteren Clark Equipment Company. Bei der Buchanan Electric Steel Company setzt er seine Gabelstapler selbst ein, was ihm dann einen echten Wettbewerbsvorteil verschaffte. „Ich würde sagen, er war clever“, betont Anita Würmser.

Natürlich hatte der „Gabelstapler“ von damals nicht viel mit seinen heutigen Urenkeln gemein. Es war ein recht rudimentäres, dreirädriges, benzinbetriebenes Fahrzeug mit einem Ladebehälter für knapp zwei Tonnen Last an der Vorderseite, das Clark für den innerbetrieblichen Materialtransport in seinem Unternehmen entwickelte. Der Tructractor musste noch manuell be- und entladen werden und angeblich hatte er keine Bremsen, weswegen ein schnelles Ende der Fahrt nur durch eine mehr oder weniger kontrollierte Kollision mit einem feststehenden Gegenstand erreicht werden konnte. Dennoch waren die Besucher des Unternehmens von dem neuen Gefährt begeistert und wollten unbedingt selbst eines ihr Eigen nennen. Da ließ sich ein Geschäftsmann wie Clark natürlich nicht zwei Mal bitten und er etablierte einen neuen Geschäftszweig. 1918 wurden acht Tructractor gebaut, 1919 waren es bereits mehr als 75. Im selben Jahr wird die Clark Tructractor Company gegründet, der direkte Vorläufer der heutigen Clark Material Handling Company.

Das Herz eines Erfinders

Aber Clark wäre kein echter Pionier und Erfinder gewesen, hätte er sich auf den Lorbeeren seiner ersten Kreation ausgeruht. Bereits 1920 entwickelt er den Truclift, der Lasten von 2000 bis 5000 kg hebt. Es ist der erste in der Industrie eingesetzte Hubwagen mit Verbrennungsmotor, der über ein hydraulikgetriebenes Hebesystem verfügt. 1923 folgt dann der erste benzinbetriebene Dreiradschlepper namens Duat (do this, do that) mit 750 kg Zugkraft. Und auch hier zeigt sich Clark als progressiver Denker und folgt schon damals der Plattformstrategie. Durch den Anbau einer mechanisch angetriebenen Hebevorrichtung für Lasten bis 455 kg kann der Duat nur kurze Zeit nach seiner Vorstellung zum ersten benzingetriebenen Frontstapler umgerüstet werden. In dieser Form sieht er heutigen Flurförderzeugen dann schon erstaunlich ähnlich.

„Entscheidend für die Aufnahme in die Logistik Hall of Fame ist, dass die Leistung eines Menschen die Logistik maßgeblich vorangebracht hat und nicht nur der eigenen Organisation, sondern einer größeren Gruppe nützt“, so Initiatorin Würmser. „Darauf legt die Jury großen Wert und das ist Clark mit der Erfindung des Staplers zweifelsohne gelungen.“ Im Gegensatz zur genauen Geburtsstunde des Gabelstaplers ist das wohl absolut unstrittig. Aus den acht Tructractor Modellen, die er noch 1918 fertigte, ist heute ein weltweiter Markt mit rund einer Million abgesetzten Flurförderzeugen jährlich geworden.

Clark hat also Recht behalten, die von ihm erfundene Technologie hat sich als durchaus vielversprechend erwiesen. Den weltweiten Siegeszug der Gabelstapler, der nach dem Zweiten Weltkrieg begann, erlebte er allerdings nicht mehr. 1942 verstarb der Erfinder in Chicago an einer Lungenentzündung. 55 Jahre später baute das von ihm gegründete Unternehmen seinen 1.000.000sten Gabelstapler, der heute im Showroom in Lexington, Kentucky, ausgestellt ist. 2003 stand die vorerst letzte große Veränderung in der bewegten Geschichte von Clark Material Handling an. In diesem Jahr wurde das Unternehmen von der Young An Company übernommen und seither fahren die Gabelstapler mit der stolzen Geschichte unter südkoreanischer Flagge.

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