Suchen

Maschinensicherheit auf der Metav 2020 Der Safety Day informiert über maschinenbauliche Sicherheitskonzepte

| Autor / Redakteur: Cornelia Gewiehs / Peter Königsreuther

Mulmig wird es vielen, wenn sie an die geplante Neufassung der europäischen Maschinenrichtlinie seitens der EU-Kommision denken. Was das bedeutet, und wie man dem begegnen kann, lernt man am 10. März in Düsseldorf im Rahmen der Metav.

Firmen zum Thema

Der Safety Day am 10. März auf der Metav 2020 will mehr Klarheit in Bezug auf die Neuausrichtung der europäischen Maschinenrichtlinie bringen. Wegen der Gefahrenpotenziale spielt laut VDW auch das Thema Mensch-Maschine-Interaktion dabei eine große Rolle.
Der Safety Day am 10. März auf der Metav 2020 will mehr Klarheit in Bezug auf die Neuausrichtung der europäischen Maschinenrichtlinie bringen. Wegen der Gefahrenpotenziale spielt laut VDW auch das Thema Mensch-Maschine-Interaktion dabei eine große Rolle.
(Bild: Messe Düsseldorf / C. Tillmann)

Mit der europäischen Maschinenrichtlinie steht derzeit das wohl bedeutendste Regelwerk für den Bereich Maschinensicherheit auf dem Prüfstand. Die EU-Kommission plant eine Neufassung. Die textlichen Vorboten sorgen bei Unternehmen und Verbänden gleichermaßen für Unruhe. Mögen zwar die Ziele der Revision, wie etwa die Anpassung an den technischen Fortschritt, noch Zustimmung finden, so liegt die Crux wie so oft im Detail. Das gilt vor allem für die Werkzeugmaschinen. Wie sich die sicherheitstechnische Auslegung von Maschinen bei veränderlichen Rahmenbedingungen im marktwirtschaftlichen Wettbewerb weiter verbessern lässt, ist Thema auf dem Safety Day, zu dem der VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) im Rahmen der Fachmesse Metav 2020 (9. bis 11. März) am 10. März auf das Düsseldorfer Messegelände einlädt.

Wichtig: Maschinenanalysen und Dokumentation

Dabei werden der noch gültigen Maschinenrichtlinie (MRL) aus dem Jahr 2006 durchaus positive Effekte für die Branche zugesprochen. Sie dürfte maßgeblich dazu beigetragen haben, die Sicherheitsstandards innerhalb der Europäischen Union zu vereinheitlichen und so einen EU-Mehrwert generiert haben. Für Eberhard Beck, Leiter Steuerungstechnik beim Werkzeugmaschinenhersteller Index-Werke und Mitglied des Arbeitskreises 3 „Sicherheitstechnik“ im VDW, steht fest, dass effektive und produktive Maschinen nur möglich sind, wenn Hersteller alle technischen Eigenschaften und Funktionen durch Messungen und Analysen kennen und dokumentieren können. Dazu gehöre auch die Maschinensicherheit. So ließen sich Differenzierungsmerkmale am Markt erschließen und erfolgreich kommunizieren. Beck bezieht klar Position: „Ich sehe den hohen Sicherheitszwang in Summe eher als Vorteil und weniger als Nachteil der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie.“

Bildergalerie

Sicherheit muss als Prozess verstanden werden

Der VDW als Interessenvertretung der deutschen Werkzeugmaschinen-Industrie hat seine eigene Strategie entwickelt, um einerseits in Normungsprozessen Verständnis für die speziellen praxisrelevanten Aspekte bei Werkzeugmaschinen zu wecken – was sich nicht immer einfach darstellt, wie Experten jetzt auch bei der Neufassung der Maschinenrichtlinie beklagen. Andererseits geht es darum, Schlüsselthemen in puncto Werkzeugmaschinen-Sicherheit mit Fachleuten aus Mitgliedsunternehmen, Zulieferern und Anwenderkreisen aufzubereiten, um kontinuierlich Branchenstandards zu erhöhen, die sich auch normativ verankern lassen. „Sicherheit ist keine Eigenschaft, sondern ein Prozess“, betont Dr. Alexander Broos, Leiter der Abteilung Forschung und Technik im VDW.

Um wirkliche (Personen-)Sicherheit im Umgang mit Maschinen erreichen zu können, wie Beck besätigt, muss permanent gegengeprüft, überdacht und weitergedacht werden. Jeder im Laufe der Maschinennutzung bekannt gewordene Beinaheunfall oder passierte Unfall müsse sicherheitsgerichtet berücksichtigt und geprüft werden, um gegebenenfalls nachzubessern. Nur so sei es möglich, die Maschinensicherheit kontinuierlich zu erhöhen und dafür zu sorgen, dass auch der gleichzeitige Eintritt mehrerer unerwarteter Gefährdungssituationen im Sinne der Personensicherheit beherrscht werden kann. Eberhard Beck zieht, wie er sagt, für sich selbst daraus die Motivation, sich im VDW für das Thema Sicherheitstechnik zu engagieren. Die Arbeit im Arbeitskreis diene dem Erfahrungsaustausch und könne als „Katalysator“ verstanden werden.

Schutzumhausungen sind oft zu viel des Guten

Weil es nicht mehr nur um kontinuierliche Verbesserungen, sondern auch um den Nachweis der Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines kritischen Ereignisses (probabilistische Betrachtungsweise) und die Bewertung des Restrisikos geht, wird darüber hinaus die Zusammenarbeit mit Universitäten und Forschungsinstituten forciert. So wurde in bisherigen Studien unter anderem untersucht, wie der Einsatz trennender Schutzeinrichtungen (Wände, Umhausungen) zur signifikanten Reduzierung des Sicherheitsrisikos führen kann oder welche Möglichkeiten es gibt, etwa das Risiko des Falls einer schwerkraftbelasteten Achse zu minimieren.

Während auf der einen – der Herstellerseite – Untersuchungen vom VDW initiiert und unterstützt werden, sind auf der Kunden- und Anwenderseite, die Berufsgenossenschaften mit eigenen Forschungsprojekten am Wirken. Im Idealfall kommen die Experten zu übereinstimmenden Ergebnissen, für die dann gemeinsam und nicht zuletzt auch international um Anerkennung geworben wird. So reiste Christian Adler, Leiter der Prüf- und Zertifizierungsstelle Oberflächentechnik und Anschlagmittel der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM), Hannover, Ende Januar mit dem VDW-Sicherheitsexperten Heinrich Mödden nach Tokio, um für einen Vorschlag zur Dimensionierung von Schutzeinrichtungen an Schleifmaschinen zu werben. „Ausgangspunkt des Problems war, dass die bisherige Auslegungskonvention völlig überzogen und kaum umsetzbar war“, merkt Adler an, was dazu führte, dass die Norm in der Praxis einfach nicht beachtet wurde. Die BGHM konnte mit eigener Studie klar nachweisen, dass die Umhausung gar nicht so massiv sein muss, weil sie sich auch verformen darf, ohne Einbußen in Sachen Sicherheitswirkung. Den erarbeiteten Vorschlag wird Christian Adler im Rahmen des Metav Safety Day vorstellen. Grundsätzlich vertritt Adler die Auffassung, dass es keinen Sinn macht, die perfekte Schutzeinrichtung zu fordern, wenn die Maschine dann aus praktischen oder wirtschaftlichen Umständen erst gar nicht gebaut werden kann.

(ID:46328098)